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Bismarcks Motide bei Umredigierung der Emser Depesche.
noch. kneisen könnte“ (ogl. Bismarcks Auherung zu M. B V vom 19. — #
M. Busch, Tageuchblter I. 346), lieh der Wortlaut der Emser *m schwe ch . e
nach Wiemtarces .„Darstellung in den „Gedanken und Leinnernen 1 usct erlesung
der Depesche bei RNoon und Moltke tiefe Medergeschlaenhene En haben soll, so
ist das wohl lo zun erklären, daß die beiden Generale, die von Haus aus für den Krieg waren
(ogl. den Brief K. v. Aormanns an G. Sreytag vom 15. Juli. J. Heuderhoff, Deutscher
Liberalismus im Geitalter Bismarckss, I, 472), nach dem Gang, den die Dinge in Ems
gopehe, würde; er iberbel. den — Aeiter im ganzen siol uns ieler Vorteil. als
eine Verschleppung.“ Auch dem Bundeskanzler mußte es vom politischen Standpunkte aus
darum zu tun lein, den Franzosen sede Möglichkeit, ihre eigene diplomatilche Offensive im
Anschluß an die Emser Vorgänge fortzuführen, mit einmal abzuschneiden. Wenn jetzi, wozu
die Emser Depesche eine willkommene Handhabe bot, die neueste Sorderung der Sranzosen und
ihre energische Zurückeweisung durch König Wilhelm vor aller Welt in den Vordergrund
gerücket würde, 8 war der diplomatische Sieg der Sranjosen mit einem Male in sein Gegenteil
verkehrt, die „Ohrfeige“ vom 6. Juli ausgeglichen, die Gefahr eines Rückschlages in der
nationalen Stellung echelh Bismarcks größte Sorge in diesen Tagen, beseitigt, der
Aimbus reußens und des Hohenfollernhauses nicht geschwächt, sondern gestärkt, und das
große Ziel der deutschen Einigung, r5 es nun zu einem Kriege mit Srankreich kam oder nicht,
leiner Erfüllung nöher gerückt. n solchen Erwägungen aus ging Bismarck an die in
Gegenwart Noons und Moltkes bvomen aolcher Umredigierung der Emfer Depesche um Sweck
ihebr Veröffentlichung. Eine unveränderte Bekanntgabe konnte natürlich nicht in Betracht
mmen, einmal weil der Inhalt des Telegramms mit seiner Bezugnahme auf das Eintreffen
des Sigmaringer Bestätigungsschreibens und auf den dadurch veranlaßten Botengang des
Drinzen Nadjiwill zu Benedetti für jeden nicht Eingeweihten nicht recht verständlich sein
konnte, sodann aus Rückesicht auf den König, dessen in der Emser Depesche enthaltenes Billett
an Abeken mit den scharfen Bemerkungen über Benedetti nicht wohl der Mentlichreit preis-
jugeben war. Die Streichungen, die Bismarck demnach in der Emser Depesche vornahm,
ergaben sich wie von selbst; im wesentlichen konnte die Verlautbarung, wenn sie den gerade
auch von König Wilhelm gewollten Zweck, die Franjosen öffentlich in das Unrecht zu setzen,
erfüllen sollte, gar nicht anders gefaht werden. Daß die telegraphische Mitteilung der
Depesche an die Bundepgefandisch,asten in- und außerhalb Deutschlands und ibre gleichzeitige
Bersenthichung in der Presse, ob sie nun in originaler oder in überarbeiteter Form erfolgte,
in Paris ungeföhr wie das rote Tuch auf den Stier wirken und die Sranjosen zum Angriffs-
griege reijen muhßte, war unschwer vorauszusehen. Wenn aber Bismarck in der Erläuterung m
der „konzentrierten Redaktion“, die er nach den „Gedanken und Erinnerungen“ am Abend
des 13. Juli leinen Tischgösten Roon und MWoltke gegeben bat, diese Entwicslung bereits
mit absoluter Sicherheit vorausgesagt haben will, so liegt die Möglichkeit nahe, *u— ch hier
wie so oft bei Bismarck die Rückerinnerung durch den Berlauf der Seihe beeinflußt worden
ist. Mit Recht hat schon Fester (Die Deness der Emser Depesche, S. 181) hervorgehoben, daß
Bismarck in seine Darstellung der Emser Depesche einen fremden Zug g habe.
In der Tat hat der Kanzler in seinen Crjzählungen sowohl das Verhalten des Königs wie das
der Franjosen zu slehr unter dem Gelichtswinkel des ex post beurteilt. Zieht man Bismarcks
unmittelbares politisches Schrifttum zu Nate, erinnert man sich vor allem, wie gering er noch
am Abend des 12. Juli (ogl. Ar. 1604. Vorbem.) die Entschluhkraft VRapoleons III.
eingeschätzt und welchen Aoun in seinen Vorausberechnungen der Gedanke eingenommen hat,
daß es infolge der moralischen Schwäche des Kaisers zu einem Umlturz in Grankreich kommen
könne, der Preuhen die Bahn in Deutschland endgültig freigebe, so frägt sich doch, ob
Bismarck so ausschliehlich, wie er es nachmals glauben machen wollte, es in der Julikrifse
1870 überbaupt und insonderbeit mit der Umredigierung der „Emser Depesche“ auf eine
kriegerische Löfsung des mit Srankreich entstandenen Konflikts abgeseben und ob er nicht bis
mletzt auch mit der anderen Alternatioe gerechnet hat, daß infolge der Aufdeckung der Emser
Vorgänge ein lolches Emporflammen der nationalen Begeisterung in Deutschland
und ein lolcher Druck von leiten der neutralen Mächte, insbesondere Englands und ARußlonds
auf GSrankreich eintreten würde daß Napoleon im letzten Moment erschreckt mrückwelche und
darüder dann jeden Halt in Franbreich verliere. Das Eine ist völlig gewiß, daß Bismarch
aus dem Konflikt nur mit einer Stärkung der nationalen Stellung Preußens, nicht aber mit
einer Schwächung berporaarben wollte. Dies ist der eigentliche und tiesste Sinn der Emser
Depesche gewesen. Wie der schon seit Anfang 1870 näher erwogene Kaiserplon, wie die
emwh Chronkandidatur, so steht auch die Umredigierung der Emser Depesche qganz im
Seichen der Herstellung der deutschen Einheit.
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