Vorwort. VII
z. B. einer etwas längeres erzählt, etwas erklärt, seine Ansicht
in längerer Rede entwickelt. Zur höchsten Stufe steigert sich
aber der Vortrag, wenn jemand berufen ist vor einem größern
Auditorium zu reden, wie der Prediger, der Lehrer, der Rechts-
anwalt, der Gemeinde= oder Volksvertreter, 2c. Bei dem Vortrage
ist aber das gut Sprechen eine unumgängliche Notwendigkeit,
da nur dadurch der Hörer gefesselt werden, und so der Zweck
des Vortrags erreicht werden kann.
Wenn man nun im gewöhnlichen Leben die Menge von
schlechten Angewohnheiten beim Sprechen, das Stottern, das
Lispeln, das lbereilen, das Verschlucken von Silben, die Un-
deutlichkeit, die unschönen Anklänge an Mundarten und damit
die unreine Aussprache 2c. hört, und wenn man dagegen
betrachtet, daß in unseren Zeiten fast jeder, in geselligen Kreisen,
vor Gericht, in Versammlungen, in der Offentlichkeit überhaupt
in die Lage kommt, vor Zuhörern allein sprechen zu müssen, so
bedarf es wohl keines Beweises, daß Ubungen in der Kunst des
Vortrags immer notwendiger werden.
Wenn der Vortrag nun eine Kunst ist, so muß sich dafür
auch eine Theorie aufstellen lassen, oder mit anderen Worten:
es muß für den Vortrag Grundsätze, Gesetze, Regeln geben.
Für eine dem Vortrage nahe verwandte Kunst, die des Gesanges,
hat man die Grundsätze, die Theorie, schon längst erforscht, und
es giebt ausführliche Gesangschulen, Leitfäden für die Kunst
singen zu lernen. Ahrliches fehlt bisher in der Kunst des
Vortrags gänzlich. Dies mag zunächst das Erscheinen gegen-
wärtigen Buches rechtfertigen.
Allein außer diesem Bedürfnis giebt es noch eine andere
Rücksicht, welche eine künstlerische Behandlung des Sprechens,
des Vortrags gebietet.