Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

114 Beschlußentwurf betr. die Friedensgrundlagen. 
gehender Vorbehalt von uns und anderen Regierungen zwar beabsichtigt, durch den 
Bundesbeschluß aber nicht gutgeheißen worden sei. 
Ein Korrektiv für diesen Mangel der Fassung ließe sich allerdings darin finden, daß 
man, wie Herr von Schrenck beabsichtigt, in der Motivierung des Beschlusses ausdrücklich 
erwähnte, daß der Vorbehalt selbständiger Interpretation, als sich von selbst ver= 
stehend, nicht erforderlich scheine, und nur die Unbestimmtheit des Art. V die ausdrück= 
liche Formulierung eines solchen habe ratsam erscheinen lassen. Fraglich ist aber, ob nicht 
auch in der Motivierung die Beibehaltung des von Herrn von Schrenck beabsichtigten 
Passus Anstand finden wird; und dann würde immerhin wünschenswert bleiben, daß der 
Beschluß selbst eine Bezugnahme auf die Motive enthielte, weil letztere an und für sich 
keinen Gegenstand der Abstimmung bilden. Prinzipaliter würde mein g. Antrag immer 
dahin gehn, wenn S. M. der König überhaupt eine Beschlußfassung auf Grund des an= 
liegenden Entwurfes genehmigen wollen, den darin ausgesprochenen Vorbehalt auch auf 
die bei näherer Feststellung der Bedingungen etwa vorkommenden Meinungsverschieden= 
heiten hinsichtlich der Interpretation auszudehnen. 
Im übrigen hat der österreichische Entwurf in seinem ersten Teile, welcher die 
preußisch=sächsische Fassung reproduziert, vor dem hiesigen Entwurf vom 4. c. m. E. den 
Vorzug einer minder verpflichtenden Fassung, indem der Ausdruck „der Bund erkennt in 
den Präliminarien die Grundlage“ weniger präzis ist, als der andere „die Bundesver= 
sammlung beschließt, die Grundlagen anzunehmen“. Auch das im Schlußpassus aus= 
gesprochene Vertrauen hat seinen Wert, wenn es nicht von uns, sondern von Bayern 
beantragt wird, und wenn wir in die Lage kommen, dasselbe auf den Kon= 
ferenzen zu betätigen. Ist zu letzterem keine Aussicht, so erlaube ich mir dagegen 
E. E. Erwägung die Frage gen. anheimzustellen, ob es für diesen Fall nicht notwendig 
ist, daß wir schon hier der österreichischen Vorlage gegenüber eine Haltung annehmen, 
welche mit unserer Nichtteilnahme an den Pariser Verhandlungen vollkommen verträg= 
lich wäre. *An und für sich könnte ich kein Unglück darin sehn, wenn wir an den Kon= 
ferenzen nicht teilnähmen. Es würde daraus nichts weiter folgern, als daß die Stipu= 
lationen, welche aus denselben hervorgehn und welche für die Nichtteilnehmer nur von 
sekundärem Interesse sein können, der Garantie Preußens und des Deutschen Bundes 
entbehren; und daß es während der Konferenzen zweifelhaft bleibt, für welche der sich etwa 
ergebenden Meinungsverschiedenheit  das Gewicht Deutschlands in die Wagschale fallen 
würde. Durch letzteren Umstand kann das Zustandekommen des Friedens erschwert, 
durch ersteren die Bürgschaft seiner Dauer vermindert werden. Beides zu berücksichtigen 
liegt aber mehr in dem Interesse der kriegführenden Mächte, als in dem unsrigen. Wir 
können also unbeschadet unserer Interessen und unserer Würde außerhalb der Konferenzen 
bleiben; nur müßte dann auch m. E. unser Verhalten am Bunde gegenüber der österreichi= 
schen Vorlage schon auf diese Eventualität eingerichtet sein. Peinlich würde unsere Lage 
erst dann, wenn wir hier am Bunde in offiziellen Abstimmungen eine Haltung angenom= 
men hätten, welche offenbar auf unsere Zuziehung zu den Konferenzen berechnet wäre und 
letztre uns dann doch verweigert würde.* 
124. Bericht vom 9. Februar 1856 an Minister v. Manteuffel, 
betr. die Haltung der Frankfurter „Postzeitung“. Die von Österreich ab= 
hängige Presse. — Vgl. Poschinger, Neue Berichte S. 217 f.