Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

184 Georg V. über Neuenburg. Der russische Gesandte in Hannover. 
schwächlich. In Sachen des Handelsrechtes kann über die Frage, ob „Frankfurt“, am 18. 
garnicht gültig votirt werden; sonst könnte zuletzt herauskommen bei der Abstimmung, es 
solle nicht in Nürnberg sein, sondern in Wien, auch keine Sachverständigen, sondern Ge= 
sandte, und nicht über Handelsrecht, sondern über Zollwesen usw. 
Ich werde Freitag und Sonnabend bei Graf Asseburg in Meisdorf am Harz sein, und 
Sonntag, vielleicht auch Montag in Hanover, wo ich bei Isenburg fragen werde, ob viel= 
leicht Briefe für mich [da] sind. Viele Empfehlungen an Ihre Frau Gemalin. Der Ihrige. 
208. Bericht vom 19. Dezember 1856 an König Friedrich Wil= 
helm IV., betr. die Antwort der Schweiz in der Neuenburger Angelegenheit. 
Erklärung Preußens darauf. Unvermeidlichkeit einer Entfaltung der preußi= 
schen Streitkräfte gegen die Schweiz. Aufnahme der desfallsigen Entschließung 
Preußens bei den übrigen Regierungen. Haltung Österreichs und Sachsens in 
der Durchmarschfrage. — Vgl. Poschinger III Nr. 39. 
209. Privatschreiben an Minisier v. Manteuffel. 
[Eigenhändig.] 
22. Dezember 1856. 
E. E. habe ich in meinem jüngsten Immediatbericht schon im allgemeinen von den 
Eindrücken Rechenschaft gegeben, welche ich bei meinem Aufenthalt in Hanover und bei 
meiner Ankunft hier empfangen habe. Ich erlaube mir dem noch einiges Nähere hinzu= 
fügen. 
Der König Georg war, wie immer, sehr gnädig für mich und besonders dankbar für 
die von uns in der hannöverschen Verfassungsfrage gewährte Unterstützung; S. Majestät 
fand besondres Interesse an Besprechung der Neuenburger Expedition, deren baldigen 
Aufbruch er voraussetzte, und von der er alle, mir selbst unbekannten, Details in Betreff 
der Truppentheile und ihrer Anführer, welche zur Theilnahme bestimmt wären, zu wissen 
verlangte. Seine Kenntniß der Personalverhältnisse unsres Offizier=Corps hat mich in Er= 
staunen gesetzt. Über die Frage, ob wir überhaupt marschiren würden oder nicht, wollte er 
in Erörterungen nicht weiter eingehn, weil er es nach dem Verhalten der Schweiz für un= 
vermeidlich ansehe und niemand uns mehr mit Ehren zumuthen könne, still zu sitzen; so= 
bald wir Frankreichs sicher seien, falle jeder haltbare Grund, sich die Ungerechtigkeit der 
Schweizer länger gefallen zu lassen, fort; der Kostenpunkt sei unangenehm, die Ehren= 
frage aber von zwingender Gewalt. Ich habe überhaupt seither niemand gefunden, der es 
noch für möglich hält, daß wir nicht zu den Waffen greifen, wenn die Freilassung nicht 
noch vor dem Urtheil stattfindet. Selbst Engländer und Östreicher, wie Malet und Ingel= 
heim, geben im außerdienstlichen Gespräch offen zu, daß wir nicht anders handeln können, 
ohne die Achtung im Auslande einigermaßen zu verlieren.  
Eine interessante Person in Hanover ist Fonton, auf dessen Rath und Eingebung 
Fürst Gortschakoff mehr und mehr Gewicht legen soll, wie man mir auch hier bestätigt. Er 
glaubte, daß Frankreich, wenn es einmal unser Vorgehn gegen die Schweiz zulasse, dabei 
nicht stehn bleiben, sondern wahrscheinlich cooperiren werde, indem es, en qualité de 
puissance amie, Genf oder auch mehr besetze; er hatte Andeutungen darüber aus Paris.