–.. 427
war Blücher der echteste Ausdruck der Stimmungen, die Preußens Volk und
Heer in den Befreiungskriegen belebten. Wenn der schöne, jugendliche Greis
mit dem hoheitblickenden Antlitz, der freien, hohen Stirn, den dunkeln flammenden
Augen unter buschigen Brauen, sich im Waffenschmucke vor der Schlacht
zeigte, wenn er so freudig sein mutiges Roß tummelte und so schneidig seinen
blitzenden Husarensäbel auf zum Himmel schwang, dann erschien er seinen
Kriegern gleich dem Kriegsgotte selber, dann ging etwas von seiner leuchtenden
Siegeszuversicht auch auf die zaghaftesten Gemüter über. Sein mächtiges „Vorwärts!“
übertönte bald alle Skrupel und Bedenken der übrigen Heerführer und
klang wie der Heroldsruf Preußens auf allen Schlachtseldern von den schlesischen
Gefilden bis Paris, und dem preußischen Volke klang aus dem donnernden
Vorwärtsruf des alten Blücher sein eigener Weltberuf entgegen.
Bei so vielen Verdiensten und so gerechten Ansprüchen Preußens nimmt
es uns wunder, Preußen nicht auch politisch und militärisch die Führerschaft
in dem großen Bunde gegen Napoleon übernehmen zu sehen. Aber teils wurde
die Leistungskraft Preußens noch nicht genügend gewürdigt, teils weigerte sich
die Eifersucht der übrigen Großmächte, der jüngsten und — dem Umfange
nach — kleinsten unter ihnen eine so bedeutungsvolle Rolle zu übertragen.
Vielmehr arbeitete Graf Metternich nicht ohne Erfolg darauf hin, Osterreich
die führende Stellung zu verschaffen.
Diese Frage wurde zunächst bei der Wahl des Oberbefehlshabers der verbündeten
Heere von praktischer Bedeutung. In der ganzen mittleren und
neueren Geschichte hat es wohl niemals eine glanzvollere und bedeutsamere
Stellung gegeben als diejenige eines Oberbefehlshabers der verbündeten Hcere
des halben Europa in dem Kampfe zur Befreinng der Völker Europas von
der Zwingherrschaft eines Despoten. Der Name eines solchen Helden mußte,
wenn es ihm gelang, den Sieg zu erringen, mit Glanz und Ruhm der spätesten
Nachwelt überliefert werden und in die Geschichte und Dichtung der
Völker übergehen. Aber es gehörte der Mann dazu, welcher die Bedentung
dieser Stellung und die treibenden Ideen des Kampfes begriff und welcher
nicht wankte in dem festen Vertranen, mit Gottes Hilfe den gefürchteten Gegner
Europas zu besiegen. Es waren jedoch nicht diese, sondern politische Rücksichten,
welche für die Wahl des Oberbefehlshabers den Ausschlag bei den
Mächten gaben. Sie hofften, Osterreich am chesten für das Bündnis zu gewinnen,
wenn sie ihm die Besetzung dieser einflußreichen Stellung übertrugen.
Der Erzherzog Karl, Bruder des Kaisers und Sieger von Aspern, welchen die
öffentliche Meinung als würdig bezeichnete, war damals in Ungunst bei der
Hofburg, und so einigte man sich auf den österreichischen Feldmarschall Fürsten
Karl zu Schwarzenberg, einen Mann von dem reinsten Streben und den
vorzüglichsten Eigenschaften des Charakters und des Herzens, von feinem, welt-