Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

298  Drittes  Buch.  IV:  Befestigung  von  Heinrichs  Macht.

Grafen  Adolf  und  Reinold  mit  wenigen  mutigen  Holsten  und  Dithmarschen
zu  Rosse  und  stürmten  auf  die  Slawen  ein,  deren  erste  Linie  sie  den  Hügel
hinab  in  den  Kummerower  See  warfen.  Aber  da  traf  die  zweite  Schlachtreihe
  der  Slawen  auf  die  schon  Ermüdeten  und  Gelichteten,  hieb  Adolf  und
Reinold  nieder  und  warf  ihre  Genossen  vollständig.  Die  Slawen  erstürmten
das  Lager,  plünderten  es  und  trieben  alle,  die  noch  drinnen  waren,  in  wilde
Flucht.  Nur  Gunzelin  und  Graf  Christian  von  Oldenburg  hielten  eine  Schar
von  etwas  über  dreihundert  Rittern  noch  in  Ordnung  beisammen,  an  dem
Gefechte  jedoch  nahmen  sie  keinen  Anteil,  da  sie  die  Übermacht  der  Feinde
und  die  Ihrigen  überall  auf  der  Flucht  sahen.  Aber  als  ihre  Knappen,  die
von  den  Slawen  angefallen  wurden,  sie  um  Hilfe  anriefen,  schämten  sie  sich
ihrer  Zaghaftigkeit  und  stürmten  auf  die  Gegner  ein,  die  sich  in  vollkommenster
Auflösung  befanden  und  eines  solchen  Angriffes  keineswegs  gewärtig  waren.
So  gelang  es  den  Deutschen,  das  Gefecht  wieder  einigermaßen  herzustellen.
Als  die  schon  geflüchteten  Holsten  und  Dithmarschen  sahen,  daß  die  Feinde
zum  Stehen  gebracht  worden  seien,  kehrten  auch  sie  von  der  Flucht  zurück
und  fielen  mit  einem  durch  die  Scham  über  die  Niederlage  nur  verstärkten
Eifer  über  die  Slawen  her.  Diese,  in  der  Unordnung  und  Zuversicht  des
Sieges  plötzlich  und  unerwartet  aufs  schärfste  angegriffen,  wurden  auf  allen
Punkten  auseinander  gesprengt  und  mit  großen  Verlusten  in  die  Flucht  getrieben.
  So  war  die  wechselvolle  Schlacht  noch  zugunsten  der  Sachsen  entschieden;
  aber  freilich  ließ  sich  schwer  sagen,  wer  die  größere  Einbuße  in  ihr
gehabt  habe').

Bald  darauf  langte  Herzog  Heinrich  auf  dem  Schlachtfelde  an  und  wurde
durch  die  bedeutenden  Verluste  der  Seinigen,  besonders  durch  den  Tod  des
trefflichen,  um  seine  Grafschaft  so  verdienten  Adolf  II.  von  Holstein  in  tiefe
Betrübnis  versetzt.  Nur  die  schwere  Niederlage  der  Slawen  konnte  ihn
trösten,  die  an  2500  Mann  verloren  haben  sollen.  Aber  als  ein  tüchtiger
Kriegsherr,  der  er  jedenfalls  gewesen  ist,  ließ  sich  Heinrich  durch  seinen  Kummer
  nicht  abhalten,  den  Feind  kräftig  zu  verfolgen.  Bei  seiner  Annäherung
verließen  die  Slawen  Demmin,  nachdem  sie  es  zum  Teil  niedergebrannt.
Einen  Teil  der  Sachsen  ließ  der  Herzog  dort  zurück,  um  die  Stadt  ganz  zu
zerstören  und  außerdem  die  Pflege  der  Verwundeten  zu  übernehmen.  Von
Demmin  aus  zog  er  in  nordöstlicher  Richtung  auf  die  Meeresküste  zu,  um  sich
mit  Waldemar  von  Dänemark  zu  vereinigen"“).  Auch  Gützkow  —  bei
Greifswalde  —  wagten  die  Einwohner  nicht  zu  verteidigen,  es  wurde  gleichfalls
  niedergebrannt.

 

)Helm.  II,  100.  —  Ann.  Stadenses,  M.  G.  Ss.  XXI,  345.  —  Saxo  Gramm.,
153  a  ed.  Erasm.  Hier  wird  derselbe  wohl  Recht  haben,  wenn  er  sagt:  Itacue
axones  ..  maiorem  cladem  gesserint,  an  acceperint,  virtute  dubium  reliquere.  —

Theod.  Mon.  Palid.,  p.  93.  —  Ganz  falsch  wird  die  Sthionhn  erzählt  (u.  a.  sie  wäre  bei

Lübeck  geschehen!)  in  den  Ann.  Egmund.,  p.  463.

Helm.  a.  a.  O.  —  Theod.  Mon.  Palid.  l.  c.