Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

—  1607  —

und  die  Kurfe  in  Buchführung,  Kalkulation,  Wechsellehre  usw.,
die  der  staatsbürgerlichen  und  kaufmännischen  Ausbildung  dienen
follen.  Die  Kurfe  sollen  auch  auf  die  Ersetlich  eingerichtete
Meisterprüfung  vorbereiten,  von  deren  Bestehen  das  Recht,  Lehrlinge
  zu  halten,  abhängt.  Außerdem  sind  in  einigen  größeren
Städten  staatliche  Meisterkurse  eingerichtet.  Die  Kurse  dauern
2—8  Wochen  und  sollen  den  selbständigen  Meister  oder  älteren  Gesellen
  mit  dem  neuesten  Stand  seines  Gewerbes  bekannt  machen.
Die  Kursisten  zahlen  ein  geringes  Honorar  und  können  bei  Bedürftigkeit
  ein  Stipendium  erhalten.  Auch  viele  Kreise  haben
eine  Summe  dafür  ausgeworfen.

3.  Die  wirtschaftliche  Förderung  des  Landhandwerks.  Leider
liefern  viele  Landhandwerker  Masfenwaren,  z.  B.  Schuhe,  Stühle,
Kommoden,  Körbe,  Töpferei-,  Pebereiwaren  ausschließlich  nach
der  Stadt  an  Zwischenunternehmer  und  geraten  dadurch  in  eine
Abhängigkeit  von  den  Auftraggebern,  die  sie  endlich  zwingt,  bei
harter  Arbeit  mit  geringstem  Verdienst  zufrieden  zu  sein.  So  z.  B.
gibt  es  in  der  Provinz  Hannover  Landorte,  wo  ganze  Schuhmacher-
  oder  Tischlerkolonien  ein  karges  Dasein  fristen,  weil  ihre
Produkte,  die  fie  früher  selbst  auf  den  nächsten  Stadtmärkten  verkauften,
  heute  zu  billigen  Preisen  an  Fabriken  oder  Zwischenhändler
  gehen.  Als  wirkfames  Hilfsmittel  dagegen  wie  auch  gegen
die  Konkurrenz  der  Fabrikware,  kommt  das  Genossenschaftswesen
in  Frage.  Es  gilt,  die  hier  und  da  dicht  zusammensitzenden  Schuhmacher,
  Schneider,  Tischler,  Maler,  Töpfer,  Korbmacher  zu  gemeinsamen
  Absatz  zu  veranlassen.

In  Eimbeckhausen  a.  Delster,  EW—)  Hannover,  brachten  früher  dle

reich  vorhandenen  kleinen  Tischler  ihre  Massenwaren,  Stühle,
ler  usw.  5  zu  Martte.  Sie  S35  dabei  in  immer  größere  Not,

onde  ih
holländischen  Häfen  zum  WisY  en  gros  nach  den  #ustane.  sdse
Organisation  des  Sbsate  und  Veränderung  des  Absatzes  hat  ein  intelller
  Mann,  der  heute  noch  die  Genossenschaft  leitet,  geschaffen.  Der
atigens  Stand  der  Genossenschaft  ist  24  Mitglieder.  1907  betrug  der  Um-E
  33  839  Mk.  und  **  4675  Mk.  Reingewinn.  Am  Schlusse  des  Ge-Saeftsjahres
  wurden  7  uo-  vom  Werte  sämtlicher  ablekererter.
Waren  verteilt.  —  Vergl.  das  Beispiel  der  VBernauer  Holzarbeitereslenschof#,
  e.  G.  m.  *  :  im  Kapitel  „Industriel  Nebenerwerbsige“
  S.  131.  Eine  noch  ;  unge  Gründung  ist  der  „Thäüringer  Hanbrechslerverein“,
  welcher  au  etreiben  des  Konimekzirmralg  Grübel
im  August  1006  gegründet  wurde.  (Vergl.  auch  den  Thüringer  Handweberverein
  S4n#  ——  im  ban  itel  „Hausindustric  und
Hausfleiß“,  S.  130.)  Wie  bei  jeder  Pinaledn  ist  auch  im  Drechsler-1
  h##  dessen  Gcheugniffe  in  der  ganzen  Welt  abgesebt  werden,  die
Gefahr  groß,  daß  bei  dem  Wechfel  von  An  ngebet  und  Nachfrage  auf  dem
Welinan  die  Vreise.  dem  e  werden  und  die  Löhne  auf  ein  zu  geringes
  Maß  herabsinken.  Die  Drechsler  haben  in  den  vergangenen