Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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war  Blücher  der  echteste  Ausdruck  der  Stimmungen,  die  Preußens  Volk  und
Heer  in  den  Befreiungskriegen  belebten.  Wenn  der  schöne,  jugendliche  Greis
mit  dem  hoheitblickenden  Antlitz,  der  freien,  hohen  Stirn,  den  dunkeln  flammenden
  Augen  unter  buschigen  Brauen,  sich  im  Waffenschmucke  vor  der  Schlacht
zeigte,  wenn  er  so  freudig  sein  mutiges  Roß  tummelte  und  so  schneidig  seinen
blitzenden  Husarensäbel  auf  zum  Himmel  schwang,  dann  erschien  er  seinen
Kriegern  gleich  dem  Kriegsgotte  selber,  dann  ging  etwas  von  seiner  leuchtenden
Siegeszuversicht  auch  auf  die  zaghaftesten  Gemüter  über.  Sein  mächtiges  „Vorwärts!“
  übertönte  bald  alle  Skrupel  und  Bedenken  der  übrigen  Heerführer  und
klang  wie  der  Heroldsruf  Preußens  auf  allen  Schlachtseldern  von  den  schlesischen
  Gefilden  bis  Paris,  und  dem  preußischen  Volke  klang  aus  dem  donnernden
  Vorwärtsruf  des  alten  Blücher  sein  eigener  Weltberuf  entgegen.

Bei  so  vielen  Verdiensten  und  so  gerechten  Ansprüchen  Preußens  nimmt
es  uns  wunder,  Preußen  nicht  auch  politisch  und  militärisch  die  Führerschaft
in  dem  großen  Bunde  gegen  Napoleon  übernehmen  zu  sehen.  Aber  teils  wurde
die  Leistungskraft  Preußens  noch  nicht  genügend  gewürdigt,  teils  weigerte  sich
die  Eifersucht  der  übrigen  Großmächte,  der  jüngsten  und  —  dem  Umfange
nach  —  kleinsten  unter  ihnen  eine  so  bedeutungsvolle  Rolle  zu  übertragen.
Vielmehr  arbeitete  Graf  Metternich  nicht  ohne  Erfolg  darauf  hin,  Osterreich
die  führende  Stellung  zu  verschaffen.

Diese  Frage  wurde  zunächst  bei  der  Wahl  des  Oberbefehlshabers  der  verbündeten
  Heere  von  praktischer  Bedeutung.  In  der  ganzen  mittleren  und
neueren  Geschichte  hat  es  wohl  niemals  eine  glanzvollere  und  bedeutsamere
Stellung  gegeben  als  diejenige  eines  Oberbefehlshabers  der  verbündeten  Hcere
des  halben  Europa  in  dem  Kampfe  zur  Befreinng  der  Völker  Europas  von
der  Zwingherrschaft  eines  Despoten.  Der  Name  eines  solchen  Helden  mußte,
wenn  es  ihm  gelang,  den  Sieg  zu  erringen,  mit  Glanz  und  Ruhm  der  spätesten
  Nachwelt  überliefert  werden  und  in  die  Geschichte  und  Dichtung  der
Völker  übergehen.  Aber  es  gehörte  der  Mann  dazu,  welcher  die  Bedentung
dieser  Stellung  und  die  treibenden  Ideen  des  Kampfes  begriff  und  welcher
nicht  wankte  in  dem  festen  Vertranen,  mit  Gottes  Hilfe  den  gefürchteten  Gegner
Europas  zu  besiegen.  Es  waren  jedoch  nicht  diese,  sondern  politische  Rücksichten,
  welche  für  die  Wahl  des  Oberbefehlshabers  den  Ausschlag  bei  den
Mächten  gaben.  Sie  hofften,  Osterreich  am  chesten  für  das  Bündnis  zu  gewinnen,
  wenn  sie  ihm  die  Besetzung  dieser  einflußreichen  Stellung  übertrugen.
Der  Erzherzog  Karl,  Bruder  des  Kaisers  und  Sieger  von  Aspern,  welchen  die
öffentliche  Meinung  als  würdig  bezeichnete,  war  damals  in  Ungunst  bei  der
Hofburg,  und  so  einigte  man  sich  auf  den  österreichischen  Feldmarschall  Fürsten
Karl  zu  Schwarzenberg,  einen  Mann  von  dem  reinsten  Streben  und  den
vorzüglichsten  Eigenschaften  des  Charakters  und  des  Herzens,  von  feinem,  welt-