342 DBs Derutsche Reich und seine einzeluen Glieder. (Juni 5.—8.)
5. Juni. Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft.
Den Hauptinhalt der Beratungen gaben Vorschläge für Bauten
von Kolonialbahnen.
6. Juni. Der Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Königsberg
II (Labiau-Wehlau), Rittergutsbesitzer Oberst a. D. Ludwig
v. Massow (K.), k.
6. Juni (Baden.) Das Bekanntwerden der Tatsache, daß
eine Schrift des badischen Zentrumsführers geistlichen Rats Wacker
durch Beschluß der Inderkongregation verboten worden ist, wird
allgemein besprochen.
Das Verfahren war hervorgerufen worden durch die Stellungnahme
des Zentrumführers in dem Streit um die christlichen Gewerkschaften und
die Autorität der Kirche gegenüber der Zentrumspartei. Wacker haite behauptet
und mit besonderer Schärfe verfochten, daß das Zentrum als politische
Partei von der kirchlichen Antorität unabhängig sei. Eine zur weiteren
Begründung dieser Behauptung veröffentlichte Schrift verfiel der kirchlichen
Zenfur. Bei der Stellung des Rats Wacker innerhalb seiner Partei und der
Schärfe seiner politischen Kampfweise erregt dieses Vorgehen gegen ihn in
politischen Kreisen die größte Aufmerksamkeit.
6. Juni. (Bayern.) Die Kammer der Abgeordneten nimmt
einstimmig den Gesetzentwurf an über Erhebung eines fünfundzwanzigprozentigen
Zuschlags zur Reichserbschaftssteuer. Das Gesetz
hat rückwirkende Kraft ab 1. Januar 1914. Die voraussichtliche
Einnahme aus der Steuer ist auf 1700000 Mark veranschlagt.
6.— S. Juni. (Bayern.) Besuch des Herzogs und der Herzogin
von Braunschweig am königlichen Hofe.
Bei einer Galatafel in der Residenz (am 7.) bringt König Ludwig
einen Trinkspruch ans, in dem er ausführt: „Euere Königliche Hoheit sind
in Bayern nicht fremd. Als Offizier meines Ersten Schweren Reiterregiments
haben Euere Königliche Hoheit mit vorbildlichem Pflichteifer gedient.
Die eruste Hingabe an den soldatischen Beruf, die jugendfrische Betätigung
frohen Reitermutes und die herzliche Pflege treuer Kameradschaft haben
Euerer Königlichen Hoheit die aufrichtigen Sympathien des Regimentes
und die ganz besondere Wertschätzung seines Osffizierskorps erworben, das
sich glücklich schätzt, Euere Königliche Hoheit auch heute noch zu den Seinen
zählen zu dürfen. Die göttliche Vorsehung hat Euere Königliche Hoheit
inzwischen einem hohen Pflichtenkreis zugeführt. Das aufrichtige Vertrauen,
das das braunschweigische Volk seinem Herzog vom ersten Tage der Regierung
an entgegengebracht hat, die warme Liebe, die es seinem durchlauchtigsten
Herrscherpaare in steigendem Maße bezeigt, sind eine freudige
Bürgschaft dafür, daß das Wirken Enerer Königlichen Hoheit dem Herzogtum
Braunschweig zum Wohle und zum Besten gereichen wird. Möge es
Enerer Königlichen Hoheit beschieden sein, ein langes und gesegnetes Leben
dem Blühen und Gedeihen Ihres schönen Landes und dem Glanze und
der Größe des gemeinsamen Deutschen Vaterlandes widmen zu dürfen.
In diesem innigen Wunsche weiß ich mich eins mit dem bayerischen Volke.“