244 Garibaldi.
Es gab aber auch manchmal mörderische Zwischenakte, besonders
eines Tags, als Garibaldi von einer großen Uebermacht deutscher Söldner,
welche damals zu Tausenden im brasilianischen Dienste standen, in einem
Hause überfallen wurde. Er fand schon damals, daß die Deutschen, sich
mit Schießen aufhaltend, auf den schnellen Anlauf mit der blanken Waffe
verzichteten; nur dies rettete ihn. — Die Neger, welche zum Theil befreit
einen großen Theil der republikanischen Truppe bildeten, lobt er als sehr
tapfer und darum der Freiheit würdig. Besonders aber lernte er die
Tapferkeit, die Geistesgegenwart, die treue Freundschaft nicht weniger ita—
lienischer Landsleute, meist politischer Flüchtlinge, schätzen und haßte nur
die Tyrannei um so tiefer, von welcher sie und er selbst aus dem Vater—
lande vertrieben waren. Wie brannte ihn der Schmerz darüber, daß diese
Tapferkeit nicht verwerthet werden konnte, „um die Geier von der heiligen
Mutter Erde fortzujagen“, welche er in ihrem hohen Werthe erst in
fernen Landen recht kennen und lieben lernte; wie wehe that es ihm,
wenn einer dieser Braven in fremder Erde nicht einmal einen Stein, ein
Kreuz auf sein Grab bekam.
Um die brasiliahische Meeresküste von Santa Katharina zu insurgiren,
wurden einige der Kriegsschiffchen aus dem Süßwassersee von zweihundert
vorgespannten Ochsen meilenweit über die Landzunge ins Meer
gebracht. Aber sofort überfiel sie einer jener tropischen Orkane. Das
Schiff Garibaldis strandete, alle sechs anderen Italiener ertranken; ihm
war es, als wäre mit ihnen für ihn die Freundschaft todt, als wäre er
allein auf der Welt und als wäre diese eine Wüste. Ich bedurfte, schreibt
er, und zwar sofort eines tröstenden Engels für mein verbittertes Leben.
— Kurz darauf sieht er von Bord aus am Ufer ein Mädchen von spanischer
Abkunft stehen, er trifft sie im ersten Hause, dessen Gastfreundschaft
er anspricht und wirbt um ihre Hand. Das war seine Anita; „auch sie
glühte für die heilige Sache der Völker“, — aber nicht sentimental, sondern
sofort mitthätig im Geschützkampf auf offener See. Einmal von
der Erschütterung durch eine einschlagende Kanonenkugel zu Boden geworfen,
wies sie ihren herbeieilenden Mann nur auf einige Matrosen hin,
welche sich zu verkriechen suchten, und „wie Pallas stand sie wieder auf
dem höchsten Punkte des Verdecks“. Ihr Muth war ein Beispiel für die
Mannschaft, bis Garibaldi bald darauf, nachdem alle seine Officiere gefallen
waren, seine sämmtlichen Schiffe in Brand stecken mußte. An dieser Heroin
lernte er den großen im Weibe verborgenen Charakter verehren; in ihr
sehen wir den Wiederschein seines Wesens.