Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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die  Kost  ohne  Bezahlung  habend:  in  einem  hause  kostfrei
  leben:  einen  kostfrei  halten;  in  älterer  Spr.  —
gern  den  Unterhalt  bestreitend:  kostfrei,  eigentlich  (besonders)
  der,  der  den  frommen  und  dürftigen  göts  thöt
Maalerz  einen  kostfreien  man  loben  die  leute  Sir.
31,  28;  freigebig  in  weiterem  Sinne:  gleich  wie  gott
sehr  kostfrei  allerwegen  geuszt  ausz  der  schwangern  luft
den  angenehmen  regen  Opitz  Grotius'  Wahrheit  323.—
Kostgänger,  m.  der  bei  einem  zur  Kost  geht,  Kost  empfängt;
sprichwörtlich:  unser  herrgott  hat  mancherlei  kostgänger;
dem  lieben  gott  von  manchem  lästigen  kostgünger  helfen
Schiller  Räub.  1,2.—  Kostgeld,  u.  Geld  als  Bezahlung
für  Kost.  —  Kosthans,  n.  Hans  wo  gegen  Bezahlung
Kost  verabreicht  wird.  —  Kostkind,  n.  Kind  das  in  die
Kost  gegeben  ist.  —  Kostverächter,  m.  leicht  Kost  verachtend,
  wählerisch  in  Speisen,  gewöhnlich  nur  in  der
Formel  kein  kostverächter  sein;  in  freierem  Sinne:  greif
zu  (ein  Weib)!  bist  sonst  kein  kostverächter  Lenau  409.

Kostbar,  Geld  kostend,  wertvoll,  prächtig,  mhd.  kostebeere,
  kostbeere,  gekürzt  kosper;  in  älterer  Spr.  und
bis  in  das  19.  Ih.  hinein,  =  teuer,  hoch  zu  zahlen:
so  kostbar  bezahle  ich  nicht,  was  mich  hernach  gereuet
Stieler;  kostbare  reise,  iler  sumiosum,  eine  sache
kostbarer  anschlagen,  rem  preffose  destimare  Steinbach;
  kostbarer  prozess  Adelung;  das  reisen  zu  maulesel
  ward  mir  doch  ziemlich  kostbar  Seume  Spaz.
1,  153,  jetzt  vor  kostspielig  geschwunden;  —  von  hohem
Wert,  wertvoll:  gesundheit,  ein  kostbares  gut;  ihm  ist
die  kostbarc  gabe  des  steten  frohsinnes  verlichen;  überlieferung
  .  etlicher  kostbarer  geschenke  Steinbach;
Sie  wollen  Ihr  kostbares  leben  so  aussctzen  Schiller
Kab.  4,  3;  einen  kostbarn  preis  M.  Stuart  2,6;  meine
tochter  ist  zu  schlecht  zu  Dero  herrn  sohnes  frau,
aber  zu  Dero  herrn  schnes  hure  ist  meine  tochter  zu
kostbar  1,  1;  von  der  Zeit  und  ihrer  Ausnutzung:  wie
kostbar  die  minuten  sind  Schiller  Wallenst.  Tod  5,  6;
die  zeit  ist  kostbar  Körner  Zriny  1,  3;  kostbar  werden,
sich  kostbar  machen,  von  Personen  und  Gegenständen,
durch  Mangel  oder  Zurückhaltung  wertvoll:  in  wenig
Worten,  vater  —  sie  fangen  an  mir  kostbar  zu  werden
Schiller  Kab.  5,  8;  bei  dieser  durre  macht  sich  selbst
das  wasser  kostbar;  sie  weisz  sich  kostbar  zu  machen,
kommt  selten;  jetzt  macht  der  arme  teufel  sich  kostbar.
  er  wird  scine  kunst  nicht  auskramen,  bis  er
gold  klingen  hört  Schiller  4,  211;  in  gewöhnlicher
Rede  oft  mit  ironischem  Beisinne,  eine  kostbare  geschichte;
  er  hatte  einen  kostbaren  einfall;  auch  das  ist
ja  ein  ganz  kostbarer  mensch;  im  18.  Ih.  das  franz.
précieuæ  wiedergebend:  ein  kostbares  frauenzimmer
Adelung;  wo  will  denn  Sie  hinaus,  meine  kostbarc?
Schiller  Kab.  4,  ;  bei  einer  gesuchten,  kostbaren,
schwülstigen  sprache  kann  niemals  empfindung  sein
Lessing  Dram.  59;  —  mit  dem  Beisinne  prächtig,  als
wertvoll  in  die  Augen  fallend,  schon  in  der  alten  Spr.:
ir  kleider  tiwer  und  wol  gesniten,  kostbare  näch
Franzoyser  siten  Parz.  778,  18;  und  bis  jetzt:  kostbare
kleider,  odelsteine,  einen  kostbaren  schmuck  tragen,
kostbare  gemälde  an  den  wänden;  kostbare  spitzen
Stieler;  ganz  vortrefliche  ohrringe  .  haben  Sie
sich  diesen  kostbaren  staat  selber  geschafft?  Gellert
Loos  1,6.  Bei  Malern  ein  kostbares  kolorit,  welches
die  Lokalfarben  der  Gegenstände  wohl  nachahmt  Jacobsson.
  —  Kostbarkeit,  f.  kostbare  Art:  preciositas  kostbarkait
  Dief.;  teure  Art,  Teurung:  kostbarkeit  des
lebensunterhaltes  Schiller  7,307;  wertvolle  Art:  nichts
geht  der  wissenschaft  ap  kostbarkeit  vor  Stieler;  die
kostbarkeit  des  diamants  Schiller  Räub.  1,  3;  prächtige
Art:  k.  der  kleidung,  der  zimmorausstattung;  wertvoller
  Gegenstand:  es  ist  cine  kostbarkcit,  res  est  quae
Komindis  vana  sanctaque  esk  Stein  bach;  alle  seine
kostbarkciten  bei  seite  schaffen  Adelung;  noch  kostbarkeiten,
  noch  geheime  schätze!  Schiller  M.  Stuart

Kostgänger  —  Kostbarkeit.

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1,  1.  —  Kosten,  Plur.  Aufwand,  Ausgaben,  hergegebenes
Geld;  neuer  entwickelte  Form  eines  alten  Lehnwortes.
Aus  einem  volks=  und  mittellat.  custus,  costus.  mit  der
Nebenform  costa,  Aufwand,  Preis,  das  auf  lat.  constare
  zu  stehen  kommen,  fußt,  hat  sich  ein  ahd.  Fem.
kosta,  mhd.  koste,  kost,  Wert,  Preis,  Auswand,  entwickelt,
  dem  ein  mhd.  stark=  und  schwachformiges  der
kost,  koste  zur  Seite  geht.  Dieser  zwiegeschlechtige  Sing.
hat  sich  im  Nhd.  in  der  älteren  Spr.  erhalten:  die  kost
(des  Baues)  sol  vom  hause  des  königes  gegeben  werden
Esra  6,  4;  uberschleget  die  kost  Luc.  14,  28;  mit  irm
unnützen  kost  und  pracht  BWaldis  Esop  2,  82;  vermöchte
  den  groszen  kosten  lenger  nicht  zu  tragen
1.  Macc.  3,  30;  baur  zahl  den  kosten  Garg.  78;  dass
schier  aller  kosten  über  mich  ging  Simpl.  1,  325
(letztere  Form  mit  einem  falschen  Plur.  kösten,  der
namentlich  schweizerisch  ist);  aus  dem  Sing.  entwickelt
sich  im  172  der  heute  allein  geläufige  Plur.,  bei
Stieler  noch  beide  Formen  neben  einander  angegeben,
bei  Steinbach  nur  die  neuere;  die  Bed.  hat  sich  zu
der  eines  Aufwandes  für  einen  bestimmten  Zweck  verengt:
  kosten  einer  bewirtung,  herstellung,  reise,  eines
baucs,  prozesses,  kriegs,  aufenthalts  u.  f.  w.;  kosten
haben,  tragen,  anwenden,  scheuen,  sich  in  kosten  setzen,
stürzen,  für  die  kosten  stehen,  aufkommen,  auf  seine
kosten  kommen,  einem  die  kosten  erleichtern;  grosze,
schwere,  geringe,  unbedeutende  kosten;  die  kosten
steigen  höher  als  die  schuld  Stieler;  jährliche  kosten,
zu  den  kosten  vorstrecken,  die  kosten  ersparen  Steinbach;
  ach,  das  wird  wieder  kosten,  kosten  machen!
Tieck  Oct.  315;  dasz  man  so  vicl  lärm  und  kosten
mit  einem  todten  mache  Seume  Spaz.  2,  79;  dieses
monument  ist  dem  papst  auf  kosten  des  volktks  errichtet
  worden  1,  94;  auf  kosten  jemandes  reisen,  etwas.
lernen;  in  freien  Fügungen:  wenn  der  leser  nur  auf
seine  (des  Autors)  kosten  lachet  Cronegk  2,  110;
kosten  der  unterhaltung  tragen;  ein  zwiegespräch,  desz
kosten  einer  trägt,  schläft  ein  Heyse  3,  226.  —  Zusammensetzungen:
  Kostenanschlag,  m.,  berechnung,  s.
Anschlag,  Berechnung  über  die  Kosten  einer  Sache  oder
eines  Unternehmens.  —  kostenfrei,  ohne  Kosten;  früher
von  Personen:  ich  bin  noch  nicht  kostenfrei  (habe
meine  aufgewendeten  Kosten  noch  nicht  wieder)  Adelung;
  später  von  Sachen:  einem  etwas  kostenfrei  zuschicken,
  eine  kostenfreie  reise  Campe;  (der)  sich
eines  seligen,  kostenfreien  daseins  erfreute  Keller
Seldw.  1,  232.  —  kostenlos,  ohne  Kosten.  —  Kostenpreis,
  m.  Preis  einer  Ware,  wie  sie  den  Kaufmann
selbst  kostet.  —  Kosteupunkt,  m.  Punkt  der  die  Kosten
betrifft.  —  Kostenrechunng,  f.  Rechnung  über  gehabte
oder  entstandene  Kosten.  —  kostspielig,  Kosten  verursachend,
  viel  kostend,  erst  in  der  neueren  Spr.  erscheinendes
Wort,  von  Adelung  als  oberdeutsch  bezeichnet;  man
vermutet  Umdeutung  eines  älteren,  aber  nicht  nachgewiesenen
  kostspildig  (zu  mhd.  spildec  verschwenderisch,
ahd.  spildan  verschwenden,  gehörig),  mit  der  eigentl.
Bed.  Kosten  unnütz  aufwendend,  aber  an  Stelle  des  im
18.  Ih.  veraltenden  kostbar  —  teuer  im  Preis  (s.  d.)
tretend:  ein  kostspieliges  unternechmen,  das  ist  mir  zu
kostspielig  Campe;  zu  warten,  bis  der  reichstag  geradc
  zusammenkommt,  ist  unter  umständen  sehr  kostspielig
  Bismarck  Reden  7,  79;  mobilmachung  ward
..  kostspiclig  Treitschke  4,  515.

Kosten,  1)  durch  den  Geschmack  prüfen;  westgerm.
Bildung  zu  dem  starken  Verbum  kiesen  (s.  d.)  gehörig,
ahd.  kostön,  choston,  mhd.  kosten,  altsächs.  coston,
altengl.  costian,  urverwandt  zu  lat.  gustare;  in  der
alten  Spr.  überhaupt  ein  Prüfen,  Versuchen  bezeichnend
(thaz  her  wurdi  gicostöt  fon  themo  diuvale  Tatian
15,  1),  im  Nhd.  eingeengt:  guskare  kosten  Dies.;
bloßes  Versuchen  betonend:  wie  die  zunge  das  wiltpret
kostet  Sir.  37,  2;  als  aber  der  speisemeister  kostct  den

Kosten  —  kosten.