Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

Hinckeldeys Tod. Herr v. Holzhausen. Bundeskanzleidirektor. 135 
diesen Posten, auf dem es bald Streit geben werde; er hätte Appony nach Berlin schicken 
wollen; er sagt mir ferner, daß man in Wien den Abgang Arnims nunmehr als sicher be= 
trachte, und drückt mir wiederholt den Wunsch aus, mich dort als Nachfolger zu sehn; 
E. E. wissen bereits, wie wenig es mit meinen eignen Wünschen übereinstimmen würde, 
wenn S. Majestät in dieser Weise über mich verfügte. 
Wie erschütternd ist die Nachricht von Hinkeldey's Todl⁴) Ich weiß über die Ver= 
anlassung des Duells noch nichts Näheres; wahrscheinlich stammt es wohl von der Jagd= 
club=Angelegenheit, obschon ich nicht begreife, wie jene Tölpelei eines subalternen Menschen 
so ernste Folgen so spät noch hat haben können. In der practischen Polizei wird Hinkeldey 
eine fühlbare Lücke lassen; er war, was die Franzosen homme de tête et d’action nennen, 
und wir haben deren nicht viele. Mit der Bitte mich der gnädigen Frau zu empfehlen und 
mit dem Ausdrucke der aufrichtigsten Verehrung verharre ich   … 
146. Bericht an Minister v. Manteuffel. 
[Ausfertigung.] 
  19. März 1856. 
E. E. unterlasse ich nicht auf den h. Erlaß vom 14. d. M. und mit Bezugnahme auf 
meinen Bericht vom 10. d. M. g. g. anzuzeigen, daß S. D. der Fürst von Waldeck, welcher 
sich gegenwärtig in Wiesbaden aufhält, im hohen Grade aufgebracht gewesen ist, als ihm 
dort von dem hier lebenden Prinzen Adolph von Wittgenstein mitgeteilt wurde, daß 
Herr von Holzhausen bei der Abstimmung in der orientalischen Angelegenheit am 21. v. M. 
namens der 16. Kurie nicht wie Preußen gestimmt habe. Der Fürst äußerte, wie er 
Herrn von Holzhausen ein für allemal befohlen hätte, immer für Waldecke mit Preußen 
zu stimmen; er sei der beste Preuße und Seiner Majestät dem Könige, u. a. H., unbedingt 
ergeben. Er würde auch immer mit Preußen gehen. 
Da Prinz Wittgenstein mir das ganz vertraulich und mit der Bitte mitgeteilt hat, 
davon keinen Gebrauch zu machen, so bitte ich diese Anzeige auch nur pro informatione 
entgegennehmen zu wollen. Auch der Fürstlich Schaumburg=Lippesche Gesandte von Strauß, 
der jetzt die Stimme der 16. Kurie führt, übrigens aber in seiner Ergebenheit für Öster= 
reich Herrn von Holzhausen nicht nachsteht, sagt mir, daß letzterer von Schaumburg=Lippe 
angewiesen gewesen sei, wie Preußen zu stimmen, und daß ihn das von demselben ab= 
gegebene Votum überrascht habe. 
Unter diesen Umständen zweifle ich nicht, daß durch die von E. E. nach dem b. Erlasse 
vom 14. d. M. veranlaßten Schritte Herr von Holzhausen dieses Mal der der Majorität 
seiner Committenten widersprechenden Abstimmung wird überführt werden können. 
147. Bericht vom 6. April 1856 an Minister v. Manteuffel, betr. 
die Anstellung eines eigenen  Bundeskanzleidirektors. — Vgl. Poschinger II 
Nr. 188. 
148. Bericht vom 11. April 1856 an Minister v. Manteuffel, betr. 
die Veröffentlichung der Bundestagsverhandlungen. — Vgl.   Poschinger II 
Nr. 189. S. 355 Zeile 6 daselbst muß ues „projektierten“ heißen. 
⁴)   Am 10. März.