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D. Der Krieg in Borderasien
von Dr. Gaston Bodart in Wien
I. Die Kämpfe um die Vardanellen.
Mit dem Eintritt der Türkei in die Reihe der kriegführenden
Staaten rückte die militärische Bedeutung
der Dardanellen wieder in den Vordergrund. Diese
verwundbarste Stelle des türk. Reiches wurde bald zu
einem Operationsziel der elisch-französischen Seestreitkräfte
im Mittelmeer. Die ersten
gen beschränkten sich auf mehrfache Beschießungen
(3. Nov. 1914 u. 19. Febr. 1915) der äußeren Forts
(Cephalla, Kum-Kalé, Sed-ül-Bahr) durch
8 Panzerschiffe älteren Typs auf 18 km Entfernung,
wobei die Verbündeten diese Befestigungen so weit
niederkämpften, daß ein Einfahren in die äußere
Meerenge, allerdings beschränkt durch treibende und
feste Minen, möglich wurde. Ju weiteren Eriolgen
reichten die vorhandenen Mittel nicht aus, so daß das
Flottenkommando (engl. Bizeadmiral Carden, frang
Konteradmiral Guêpratte) es für zweckmäßiger hielten,
sich auf den Inseln Lemnos und Tenedos eine
Flottenbasis zu schaffen und den Hauptangriff bzw.
die Forcierung der Meerenge mit weit stärkeren Kräften
durchzuführen.
Dieser erfolgte am 18. März 1915, nachdem von
der festen Minensperre beseitigt worden, was erreichbar
war, burch 16Schlachtschiffe (12 engl., 4 franz.; darunter
jedoch nur 2 modernen Typs) und einer entsprechenden
Unzaht von kleineren Kreuzern, Torpedofahrzeugen
und Unterseebooten. Im ganzen waren
38 engl.. 20 franz. Schiffseinheiten unter Führung
des neuen Oberbefehlshabers, des engl. Bizeadmirals
de Robeck, beteiligt. Auf türk. Seite war die Gefechtspause
zur fortifikatorischen Verstärkung gut ausgenutzt
worden. Deutsche Ingenieure hatten die bestehenden
Befestigungen modernisiert, die angerichteten Schäden
ausgebessert, neue Ergänzungswerke gebaut.
Oberster Leiter der Dardanellenverteidigungwar Feldmarschall
v. d. Goltz; an den Meerengen selbst befehligten
der deutsche Admiral v. Usedom und Dschewad
Pascha, das Geschwader der deutsche Konteradmiral
Souchon; deutsche Marine= u. Fußartillerieabteilungen
bedienten die Geschütze, von denen die
modernen Typen der schweren deutschen Fuß= und
Schiffsartillerie angehörten. Der Kampf dauerte fast
den ganzen Tag und führte, wenn auch einzelne türkische
Werke vorübergehend zum Schweigen gebracht
wurden, zu einem vollen Erfolge der Verteidigung.
Drei Schlachtschiffe von 12—15000 t, darunter ein
französisches, wurden das Opfer der Treibminen,
mehrere andere durch Artilleriefeuer so schwer beschädigt,
daß sie aus der Kampffone ausscheiden mußten.
Die verabredete gleichzeitige Aktion der russ.
Schwarz-Meer-Flotte gegen den Bosporus unterblieb
aus Mangel an Wagemut des russ. Kommandanten.
Die Schlappe der Verbündeten hatte die überlegenheit
der Landbefestigungen gegenüber der schwimmenden
Schiffsartillerie auch der größten Kaliber
deutlich erwiesen, so daß die schon im Vorbereitungsstadium
befindliche Mitwirkung eines Landungskorps
von den Alliierten endgültig beschlossen wurde.
Die aus den Dominions Indien, Australien und
Neuseeland in Agypten angelangten, ursprünglich für
die französische Front bestimmten britischen Truppenkontingente
wurden daselbst angehalten, neue Ein-1
UGagl. die Karte Bd. I#. S. 132.
nternehmun- 8
I. Kriegsgeschichte
heiten aus dem Mutterland eiligst dorthin verschifft,
2 franz. Divisionen unter General d'Amade (später
Gouraud, nach dessen Verwundung unter Bailloud)
im April in der Mudrosbai auf Lemnos mit den
brit. Truppen vereinigt. Den Oberbefehl über das
ganze Expeditionskorps, Landungstruppen und Marine,
führte der Kommandant der brit. Streitkräfte
im Mittelmeer, General Sir Jan Hamilton. Die
Effektivstärke der Landungstruppen betrug bei Beinn
der Operationen Ende April 60000 Mann, ohne
die Schiffsbesatzungen; im August, dem Kulminationspunkt
des Angriffs, hatte die Gesamtzahl der auseschifften
Truppen 200000 erreicht. Da die Schiffskefagungen
mit mindestens 20000 Mann angenomtmen
werden können, so dürften an der Expedition
egen 220000 Mann, darunter 70000 Mann Ko-Fostnttruppen.
teilgenommen haben. Die türk. Streitkräfte
(5. Armee) unter dem deutschen General Liman
v. Sanders umfaßten bei Beginn 4 Armeekorps (2.,
3., 4., 7.) zu je 3 Div. und 5 Kav.-Brigaden; hierzu
stießen späterhin das 1. Korps (83 Div.) von der Kaukasusfront,
2 Div. des 8. Korps und etwa 10 Reservedivisionen,
so daß für die Abwehr ungefähr
300000 Mann eingesetzt worden sind.
Die Landung begann am 25. April vor Sonnenaufgang.
Vor Beginn wurde zur Täuschung des
Gegners über die Hauptlandungsstelle das ganze
Küstengebiet von Gallipoli und den Dardanellen
von verschiedenen Geschwadern ciner intensiven Be.
arbeitung durch die schwere Schiffsartillerie unterzogen,
die Landunz selbst an nicht weniger als sieben
verschiedenen Punkten gleichzeitig ins Werk gesetzt,
so bei Jenikiötl nahe der Landenge von Bulair, in
der Suvlabucht und südlich davon bei Gaba
Tepe. von wo aus der kürzeste Weg zur Kehlseite der
europäischen Befestigungen der Chanak- Enge führt,
ferner an der Südwestspitze der Halbinsel bei Kap
Tekke, Kap Helles und in der Mortobai unmittelbar
östlich von Sed-ül-Bahr; die franz. Truppen
Engen an der asiatischen Küste, bei LKum-Kalé, an
nd und griffen zunächst in südlicher Richtung gegen
Jenischer aus, hatten dort heftige türkische Gegenangriffe
abzuweisen und wurden, da der Zweck der
Demonstration erreicht war, bald an das europäische
Ufer Übergeschifft, wo sie bis zum Schluß den äußersten
rechten Flügel bildeten. War die Landung dank
en guten Vorbereitungen sowie dem kräftigen Ein.
wirken und Zusammenarbeiten der Flotte im großen
und ganzen, wenn auch unter starken Verlusten, geglückt,
so war dies mit dem öberralschungemoment
nicht in gleichem Maße der Fall. Bei Gaba Tepe
hatten die australischen und neuseeländischen Truppen
anfänglich einen sehr harten Stand, weil die Türken
dort überlegene Kräfte gegen sie vorführten, ebenso
ging es den engl. Divisionen in der Mortobai.
iese kamen erst vorwärts, nachdem vom Kap Tekke
her flankierend gewirkt werden konnte. Die schwierigen
Landungsoperationen waren am 29. Aprilk abeschlossen;
von den Landungsstellen wurden Jeniiöi,
Suvlabucht und Kum-Kalé aufgegeben.
Nach dem ersten Festsetzen auf der Halbinsel find
die Verbündeten nur äußerst langsam vorwärts gekommen;
sie hatten dem an Zahl überlegenen, seiner
Basis so nahen, von ihnen unterschätzten Gegner viel
tuvie Zeit gelassen, seine Stellungen zu organisieren.
Es entwickelte sich an den Brennpunkten des Kampfes,
Krithia und Sari Bair, ein Stellungskrieg, der
dem an der Westfront in nichts nachstand und un-