410 Keltik an König Wilhelms I. Relise nach Apenrade und Tondern.
begab, um für den Wonarchen einen möglichst guten Empfang vorzubereiten, daß die Reise
möglichst nicht über Slensburg ausgedehnt werde, damit nicht durch einen Empfang in den
nördlichen Bezirken Schleswigs die leidige Srage des Artikels V des Drager Sriedens auf-
gerührt werde. Trotz dieses nur m begründeten Bismarckschen Ratschlages ging der König
bis Apenrade und Tondern; nur von einem Beluch in Hadersleben, wo dänische Demonstrationen
vorbereitet waren, wurde im letzten Moment Abstand genommen.
Varzin, den 15. September 1868.
Indem ich Ihrem Besuche hier mit Vergnügen entgegenfehe, bitte ich Sie, falls sich
Gelegenheit dazu bietet, Allerhöchsten Ortes einen Eindruck zu berichtigen, u dem mein
Schreiben wider Erwartung Anlaß gegeben hat. Der König hat daraus, daß ich mit der
Reise nördlich Slensburg nicht einverstanden bin, den Schluß gezogen, als wollte ich Seiner
Majestät die Abtretung von Apenrade und überhaupt alles dessen zumuten, was der König
nicht besucht. Im Gegenteil, ich will, daß wir womöglich auch Hadersleben bebalten; der
meines Erachtens richtige Weg dam ist aber, daß wir die Frage jetzt schlafen lassen und
keine Sunken werfen, die jünden könnten, solange wir keinen Brand wollen. Durch die
königliche Reise aber wird die Srage nun angeregt und beleuchtet. Das Unterlassen des
Besuchs von Hadersleben wird erst dadurch auffallend, daß der König bis Apenrade
geht. Allein um deswillen hätte ich gewünscht, daß die Reise mit der faktischen Haupt-
stadt Schleswigs, mit GSlensburg, ihren Abschluß gefunden hätte, woran eine Besichtigung
der Gestungswerke von Düppel-Sonderburg nichts geändert hätte. Wer die weitere Fahrt,
Apenrade, Tondern, angeraten, hat Seiner Wajestät vielleicht einen vergnügten Reisetag
verschafft, aber meines ECrachtens keinen politischen Dienst erwiesen. Cela nous donnera
du fil à retordre. ·
Bist-sankunddieRotdlchleswiqlcheZtage1864bi81379,5.309f.
*1183. Telegramm an den Vortragenden Rat von Keudell.
lEigenhändiges Konzept.]
Ende September hatte der russische Vizekanzler Fürst Gortschakow, der sich in Vaden-
Vaden zur Kur aufhielt, den Wunsch ausgesprochen, auf seiner Rückreise nach Petersburg mit
Bismarck zusammenzutresfen. Von einem Besuch Gortschakows in Varzin glaubte Bismarch
(ogl. Jein Schreiben an Keudell vom 29. September, A. v. Keudell, Fürst und Sürstin Bismarck,
S. 399 k.) wegen des damit verbundenen Auffehens abraten zu sollen, dagegen warf er die
Idee einer Begegnung mit dem Vijekanjler in Schneidemühl und einer gemeinschaftlichen Eisen-
babnfahrt bis Dirschau bin, freilich nicht ohne Sweifel auszusprechen, ob der Arzt ihm eine
solche Anstrengung erlauben werde. Offenbar lag Bismarck in diesem Außenblich wenig an
einer Zusammenkunft mit Gortschakow. Er lah voraus, dah der Vizekanfler vor allem mit
ihm die Nordschleswigsche Frage behandeln wolle, dle schon Kaiser Alexander II. om 27. Sep-
tember in Dotsdam mit König Wilbelm I. in dem Sinne erörtert batte, daß Preuhen diese
Frage doch ja in möglichst entgegenkommendem Sinne erledigen möge, um jeden Borwand aus
dem Wege zu räumen, den die Kriegspartei in Frankreich etwa benutzen konnte, um Höndel
u suchen. Bagl. die Aufzeichnung des Prinzen Aeuß, d. d. otsdam, 27. September, Bismarck
und die Nordschleswigsche Frage 18564 bis Isre, 5. 31o f. Bismarck, der von den Absichten
Gortschakows vermutlich durch Keudell näher unterrichtet war, konnte aber, obwohl er an
und für sich in der Aordschleswigschen Srage zu einem Entgegenkommen durchaus bereit ge-
wejen wäre (ogl. Ar. 1141), im gegenwärtigen Moment eine Aussprache mit Gortschakom kaum
4 Alcht bei den Akton.