Volltext : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

16  A.  Gesetzestexte.

Wohnsitz  noch  seinen  dauernden  Aufenthalt  hat,  verliert  seine
Staatsangehörigkeit  mit  der  Vollendung  des  einunddreißigsten
Lebensjahrs,  sofern  er  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  noch  keine  endgültige
  Entscheidung  über  seine  Dienstverpflichtung  herbeigeführt
hat,  auch  eine  Zurückstellung  über  diesen  Zeitpunkt  hinaus  nicht
erfolgt  ist.

Ein  fahnenflüchtiger  Deutscher,  der  im  Inland  weder  seinen
Wohnsitz  noch  seinen  dauernden  Aufenthalt  hat,  verliert  seine
Staatsangehörigkeit  mit  dem  Ablauf  von  zwei  Jahren  nach
Bekanntmachung  des  Beschlusses,  durch  den  er  für  fahnenflüchtig
erklärt  worden  ist  (§  360  der  Militärstrafgerichtsordnung).  Diese
Vorschrift  findet  keine  Anwendung  auf  Mannschaften  der  Reserve,
der  Land=  oder  Seewehr  und  der  Ersatzreserve,  die  für  fahnenflüchtig
  erklärt  worden  sind,  weil  sie  einer  Einberufung  zum
Dienste  keine  Folge  geleistet  haben,  es  sei  denn,  daß  die  Einberufung
  nach  Bekanntmachung  der  Kriegsbereitschaft  oder  nach
Anordnung  der  Mobilmachung  erfolgt  ist.

Wer  auf  Grund  der  Vorschriften  des  Abs.  1  oder  2  seine
Staatsangehörigkeit  verloren  hat,  kann  von  einem  Bundesstaate
nur  nach  Anhörung  der  Militärbehörde  eingebürgert  werden.
Weist  er  nach,  daß  ihm  ein  Verschulden  nicht  zur  Last  füällt,
so  darf  ihm  die  Einbürgerung  von  dem  Bundesstaate,  dem  er
früher  angehörte,  nicht  versagt  werden.

827.

Ein  Deutscher,  der  sich  im  Ausland  aufhält,  kann  seiner
Staatsangehörigkeit  durch  Beschluß  der  Zentralbehörde  seines
Heimatstaats  verlustig  erklärt  werden,  wenn  er  im  Falle  eines
Krieges  oder  einer  Kriegsgefahr  einer  vom  Kaiser  angeordneten
Aufforderung  zur  Rückkehr  keine  Folge  leistet.

Gehört  er  mehreren  Bundesstaaten  an,  so  verliert  er  durch
den  Beschluß  die  Staatsangehörigkeit  in  allen  Bundesstaaten.

8  28.

Ein  Deutscher,  der  ohne  Erlaubnis  seiner  Regierung  in
ausländische  Staatsdienste  getreten  ist,  kann  seiner  Staatsangehörigkeit
  durch  Beschluß  der  Zentralbehörde  seines  Heimatstaats
  verlustig  erklärt  werden,  wenn  er  einer  Aufforderung
zum  Austritt  nicht  Folge  leistet.