Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

88 Unklare Berichterstattung Usedoms. 
Grankreichs Übergewicht m schützen. Auch der Besorgnis Campellos vor einer Okkupation 
von Slorenz mit 20 O00 Mann hätten Ew. pp. nach Anleitung der erwähnten zweiten Hälfte 
ihrer Instruktion sofort das ganze Gewicht, welches wir überhaupt einzuwerfen vermögen, 
entgegenstellen können. Sür den Sall, daß Herr Campello Minister der auswärtigen Ange- 
legenbeiten bleiben sollte, kann ich nur bedauern, dah derselbe mir infolge dieser Telegramme 
Ew. pp. in einem Lichte erscheint, welches mir kaum gestattet, ihn ernsthaft zu nehmen. 
Ew. pp. ersuche ich ergebenst, die vor mir liegende Serie der Telegramme 81 bis 92 
nochmals im Susammenhange in hren Akten durchsehen m wollen und mir zu sagen, ob Sie 
aus dieser kurzen Zusammenstellung einer Reihe von Vorhersagungen, Drohungen und Ent- 
schließungen, welche sämtlich sich nicht verwirklichten und zum Teil von Haufe aus wenig 
glaubwürdig waren, nicht ebenso wie wir hier den Eindruck entnehmen, daß die Herren 
NRatan#i und Campello ein ungewöhnliches Maß von Leichtgläubigkeit und Mangel an Vor- 
aussicht, vielleicht auch von Unklarheit über die eigenen Entschließungen entwickelt haben. 
Sw. pp. wollen die Güte haben, mich darüber aufmilären, ob ein ruhiger Rückkblick auf die 
Ereignisse auch öhnen diesen Eindruck macht, oder ob ich infolge der notwendigen Unvoll- 
ständigkeit telegraphischer Mitteilungen mir ein falsches Bild von der Sache mache, welches 
mich abbält, der letzten Phase der italienischen Dolitik dieselbe vertrauensvolle Auffassung 
abmyewinnen, die sie bei Ew. pp. gefunden zu haben scheint. 
Es wird mir ferner von nteresse sein, vergewissert zu werden, ob die nach öhrem 
Celegramm vom 18. Ar. 85 von Natazji in Paris beabsichtigte Erklärung" dort wirklich 
abgegeben ist. 
Nach dem Telegramm Ar. 87 haben Ew. pp. dem Adjutanten des Königs Victor 
Emanuel gesagt, die römische Frage gebe Preußen nichts an. Sch darf annehmen, daß nur 
die telegraphische Kürze Ew. pp. abgehalten hat, zu melden, daß Sie dem Adjutanten unsere 
Sumpathien für die Bollendung der Einheit SItaliens und die zwingenden Gründe, welche 
uns dennoch verbieten, direkt gegen den Papft Partei zu nehmen, nach Anleitung der Un- 
struktion vom 13. entwickelt haben werden. Unfere Ew. pp. und durch Sie oft kund- 
gegebenen Sympatbien für Italien können freilich dadurch nicht gefördert werden, wenn 
Ew. pp. lich genötigt finden, jeden Wunsch Italiens in Bezug auf unsere Politik mit der 
schließlichen Perspektive zu unterstützen, daß „Stalien sonst in Frankreichs Hand falle und 
notwendig dessen Allüerter werde“. Sch kann nicht leugnen, daß dergleichen allgemeine 
Befürchtungen durch die häufige Wiederbolung, in der sie mir aus Ew. pp. Berichten ent- 
gegentreten, in Gewicht erheblich verlieren, und erlaube ich mir bei Gelegenheit der An- 
deutung in Ew. pp. TCelegramm Tr. 90, daß NRatazzis Sall für Hreußen sehr gefäbrlich sei, 
an die Besorgnisse zu erinnern, die sich in noch stärkerem Maße an den Fall Ricasolis und an 
den Eintritt Ratanis ins Amt knüpften. Die „Negotiationsmittel“, welche wir damals 
zur Stärkung Nicasolis angewendet haben, hatten die beabsichtigte Wirkung nicht; und 
wenn Ew. pp. jetzt nicht imstande gewesen sind, aus meiner õnstruktion vom 13. ausreichende 
Negotiationsmittel zur Erhaltung Vatanis im Amte m entnehmen, so kann ich dies wohl 
beklagen, aber nicht ändern. 
* Aach Ufedoms Telegramm Tr. 85 vom 18. Cktober beabsichtigte Ratani, in Paris erklären u 
lassen. Sech, Ulegen an Preuben die bündigste Versicherung wegen Schonung pöpltlicher 
Draußen wünsche alles bermiehen, u seben, k6 zu Iterwentien des eisers der Sramtolcn üee babe.? 
le Itallens Unabbängigkeit gefäbrdete, an welcher Dreußen wie Curopa ein gr "a 
Vach einem Fnsebängigeit . Goltz vom 25. Oktoder (liedbe Nr. 906) war jeboch das Telegramm 
Uedoms Ar. 8§° seblerhaft entdlffert.