Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

Der  militärische  Verlauf  des  Krieges:  Der  Krieg  in  den  Kolonien

in  Nordost-Rhodesia  besetzt.  Von  hier  wollte  er  auf
Brokenhill  vorgehen.  JBerfolgder  Waffenstillstandsbedingungen
  streckte  er  am  15.  Nov.  mit  30  Offizieren,
125  anderen  Europäern  und  1165  farbigen  Soldaten,
1  Feldgeschütz,  24  Maschinengewehren  und  14  anderen
  leichten  Geschützen  die  Waffen.  Ein  Heldenkampf
ohneegleichen  hatte  sein  Ende  erreicht,  dem  sogar  die

egner  ihre  Anerkennung  nicht  versagten.  Unbesiegt
ist  v.  Lettow-Vorbeck  geblieben.  Seine  Leistungen  in
einem  ungleichartigen  Kampf  und  sein  Organisationstalent
  stellen  ihn  für  immer  in  die  erste  Reihe  unserer
Führer  im  Krieg!

Die  Südsceinselu.  In  Neuguinea  war  es  im
Laufe  des  Juli  1914  gelung  n,  in  Bitapaka  die  funkentelegraphische
  Anlage  ferligzustellen.  Um  sie  mußte
sich,  da  Rabaul  und  Herbertshöhe  den  Geschützen  der
feindlichen  Schiffe  offenlagen,  die  Verteidigung  konzentrieren,
  die  im  übrigen  bei  den  geringen  Kräften
nur  in  sehr  bescheidenem  Umfang  einsetzen  konnte.

Am  11.  Sept.  früh  liefen  englische  und  australische
Torpedoboote  in  den  Hafen  von  Rabaul  ein,  denen
eine  Reihe  von  Kreuzern  und  Unterseebooten  sowie
ein  Truppentransportdampfer  folgten.  In  Herbertshöhe
  wurden  britische  Matrosen  gelandet.  Den  Anreifern

  gegenüber  war  die  Verteidigung  in  um  so
süwierrn,  als  verräterische  Zöglinge  der  englischen
  Mission  den  Australiern  Hilfsdienste  leisteten.
Angesichts  der  Unmöglichkeit,  die  Funkenanlage  auf
die  Dauer  zu  verteidigen,  wurde  diese  am  Abend  des
11.  Sept.  zerstört.  Nach  einer  Reihe  von  örtlichen
Buschkämpfen  und  einer  starken  Beschießung  der  gesamten
  Umgebung  von  Rabaul  und  Herbertshöhe
durch  die  Kriegsschiffe  war  der  deutsche  Gouverneur,
um  zwecklosen  Zerstörungen  vorzubeugen,  genötigt,
in  Verhandlungen  mit  den  Angreifern  einzutreten.
Am  21.  Sept.  1914  fand  in  Verfoll  dieser  Verhandlungen
  die  Übergabe  des  Schutzgebietes  unter  ehrenvollen
  Bedingungen  statt.  Die  Besetzung  der  übrigen
Teile  von  Neuguinea  bot  danach  für  die  Engländer
und  Australier  keine  Schwierigkeiten  mehr.  Friedrich-Wilhelms-Hafen
  wurde  Ende  September  von  ihnen
besetzt,  ebenso  am  21.  Sept.  Nauru.

Vor  Jap  erschienen  am  12.  Aug.  zwei  englische
Kriegsschiffe,  die  sich  auf  die  Zerstörung  der  Funkenstation
  beschränkten.  Am  7.Okt.  besetzten  dann  Japaner
die  Insel,  ebenso  wie  kurz  nacheinander  die  Marianen
  und  Palauinseln.  Vor  Angaur  war  wie  vor
Jap  bei  Kriegsbeginn  ein  engl.  Kriegsschiff  erschienen
undhatteden  Funkenturmzerstört.  Nach  Hinterlassung
einer  Notiz,  wonach  das  ganze  Schutzgebiet  im  Namen
des  Königs  von  England  okkupiert  sei,  war  das  Schiff
wieder  ausgefahren.  Das  hat  die  Japaner  aber  nicht
abgehalten,  später  ihrerseits  Angaur  zu  besetzen.
Ponape  ist  am  7.  Okt.  von  japanischen  Streitkräften
in  Besitz  genommen  worden,  Truk  am  12.  Okt.  und
Jaluit  am  29.  Sept.  Diese  Besetzungen  mußten  sich
nach  Lage  der  Dinge  sämtlich  kampflos  vollziehen.

In  Samoo  bestand  eine  zur  Verteidigung  fähige
und  geeignete  Truppe  überhaupt  nicht.  Mit  dem
Vorgehen  gegen  das  Schutzgebiet  hatte  die  englische
Regierung  die  Regierung  von  Neuseeland  beauftragt.

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Ein  Expeditionskorps  (53  Offiziere,  1351  Mann)
verließ  Neuseeland  am  19.  Aug.  auf  zwei  Transportschisfen.
  Am  29.  Aug.  traf  der  Transport,  der  von
fünf  Kriegsschiffen  begleitet  war,  vor  Samoa  ein,
das  nach  Landung  von  1500  Mann  kampflos  besetzt
  wurde.

Kiautschon.  Am  1.  Aug.  1914  wurde  Kiautschou
durch  kaiserliche  Verordnung  in  Kriegszustand  versetzt.
  Am  nächsten  Tage  —i  der  Aufruf  der
Reservisten,  am  8.  Aug,  der  der  Land-  und  Seewehr.
Gleichzeitig  hatten  die  deutschen  Konsulate  in  ganz
China  die  ansässigen  Deutschen  zur  Gestellung  in
Tsingtau  ausfgefordert.  Das  Kreuzergeschwader  verließ
  Kiautschou  bald  nach  Kriegsausbruch,  so  daß  nur
kleinere  Fahrzeuge  zurückblieben.  Unter  den  zum  Verteidigungsdienst
  verfügbaren  Kriegsschiffen  befand
sich  auch  der  alte  österreichische  Kreuzer  Kaiserin  Elisabeth,
  dessen  Besatzung  Seite  an  Seite  mit  der  deutschen
  Verteidigung  bis  zum  Ende  gekämpft  hat.

England  allein  hat  gegen  Kiautschou  nichts  unternommen.
  Am  15.  Aug.  aber  schkoß  es  mit  Japan
ein  Abkommen,  das  das  Vorgehen  gegen  Kiautschon
zum  Gegenstand  hatte.  Am  19.  Aug.  bereits  hatte
der  japanische  Botschafter  in  Berlin  das  Ultimatum
gestell.  wonach  Kiautschou  bis  zum  15.  Sept.  ohne

egenleistung  an  Japan  übergeben  werden  sollte.
Am  23.  Aug.  lehnte  die  deutsche  Regierung  eine  Beantwortung
  ab.  Schon  am  20.  Aug.  hatte  der  Gouverneur
  den  japanischen  Staatsangehörigen  befohlen,
das  Schutzgebiet  bis  zum  22.  zu  verlassen.

Bereils  vor  Ablauf  des  Ultimatums  rüstete  man  in
Japan  im  größten  Umfang,  und  schon  am  27.  Aug.
lag  das  zweite  japanische  Geschwader  vor  Tsingtau
bereit.  Zu  Lande  wurde  der  Angriff  von  60  000  Japanern
  und  2000  Engländern  eröffnet.  Er  litt  aber
anfangs  stark  unter  den  Regengüssen  und  den  schlechten
Wegen.  Erst  Ende  September  begann  die  volle  Einschließung,
  wobei  Japan  und  England,  unbekümmert
um  die  chinesische  Neutralität,  durch  chinesisches  Gebiet
marschierten  und  es  teilweise  besetzten.  Trotz  zahlenmäßiger
  mehrfacher  überlegenheit  errangen  die  Anreifer

  aber  keinen  nennenswerten  Erfolg.  Der  erste
Fa##m  auf  die  Tsingtauwerke  kostete  sie  2500  Mann,
so  daß  Japan  Verstärkungen  nachziehen  mußte.  Erfelgreich-
  Ausfälle  der  Belagerten  konnten  aber  das
Endschicksal  um  so  weniger  hinausschieben,  als  den
modernen  Angriffsmitteln  die  Verteidigungsmittel  in
keiner  Weise  gewachsen  waren.  Auch  zur  See  begnügte
man  sich  auf  Seite  der  Belagerten  nicht  mit  der  Verteidigung.
  So  unternahm  das  alte  Torpedoboot  890
einen  Angriff  auf  die  jabonische  Flotte,  bei  dem  es
gelung,  den  japanischen  Kreuzer  Takotschiha  zu  vernichten.
  Als  sich  die  Belagerer  immer  näher  an  die
Stadt  herangearbeitet  hatten  und  weitere  Berteidigung
nur  zur  völligen  Zerstörung  des  Ortes  hätte  führen
müssen,  ergab  sich  die  kleine  Besatzung  in  Stärke  von
rund  3500  Mann  am  7.  Nov.  1914.  Sie  wurde
kriegsgefangen  nach  Japan  abgeführt.

Literatur:Der  Krieg  in  den  deutschen  Schutzgebieten,
Beihefte  zum  amtl.  -Deutschen  Kolonialblatt-;  ferner  regelmäßige
  Berichte  von  O.  Karstedt  in  der  -Deutschen  Kolonialzeitungs,
  Jahrg.  1914—18.