174 Drittes Kapitel.
Ihre Sitzungen hielt die Nationalversammlung in der Singakademie.
Gleich in einer der ersten richtete die äußerste Linke die Interpellation
an das Ministerium: die Gründe offen darzulegen, welche den Hrinzen
von Hreußen fern vom Vaterlande gehalten hätten. Camphausen beantwortete
sie dahin, daß am 10. März dem Hrinzen von seinen Freunden
geraten worden, wegen der gegen ihn herrschenden Aufregung Berlin
zu verlassen, daß aber jetzt von den Ministern selbst mit Rücksicht auf
die Eröffnung der Nationalversammlung seine Rückberufung beantragt
worden sei. .
Nur wenige Tage noch, und der Prinz erschien selbst inmitten der
Mationalversammlung!
Am 28. Mai hatte der Hrinz England verlassen; am 50. war er
in Brüssel und richtete von hier aus ein Schreiben an den König, in
welchem er die VDoraussetzung, unter der er heimberufen war, fest und
deutlich bestätigte. „Ew. Woajestät“ — schrieb er — „zeige ich unterthänigst
an, daß ich dem mir erteilten Befehle gemäß London verlassen
und den Nontinent wieder betreten Rabe. Ich halte diesen Seitpunkt
für den passendsten, um meine Sw. Majestät schon bekannten Gesinnungen,
mit denen ich in die Heimat zurückkehre, nochmals offen auszusprechen.
Ich gebe mich der HBoffnung hin, daß die freien Institutionen, zu deren
festerer Zegründung Ew. Majestät jetzt die Dertreter des Dolkes berufen
haben, unter Gottes gnädigem Beistande sich zum Reile Hreußens mehr
und mehr entwickeln werden. Ich werde dieser Entwickelung mit Guversicht
und Treue alle meine Kräfte widmen und sehe dem Augenblicke
entgegen, wo ich der Derfassung, welche Ew. Majestät mit Ihrem Dolke
nach gewissenhafter Beratung zu vereinbaren im Begriffe stehen, die Anerkennung
erteilen werde, welche die Derfassungsurkunde für den Thronfolger
festsetzen wird.“
Am folgenden Tage begab sich der Hrinz nach dem Haag und besuchte
seinen Schwager, den Hrinzen Friedrich der Niederlande, auf dessen
Candsitze bei Leiden: Dann ging die Reise über Arnheim weiter nach
Wesel, wo er zuerst den preußischen Heimatsboden wieder betrat. Mit
lebhafter Kreude begrüßte die patriotische Bürgerschaft der Stadt den
lange Derkannten, so daß der Hrinz, tief ergriffen von der Herzlichkeit des
Empfanges, seine innere Bewegung nicht zu verbergen vermochte. „Es
ist immer“ — sprach er zu den ihn freudig Umringenden — „ein wohlthuendes
Gefühl, wenn man in das Daterland zurückkehrt, und es wird
mir stets eine glückliche Erinnerung bleiben, daß Wesel die erste Stadt
ist, wo ich mich habe aussprechen können. Den Herren ist bekannt, wie