Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

Die  österreichisch-ungarische  Monarchie  und  die  Nachfolgestaaten.  (Sept.  10.—14.)  53

10.  Sept.  Wirtschaftsabkommen  mit  der  Ukraine.  (S.  Ukr.)

11.  Sept.  (Kroatien.)  Kaiser  Karl  genehmigt  die  neue  Wahlordnung
  für  den  Landtag  der  Königreiche  Kroatien,  Slawonien  und
Dalmatien.

12.  Sept.  Eintritt  des  Kriegszustands  mit  Brasilien.  (S.  Mittelam.)

14.  Sept.  Vorschlag  zur  Einleitung  von  Vorverhandlungen
zwischen  den  kriegführenden  Mächten.

Amtlich  wird  verlautbart:  Eine  objektive  gewissenhafte  Prüfung  der
Verhältnisse  aller  kriegführenden  Staaten  läßt  keinen  Zweifel  mehr  darüber
bestehen,  daß  alle  Völker,  auf  welcher  Seite  sie  auch  kämpfen  mögen,  das
baldige  Ende  des  blutigen  Kampfes  herbeisehnen.  Trotz  dieses  natürlichen
und  begreiflichen  Wunsches  nach  Frieden  ist  es  bisher  nicht  gelungen,  jene
Vorbedingungen  zu  schaffen,  die  geeignet  wären,  die  Friedensbestrebungen
ihrer  Verwirklichung  näher  zu  bringen,  und  die  Kluft,  die  die  Kriegführenden
  gegenwärtig  noch  voneinander  trennt,  zu  überbrücken.  Es  müssen
daher  noch  wirksamere  Mittel  und  Wege  in  Erwägung  gezogen  werden,
durch  die  den  verantwortlichen  Faktoren  aller  Länder  Gelegenheit  geboten
werden  könnte,  die  gegenwärtig  vorhandenen  Möglichkeiten  einer  Verständigung
  zu  überprüfen.  Der  erste  Schritt,  den  Oesterreich--Ungarn  einvernehmlich
  mit  seinen  Bundesgenossen  zur  Herbeiführung  des  Friedens  am
12.  Dezember  1916  unternommen  hat,  führte  nicht  zu  dem  gehofften  Ende.
Die  Gründe  hierfür  lagen  wohl  in  den  damaligen  Verhältnissen.  Um  die
im  steten  Abnehmen  begriffene  Kriegslust  ihrer  Völker  aufrecht  zu  erhalten,
hatten  die  alliierten  Regierungen  bis  zu  jenem  Zeitpunkt  jede  Erörterung
des  Friedensgedankens  mit  den  strengsten  Mitteln  unterdrückt,  und  so  kam
es,  daß  der  Boden  für  eine  friedliche  Verständigung  nicht  entsprechend  vorbereitet
  war.  Es  fehlte  der  natürliche  Uebergang  von  der  wildesten  Kriegshetze
  zur  Versöhnlichkeit.  Es  wäre  aber  verfehlt,  zu  glauben,  daß  unser  damaliger
  Friedensschritt  dennoch  ganz  ergebnislos  blieb.  Seine  Früchte  bestehen
  eben  in  jener  nicht  zu  übersehenden  Erscheinung,  daß  die  Friedensfrage
  seither  nicht  mehr  von  der  Tagesordnung  verschwunden  ist.  Und
wenn  auch  die  vor  dem  Tribunal  der  Oeffentlichkeit  geführten  einschlägigen
Diskussionen  gleichzeitig  Beweise  von  den  nicht  geringen  Gegensätzen  sind,
welche  die  gegeneinander  kämpfenden  Mächte  in  ihrer  Auffassung  über  die
Friedensbedingungen  heute  noch  trennen,  so  hat  sich  doch  eine  Atmosphäre
gebildet,  welche  die  Erörterung  des  Friedensproblems  nicht  mehr  ausschließt.
Ohne  übertriebenen  Optimismus  kann  wohl  aus  den  Aeußerungen  verantwortlicher
  Staatsmänner  mindestens  soviel  konstatiert  werden,  daß  der
Wille  zu  einer  Verständigung  zu  gelangen  und  den  Krieg  nicht  ausschließlich
  durch  die  Macht  der  Waffen  zur  Entscheidung  zu  bringen,  auch  bei
den  alliierten  Staaten  —  bis  auf  einige  gewiß  nicht  gering  einzuschätzende
Ausnahmen  von  verblendeteten  Kriegshetzern  —  allmählich  doch  durchzudringen
  beginnt.  Die  k.  u.  k.  Regierung  ist  sich  dessen  bewußt,  daß  nach
den  tiefgehenden  Erschütterungen,  die  im  Leben  der  Völker  durch  die  verheerenden
  Wirkungen  des  Weltkrieges  verursacht  wurden,  die  ins  Wanken

gebrachte  Weltordnung  nicht  mit  einem  Schlage  wird  aufgerichtet  werden
können.  Mühsam  und  langwierig  ist  der  Weg,  der  zur  Herstellung  friedlicher
  Beziehungen  zwischen  den  durch  Haß  und  Erbitterung  getrennten
Völkern  führt.  Doch  ist  es  unsere  Pflicht,  den  Weg  der  Verhandlungen  zu
betreten.  Und  wenn  es  auch  heute  noch  solche  verantwortliche  Faktoren
gibt,  die  den  Gegner  militärisch  niederringen  und  ihm  den  Willen  des