Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

90 Neuer Mihgriff Usedoms. Türkisches Organisationsprojekt für Kreta und die Mächte. 
*901. Telegramm an den Gesandien in Florenz Grafen von Usedom. 
[ Konfzept von der Hand des Vortragenden ARats Theremin.) 
Nach einem Telegramm Usedoms vom 21. Cktober (Ar. 93) drohten die Bemühungen 
Cialdinis, ein neues Ministerium mstande zu bringen, m scheitern. Usedom jelbst, der nach 
leiner Hrrichterlstattung lehr voreingenommen für ARatani war (ogl. auch: Aus dem Leben 
Tb. v. Vernbardis, VIII, 132 ff.), war, wie er Bismarck offen mitteilte, bemüht, einem Wieder- 
eintreten Ratanis die Wege zu ebnen. 
Berlin, den 22. Cktober 1867. 
Aus Ew. pp. Telegramm Nr. ersehe ich, daß Sie für Ratazzis Wiedereintreten 
bemüht sind. Ich ersuche Ew. pp., in Erwägung zu nehmen, daß eine solche Unterstützung 
einer der dortigen Parteien, wenn sie mißlingt, Sie notwendig in eine unangenehme 
Stellung zu der andern, die an das Ruder kommt, bringen muß, und ersuche ich Ew. pp., 
sich jeder Cinmischung, zu der Sie nicht von bier aus beauftragt sind, m enthalten. 
*902. Telegramm an den Gesandten in Konstantinopel 
Grafen Brassier de St. Simon. 
[Konzept von der Sand des Vortragenden Aats Ther##mn. 
Nachdem die Cürkei Anfang September (ogl. NAr. 852, Vorbemerkung) den mündlichen Vorschlag 
der Vertreter Ruhlands, Srankreichs, Preußens und Italiens, die Seindseligkreiten auf Kreta für 
drei Monate einzustellen und inzwischen eine internationale Kommission zur Seststellung der Wünsche 
der Bevölkerung einmsetzen, in der Hauptsache abgelehnt und statt dessen ein durchaus ungenügendes 
Projekt für die künftige Organisation der Insel vorgelegt hatte, verhandelten Rußland und 
Grankreich über eine möglichst von allen interessierten Mächten gemeinschaftlich abzugebende Er- 
klärung, die der Pforte klarmachen sollte, daß die Geduld der Mächte nachgerade erschöpft 
lei. Am 21. September übersandte Fürst Gortschakow dem anssischen Botschafter in Daris den 
Entwurf zu einer solchen Erklärung (Les Origines Diplomatigues de la Guerre de 
16970—18STI, XVIII, 325 ss.), an dem jedoch französischerseits noch wesentliche Anderungen vor- 
genommen wurden. Am 22. Oktober sprach Kaiser Alexander II. dem preußischen Militär- 
bevollmächtigten v. Schweinit den Wunsch aus, doh Preußen die so modifijierte Deklaration, 
deren Text gleichzeitig in Berlin vorgelegt wurbe, annehme. 
Berlin, den 22. Oktober 1867. 
Die rufsische Regierung wünscht, daß wir uns einer von ihr entworfenen und von 
Frankreich amendierten gemeinsamen Erklärung an die Pforte anschließen. Sch habe m- 
gesagt, dies bei Seiner Moajestät dem Könige, den ich morgen erwarte, m befürworten. 
Sobald die allerhöchste Cntscheidung erfolgt, telegraphiere ich Shnent. 
*903. Telegramm an den Gesandten in Konstantinopel 
Grafen Brassier de St. Simon. 
[CEigenhäöndiges Konsjept.)] 
In einem Telegramm vom 23. Cktober hatte Graf Brassier bemerklich gemacht, daß nach 
Mçitteilungen des österreichischen Geschsststrägers Österreich und England sich schwerlich der 
rujsisch-franzölischen Deklaration (ogl. ARr. 902) anschließen würden. 
Berlin, den 23. Cktober 1867. 
Tellegramm) vom 23. ohne No. erxhalten. Ew lpp.) wollen dennoch Sich der Er- 
Klärung anschließen, falls sie von Mußland ulnd] Frankreich gemeinschaftlich gegeben wird. 
Wir baben dieß den Aufsen zugesagt. 
Anm B. fügte Dismarck tel · ch: „Der König hat, genehmigt, daß Sie sich der im Tele- 
gramm Ar. 26 E — und Sebnreiche Snpchttehent