356 Lamarmoras Angriffe und die Stalienreise des Kronprinjen.
ich einverstanden. Ramentlich ist es durchaus nicht meine Absicht, — wie Ew. pp. in dem
gefälligen Bericht Nr. 34 zu beforgen scheinen, — um einer etwaigen scheinbaren An-
näherung des Generals Lamarmora willen, die gegen Preußen gerichteten Angriffe des-
selben ohne Erwiderung zu lassen. Sch glaube aber, daß diese wirksamer sein wird, wenn
sie auf italienischem Boden in der Weise, wie ich dies in meinem Erlaß Nr. 48 vom
27. v. Al.“ angedeutet habe, bewerkstelligt wird. Um dies wirksamer tun zu können, stelle
ich CEw. pp. anheim, von dem Text der in Shrem Bericht Ar. 29 vom 1. April erwähnten
Depesche an den Freiherrn von Werther vom 25. April 1866 Gebrauch= zu machen, was
mir angemessener erscheint, als sie jetzt hier zu veröffentlichen. Von elner Veröffentlichung
des anderen ebenfalls von Ihnen erwähnten Schriftstückes, nämlich Ihrer Aote an den
General Lamarmora vom 14. Juni 1866, bitte ich dagegen Abstand zu nehmen, was schon
wegen der darin enthaltenen Beziehungen auf die damals ins Auge gefaßte Expedition nach
Ungarn und auf die Anknüpfungspunkte, welche letztere im Lande selbst finden würde,
durchaus notwendig ist. Jede Bezugnahme auf diese Verhältnisse bitte ich Ew. pp. zu ver-
meiden.
Was etwaige Versuche der Annäherung des Generals Lamarmora an Seine König-
liche Hoheit den Kronprinzen betrifft, so habe ich SIhren betreffenden Bericht Seiner
Königlichen Hoheit vorgelegt, und auch meinerseits höchstdemselben nur raten können, sich
ablehnend dagegen zu verhalten, um dem General nicht Gelegenheit zu geben, sich als eine
dem preußischen Hofe grata persona darjzustellen und durch den Eindruck, als könne auch
er die von den nationalen Sumpathien geforderte Verbindung mit Preußen aufrecht-
erhalten, seine Aussichten für die Ubernahme des Ministeriums zu verbessern. Ich habe
Seiner Königlichen Hoheit zugleich die Überzeugung ausgesprochen, daß im Gegensatz gegen
die Bestrebungen der pi##montesisch --französischen Partei, deren fast extremer Ausdruck
Lamarmora ist, die Sympathien der Nation in Stalien unfsern besten Bundesgenossen
bilden. Letztere haben sich mächtig genug erwiesen, um noch nach dem Sall des Mi-
nisteriums Aicasoli merst das MUlinisterium Natazzi und dann wieder das Ministerium
Menabrea, welche beide unter französischen Auspizien ans Ruder gekomen waren, in ihre
Strömung zu jiehen und das erstere sogar in leidenschaftlicher und leichtsinniger Weise zum
Segner Srankreichs zu machen und seiner Politik zum Opfer fallen zu lassen, das letztere
wenigstens zu einer mäßigen und besonnenen Haltung auf nationalen Prinzipien und einer
freundschaftlichen Stellung zu Dreußen zu vermögen. Wir haben daber, wie Ew. pp. selbst
bemerkt haben, durchaus keinen Grund, das Ministerium AMenabrea als unsern Gegner
anmseben und irgendetwas m tun, was seine Stellung gegenüber den Aspirationen von
General Lamarmora schwächen und diesen in der öffentlichen Meinung beben könnte. Ob
bei ihm derselbe Einfluß gleich stark sein würde, um ihn aus dem französischen Sahrwasser
herauszuziehen und uns ernstlich zuzuwenden, ist sehr zweifelhaft; augenblicklliche Versuche
der Annäherung sebe ich nicht als eine ernstliche Bekehrung, sondern nur als ein Manöver
an, um auf die öffentliche Meinung zu wirken.
So sehr ich von dem Wunsche durchdrungen bin, daß die Reise Seiner Königlichen
Hoheit des Kronprinzen sowohl durch den perfönlichen Sindruck in denjenigen Kreisen, mit
denen er unmittelbar in Berührung kommt, als durch die allgemeine Einwirkung auf Er-
1 Siehe Ar. 1116.
* Vor dem Worte: „Gebrauch“ sind die Worte: „teilweise oder auch vollständig“ geltrichen.
2 Vgl. damu Nr. 1131.