Full text: Die Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I. Fünfter Band. (5)

Unwille Napoleon's. 229 
Truppen einrücken zu lassen, eine strenge Forderung sofortiger 
Annahme des Waffenstillstandes, welchen Preußen bereits an- 
genommen habe. Der König, welcher diese kaiserliche Er- 
klärung nicht wohl Lügen strafen durfte, telegraphirte zurück, 
daß er den Stillstand unter drei Bedingungen annchmen 
wolle: Abtretung Venetiens durch Osterreich unmittelbar an 
Italien, Abtretung Wälschtirols, Fernhaltung jeder andern 
Frage (wobei in erster Linie die römische gemeint war), aus 
den Verhandlungen. 
In diesem Augenblick traf in Florenz die lang ersehnte 
preußische Depesche aus Horschitz vom 6. Juli ein, welche in 
kurzen Worten die preußische Antwort an Napoleon dem 
Bundesgenossen mittheilte. Ricasoli athmete auf. Als jetzt 
Malaret wieder auf Stillstand drängte, da ihn Preußen 
bereits angenommen, bat ihn der Minister um gefällige An- 
gabe des Tages, an welchem die preußische Annahme erfolgt 
sei. Darauf verstummte Malaret. Die Hoffnung, durch 
überstürzendes Drängen Italien zur Unterwürfigkeit zurück- 
zuzwingen, war vereitelt. 
Begreiflicher Weise wuchs dadurch in Paris die Er- 
bitterung. Am 9. Juli erschien ein neues Telegramm des 
Ministers, erklärte den hohen Unwillen Napoleon's über die 
drei Bedingungen, drohte bei weiterem Eigensinn mit einem 
österreichisch--französischen Bündniß und mit der Absendung 
einer französischen Kriegsflotte nach Venedig. Ricasoli, jetzt 
der Festigkeit Preußens versichert, ließ sich das nicht anfechten, 
und drang nur um so mehr auf beschleunigtes Vorgehen 
Cialdini's. Freilich hatte La Marmora es dahin gebracht, 
daß man den Abmarsch mehrerer österreichischer Corps nach 
Wien nicht mehr zu hindern vermochte: als die dringendste