Volltext : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Stellungnahme  Friedrichs  I.  und  Heinrichs  des  Löwen.  235

Staufern  den  Welfen  ganz  genehm  war,  versteht  sich  von  selbst.  Das  dynastische
  Interesse  ging  damals  allen  Fürsten  weit  über  das  nationale.  Und
so  mußten  sich  die  Welfen  freuen,  daß  nun  dem  nebenbuhlerischen  Geschlechte
Hemmung  in  seinem  reißenden  Vorwärtsstreben  und  bedeutende  Schwächung
drohte.  Waren  ja  dadurch  die  Staufer  nicht  allein  verhindert,  den  Welfen
als  übermächtige  Feinde  entgegenzutreten;  sie  waren  sogar  gezwungen,
deren  Freundschaft  auch  ferner  zu  suchen,  und  daß  die  Freundschaft  eines
Kaisers  manchen  Vorteil  brachte,  das  hatten  die  Welfen  selbst  erst  kürzlich
zu  öfteren  Malen  zu  erkennen  Gelegenheit  gehabt.

Obwohl  der  Kaiser  sich  so  hart  gegen  die  päpstlichen  Legaten  benommen
hatte,  machten  doch  die  Kardinäle  von  Alexanders  Partei  noch  einen  Versuch,
ihn  günstiger  für  sich  zu  stimmen.  Sie  sandten  einen  Brief  an  ihn,  in  dem
sie  ihm  mit  Demut  entgegen  kamen'),  dann  aber  die  Wahlverhandlungen
im  Sinne  ihrer  Partei  schilderten  und  sich  bitter  über  die  Gewalttätigkeiten
des  Wittelsbachers  beschwerten.

Die  Aufregung  des  Kaisers  hatte  sich  inzwischen  einigermaßen  gelegt,  und
zugleich  war  ihm  der  Gedanke  aufgestiegen,  die  gegenwärtige  Spaltung  der
Kirche  zur  Erhöhung  seiner  eigenen  Macht,  seines  eigenen  Ansehens  zu  benutzen.
  Wiederum  sollte  eine  Befugnis  des  Kaisertums,  die  Otto  der  Große
und  Heinrich  III.  glorreichen  Angedenkens  ausgeübt  hatten,  nach  langer
Unterbrechung  hergestellt  werden.  Bei  unheilvollen  Spaltungen  der  Kirche
hatten  diese  Kaiser  selber  jedesmal  ein  ökumenisches  Konzil  zusammengerufen,
  um  zwischen  den  Widersachern  zu  entscheiden.  So  hatten  sie  immer
ihre  Stellung  als  Schirmvogt  der  Kirche  geltend  gemacht;  nicht  etwa  als
deren  untergeordneter  Diener,  sondern  als  höchster  Richter  auch  in  deren
Angelegenheiten.  Friedrich  wollte  dem  Kaisertume  diese  Macht  zurückgeben.
Allerdings  war  es  sehr  die  Frage,  ob  nach  der  ungeheuren  inneren  und
äußeren  Kräftigung  der  Kirche  in  den  letzten  100  Jahren  sie  sich  von  neuem
einer  Herrschaft  unterwerfen  würde,  wie  sie  solche  einst  zu  den  Tagen
Johanns  XII.  oder  der  Synode  zu  Sutri  ertragen  hatte.

Als  den  Tag  dieses  großen  Konzils  setzte  Friedrich  den  13.  Januar  fest,
als  den  Ort  Pavias").  Zuerstrichtete  er  an  alle  ihm  unmittelbar  untergebenen  23.  Okt.
Bischöfe  und  Abte  in  Deutschland,  Burgund,  Oberitalien,  Tuszien  und
auch  in  Unteritalien  —  das  er  ja  als  de  iure  ihm  gehörig  betrachtete  —  gemessene
  Aufforderungen,  sich  auf  dem  Konzile  einzufinden?““).  Dann  wandte

 

%)Ragev.  IV,  63.  —  So  z.  B.  lautet  die  Anrede:  Friderico  Dei  gratia  glorioso,

iustri,  magnifico  et  sublimi  Romancorum  imperatori  etc.

%)  Ep.  imperatoris  ad  episc.  Brixiensem  ap.  Ragev.  IV.  66:  Curiam  solemnem  et
conventum  omnium  eecclesiasticorum  virorum  in  Octava  Papiae  cele-Hranckum

  indiximus.  —  Ep.  imp.  ad  Henricum  regem  Angliae  M.  G.  Leg.  .  p.  119

u.  a.  m.  —  Martyrium  Arnoldi,  p.  294.

)  Otto  Mor.,  p.  620.  —  Ep.  imp.  ad  rog.  Angliao  l.  c.  —  Ein  Beispiel  der  wahrscheinlich

  —A  mutands  gleichlautenden  Einladungsschreiben  ist  Ep.  imp.  ad  episc.

Brixiens