Full text: Das Buch von unsern Kolonien.

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Wirren und Kämpfe in China. 
Wie es dazu kam. 
Obwohl die Chinesen nach Art der Kinder auf ihre uralte und von 
uns genügend gekennzeichnete marionettenhafte Kultur, sogar auf den 
ihnen eignen Mangel an jeder soldatischen Tugend ungemein stolz sind, 
sind sie doch nie aus den Wirren herausgekommen. Revolutionen, Auf- 
stände waren bei ihnen an der Tagesordnung. Auch glaubten sie, es 
wäre zur Erhaltung des Reiches nötig, alle zwei Jahrhunderte mindestens 
eine neue Dynastie zu haben. Willkür, Bestechlichkeit, Schmutz, Habgier 
und Grausamkeit sind ihre hervorstechendsten Eigenschaften, und dazu 
gesellt sich ein fanatischer Haß gegen alles Fremde, um so mehr, da sich 
ihre eigene mit der fremden Kultur nicht messen kann. 
Die Chinesen glaubten, uns mit ihren Waren zu ihrer Bereicherung 
überschütten, sich aber einem wechselseitigen Austausch entziehen zu dürfen. 
So sehr sie im Recht gewesen wären, wenn sie der Opiumeinfuhr aus 
Britisch-Indien sich verschlossen — falls sie nämlich auch den Opiumgenuß 
im Innern verboten hätten —, so wenig waren sie im Recht, die Einfuhr 
für Waren aller Art zu erschweren, mit denen Europa ihren Tee, ihre 
Seide usw. bezahlen mußte. Denn ein einseitiges Verhältnis zweier 
Produktionsgebiete, wo das eine nur in bar zahlen soll, ist unhaltbar. 
Die Unredlichkeit Chinas gegenüber den früheren Handelsverträgen 
der Jahre 1842 und 1857 mit England führte schon im Jahre 1859 
zum Einmarsch der Engländer und Franzosen. Taku wurde genommen, 
50000 Tataren bei Palikao am 21. September geschlagen und der 
Sommerpalast in Peking durch Lord Elgin zur Strafe für die überaus 
grausame Behandlung der Kriegsgefangenen in Asche gelegt. 
Dann folgte der Krieg Chinas mit Frankreich, das die Oberherrschaft 
über Anam und Tonkin erhielt. Rußland, Amerika, Japan, alle fielen 
wie Adler über das Reich der Mitte her. 
Wir haben schon erzählt, wie es kam, daß auch Deutschland end- 
lich sich genötigt sah, gegen China vorzugehen. Den letzten Anstoß gab 
die Ermordung der katholischen Missionare Nies und Henle zu Jentschofu. 
in der Provinz Schantung. 
Der deutsche Kaiser gab Befehl, daß unser ostasiatisches Geschwader,
	        
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