Serbischer Gewehrkauf. Beufts publizistische Werkzeuge. 221
*1031. Erlaß an den Generalkonsul in Belgrad Rosen.
(Kongept von der Hand des Vortragenden Rats Theremin.]
Berlin, den 29. Januar 1868.
Ew. pp. benachrichtige ich unter Bezug auf meinen Erlaß vom 8. d. M., daß unter
den obwaltenden politischen Verhältnissen und bei den Schwierigkeiten, welche sich nach
den uns zugegangenen Nachrichten dem Transporte entgegenstellen würden, ein direkter
Verkauf der Gewehre an die serbische Regierung untunlich erscheint. Das Geschäft wäre
am besten zu machen, wenn Rußland zu bestimmen wäre, es mit uns für die serbische Re-
gierung abzuschließen und den Transport durch Rußland bewirken zu lassen-. Wir unter-
bandeln hierüber mit Petersburg.
*1032. RKunderlaß an die Missionen bel den Großmächten,
in Florenz, Dresden und Brüssel!.
#Kenneyr von der Hand des Vortragenden NRats Bucher.]
m 20. Januar hatte der Gesandte in München Sreiherr v. Werthern auf Grund von
Tieil 2 des Herausgebers der „Süddeutschen Presse“ Julius Fröbel und delssen Unter-
redakteurs Dr. Bode einen Bericht erstattet, der einen tiefen Blick binter die Kulissen der
Beust'schen Politik tun ließ. Wäbhrend der österreichische Aeichskanzler offiziell verföhnliche
und entgegenkommende GSesinnungen gegen reußen Hur Schau trug, den „gänzlichen Veriicht
auf Nachegedanken und die Unwahrscheinlichkeit einer gemeinsamen Aktion mit Frankreich"
als Parole ausgab, ließ er durch seine publizistischen Werkzeuge, wie den in seinem Kabinett
beschäftigten Dr. Orges, (ogl. über dessen Antezedentien Ed. Heuck, Die Allgemeine Zeitung
I bis 1898; H. Oncken, A. v. Bennigsen, I, 405 f.) überall und vornehmlich in
Suüddeutschland gegen Preußen wühlen. Wertbern war in der Lage, Bismarck das Original-
manuskript eines Orges'schen Artikels „Die Zuftimmung Srankreichs zur Neorganisation
Deutschlands" zu unterbreiten, der am 16 Januar unter Sortlassung der schlimmsten Invektiven
gegen Preußen in der „Süddeutschen Dresfe“ mm Abdruck gelangt war. In dem ursorüng.
lichen Cext des Artikels waren die mit den süddeutschen Stbetn bgeschlostenen Schutz-- u
Trutzbündnisse und ebenso die neuen Sollovereinsverträge als flagrante erleungen. des Pran
Friedens und als schwere Veleidigung Srankreichs bingestellt, und es wurde als unvermeidliche
Solge eines etwaigen weiteren Vorschreitens rkußens auf diesem Wege ein breubilch äran
Gscher Krieg an die Wand gemalt. Vicht nrecht bemerkte Wertbern dazu: „Wenn
ie Sprache ist, welche die Wiener ninzse riten Blatte, wie die „Süddeutsche Presses b
mmuten, so kann man ermessen, in welcher Tonart die Themaia vom „preuhischen Vertrags=
bruch“ und der Mislsion Grankreichs resp. Osterreichs, einen neuen Bruch nicht mehr nu dulden,
gerade am Vorabend der Wahlen um Jollparlament in den oielen kleinen ultramontanen und
partikularistischen Blättern variiert werden, welche aus gleicher Quelle ihre Inlpiration
empfangen.“
Vertraulich. VBerlin, den 29. Januar 1868.
Ew. pp. werden bemerkt haben, wie geflissentlich seit einiger Seit in der Presse die
Friedfertigkeit Isterreichs versichert und die Aeigung zu einer Annäherung an uns
akzentuiert wird. Wir würden diese Kundgebungen mit Genugtuung begrüßen, wenn wir
1 n — nicht von Bismarck geseichneten — Erlaß d Januar war Vosen oesscht Kt
worden, 10 1 von Serbien gewünschten Gewehrankaufe (ogl. it D#r 1006) nichts im Wege steh
krage sich aber, in welcher Weise die Überfübrun nach Serbien erfolgen könnte. Da Stterreich orgeuss
si N“ . Scholerigteeiten in den Weg legen werde, würde vor allem die Beförderung über
ußland ins Auge zu sein
Zu einem Wschluß mit Ruhland ist es nicht gekommen. Vach Berichten Mosens vom 12. und 14. Se-
bruar trat die lerbische Regierung felbst von dem Seschäfte mrückt, da man in Petersburg Bedenken trug,
die Wa allzn durch die Donaufürstentümer geben zu lassen.
1032.1 Die Wiedergabe des Crlasses erfolgt in der für Wien beftimmten Form.