Full text: Die Verfassung und Verwaltung im Deutschen Reiche und Preußen. Zweiter Band. Preußen. (2)

528 5. Buch. Die materielle Staatsverwaltung. 
lichen Amtes an den Oberpräsidenten, (Einspruchsrecht des letzteren), 
vom 12. Mai 1873 über die kirchliche Disziplinargewalt und 
die Errichtung des Königlichen Gerichtshofs für kirchliche Angelegen- 
heiten, vom 13. Mai 1873 über die Grenzen des Rechts zum Ge- 
brauch kirchlicher Straf= und Zuchtmittel, vom 14. Mai 
1873, betreffend den Austritt aus der Kirche, Gesetz vom 20. Juni 
1875 über die Vermögensverwaltung in den katholischen 
Kirchengemeinden, vom 3. Juli 1875, betreffend die Rechte der 
altkatholischen Kirchengemeinschaften an dem kirchlichen Ver- 
mögen, vom 7. Juni 1876 über die Aufsichtsrechte des Staates 
bei der Vermögensverwaltung in den katholischen Dihzesen. 
An eigentlichen Kampfgesetzen sind aufzuführen: Gesetz vom 20. Mai 
1874 (und 13. Februar 1878) über die Verwaltung der er- 
ledigten katholischen Bistümer, vom 22. April 1875, betreffend 
die Einstellung der Leistungen aus Staatsmitteln für die 
römisch-katholischen Bistümer und Geistlichen, vom 31. Mai 1875, be- 
treffend die geistlichen Orden und ordensähnlichen Kon- 
gregationen der katholischen Kirche, das bereits erwähnte Gesetz 
vom 18. Juni 1875 über Aufhebung der Art. 15, 16, 18 der 
preußischen Verfassungsurkunde. 
In Baden wurden die Gesetze vom 9. Oktober 1860 (19. Februar 
1874 und 8. März 1880) über die rechtliche Stellung der Kirchen 
und kirchlichen Vereine im Staate erlassen. 
In Württemberg erging das Gesetz vom 30. Januar 1862, be- 
treffend die Regelung des Verhältnisses der Staatsgewalt zur katho- 
lischen Kirche. 
Im Großherzogtum Hessen wurden erlassen fünf Gesetze vom 
23. April 1875 über bie rechtliche Stellung der Kirchen und Religions-= 
gesellschaften im Staate, — den Mißbrauch der geistlichen Gewalt, 
die Vorbildung und Anstellung von Geistlichen, — die religiösen Orden 
und ordensähnlichen Kongregationen, — das Besteuerungsrecht der 
Kirchen und Religionsgesellschaften. 
In Sachsen erging Gesetz vom 23. August 1876, betreffend die 
Ausübung des staatlichen Oberaussichtsrechts über die katholische Kirche. 
145. Die Aufhebung der Kulturkampfgesetzgebung 
(1880—1890). 
Nach demder kriegerische Papst Pius IX. im Februar 1870 aus dem 
Leben geschieden und ihm Kardinal Pecci als Leo XllI. als Papst ge- 
folgt war, traten friedlichere und freundlichere Beziehungen zwischen 
dem Vatikan und dem Deutschen Reiche, insbesondere mit Preußen 
ein. Die sogen. Kulturkampfgesetze wurden fast in allen wesentlichen 
Punkten aufgehoben. Das Kulturexamen wurde aufgehoben, an Stelle 
des Universitätsstudiums wurde der Besuch eines zur wissenschaftlichen 
Vorbildung der Geistlichen geeigneten kirchlichen oder Klerikalseminars 
gestattet, die Anzeigepflicht, sowie das Einspruchrecht auf die definitive 
Besetzung von Stellen beschränkt, die Beendigung des Kulturkampfs 
wird herbeigeführt durch die Gesetze vom 21. Mai 1886 und 29. April
	        
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