sie angegriffen und geschlagen. Auf ihrer Flucht über die Flußübergnge von Sieniawa und Lezalek fielen
massenhaft Gefangene in unsere Hände. von Hofer, Generalmajor.
Über Flucht und Rückzug der Belagerten von Antwerpen wird folgendes berichtet: Ein aus Antwerpen
zurückgekehrter Berichterstatter erzählte: Unter der Bevölkerung der Stadt rief die Beschießung eine ungeheure
Panik hervor. Die Zahl der in den letzten Tagen meist nach Holland geflüchteten Einwohner wird auf 200000
geschätzt. Die Zurückgebliebenen flüchteten sich in mit Matratzen verbarrikadierte Keller. Die Kapitulation
erschien ihnen wie eine Erlösung. Da Holland die Last auf die Dauer nicht tragen kann, hat schon eine Bewegung
eingesetzt, um die Rückkehr der Leute nach Antwerpen zu veranlassen.
Aus Roosendaal wird berichtet: Die belgische Armee zieht in der Richtung Gent-Brügge-Ostende ab.
Die ganze Besatzung der nördlichen Forts ergab sich an der Grenze den Holländern und wurde interniert.
Aus Sas van Gent: Etwa 10000 Engländer überschritten bei Selzaete die holländische Grenze
und wurden ohne Zwischenfall entwaffnet.
Aus Blissingen: Biele hundert belgischer Soldaten treffen ein, und Tausende sollen noch ankommen.
Sie werden mit Extrazügen in Internierungslagern untergebracht. Verschiedene erklärten, daß sie lieber sich
in Holland internieren lassen, als durch die Deutschen zu Kriegsgefangenen machen ließen.
Roosendaal: Die Engländer und Franzosen sprengten folgende Forte in die Luft: Schooten, Brasschaet,
Merzen, Capellen, Lillo, St. Gilles und Elversele.
In Vlissingen waren alle Boote von den Militärbehörden für den Transport englischer und belgischer
Soldaten beschlagnahmt. Unter den Engländern befanden sich namentlich die Royal Naval Brigade, sowie
einige royal Engineers. Als der Rückzug aus Antwerpen Freitag abend begann, versuchten die Deutschen sofort
den Abzug zu verhindern, indem sie bei Dendermonde dem Feinde in die Flanke flelen. Die deutsche Artillerie
schoß auf eine Entfernung von 8 Kilometern mit verblüffender Sicherheit Schrapnells in die sich zurückziehenden
Bataillone der Nachhut. Es entstand eine Panik, namentlich unter den Belgiern, während die Engländer noch
dic meiste physische und moralische Stärke behaupteten. Sie haben schließlich nur die Wahl, entweder durch
das Schrapnellfeuer der unsichtbaren deutschen Arkillerie aufgerieben zu werden, oder auf die holländische Grenze
zurüzugehen. Auch die Engländer wählten letzteres. Von St. Nicoloas ging es nach Glinge, wo die Waffen
und die Munition an bie holländischen Soldaten abgegeben wurden, sodann nach Terneuzen und Plissingen.
Englische Soldaten erklärten, sie fänden es unverantwortlich, daß sie ohne gute Artillerie nach Antwerpen
geschickt worden wären, sie hätten nur einige Schiffsgeschütze zur Verfügung gehabt. Am Montag sei Churchill
und der frühere Kriegssekretär Seely in den Forts gewesen.
Der Telegraph meldet aus Sas van Gent: Die Zohl der Engländer, die die Grenze überschritten hat,
wird auf 13000 geschätzt. Aus Terneuzen meldet man, die Belgier schätzen ihren Verlust an Kriegsgefangenen
auf 20000.
Das Handelsblatt berichtet: Die Zerstörungen Antwerpens sind viel geringer, als die übertriebenen Meldungen
glauben ließen. Im Zentrum und bis zur Südstation ist viel zerstört worden, aber von einem ernsten
Schaden ist keine Rede. Die Antwerpener täten am besten, zurückzukehren und die Geschäfte wieder zu eröffnen.
Die Belgier haben die Petroleumlager verbrannt, die ganz Belgien, Nordfrankreich und die Rheinprovinz
versorgt hatten. Deutsche Soldaten belfen bei den Löscharbeiten. Das deutsche Hauptquartier wurde
unter Mitwirkung den Gemeinderats im Stadthause eingerichtet.
12. Oktober.
Der Fall Antwerpens erregte in allen Städten Belgiens und Frankreichs größte Bestürzung, was man
sich wohl denken mag. Auch in Paris fragte man sich, warum der Beistand Englande ausblieb. Man rechnete
mit wochenlangem Widerstand der Festung. Das allgemeine Urteil der Franzosen betrachtet den Fall der Festung
als einen Riesenerfolg der deutschen Armee. Die Zahl der nach Holland übergetretenen belgischen Soldaten
wird auf 26000 geschätzt. Darunter befinden sich vier Generale und 7 Obersten. Die Verluste der belgischenglischen
Armee sollen 15—20000 Tote und Verwundete betragen. Belgische Bahnbeamte sagen aus, daß
122