„Sormular“ für einen Kaiserbrief des Bauernkönĩgs. 601
Em. pp. würde ich für eine gefällige baldige Außerung Shrer Ansicht über die vermut-
liche Dauer des Reichstages, soweit sich dieselbe nach Ihren Wahrnehmungen über die
berrschende Stimmung beurteilen läßt, dankbar sein.
191. Telegramm an das Auswärtige Amt.
[Eigenbändiges Konzept.]
« Vetlailles,den27.2(ovember1870.
lsiiklMinlilterlDelbriick.
Geheim.BeicrwägungdesbairilchenVertragesltelleichanheim,oeklchwiegneulndl
einflußreiche Abgeordnete darauf hinzuweisen, daß der König von Baiern leider von unsichrer
Gesundbeit, kinderlos ulnd) sein Bruder ganz in ultramontanen Händen ist. Kaiserfrage
hoffe ich bis Donnerstag Nachricht geben zu können.
1032. Schrelben an König Ludwig U. von Bayern.
[Abdruck.]
Schon am 19. Aovember hatte Greiherr v. Werthern Bismarck mitteilen können, daß König
Ludwig II. von Bagyern beabsichtige, feinen Oberstallmeister Grafen v. Holnstein ins Hauptquarkier
m entsenden. Einmal sollte sich der Graf unterrichten, ob es auch wirklich für genügend erachtet
werde, wenn der König die Failerfrage, stat persönlich gnd mündlich, schriftlich anrege. Sodann
wird Holnstein den Auftrag gehabt haben, die Wünsche des Königs auf Landerwerb, die sich vor
allem auf die badische Pfalz richteten, und ebenso auf ein RNückzahlung der Baher# 1866 auf-
erlegten Kriegsentschädigung wrvergscher zur Geltung bringen, als es durch Graf Bran
gescheben zu sein schien. Am Abend des 25. Novem r traf Graf Holnstein in Versailles
ein, am 26. hatte er eine Unterredung mit dem Grohhersog von Baden (ogl. Cagebuch,
.Onchken, a. a. O., II. 206 f.), am 27. eine solche mit Bismarck. Der — scheint sich sehr
rasch mit dem Abgesandten des Baygernkönigs verständigt u haben. Ob Gedanke, dem
König „eine Art Sormular"“ für einen Kaiserbrief zu übermitteln, von Bismarck bern! von Heigstein
ausgegangen ist. ist nicht mit Sicherheit feltzustellen. ebensowenig. ob Bismarcke dem Könige
irgendwelche territorialen oder sinewiellen Gusicherungen (ogl. M. Doeberl, S. 162) mündlich durch
Holnltein ausrichten ließ. Daß Bismarck in territorialer Benehung ein Entgegenkommen in
Aussicht gestellt haben mag. wäre etwa daraus zu schließen, daß er lich bernach bei dem Abschluß
des Versailler Dräliminarkriedens nicht abgeneigt gezeigt hat. die Stadt Weihenburg ud
Umgegend an Bauern zu geben. Völlig akg bosele muh aber die Behauptung werden, dah bei
etwaigen finanziellen Gulicherungen an Ludwig ll. der Welfenfonds in Betracht gejogen sein
kkoönne; das schließen schon die über den Welfenfonds vorbandenen Akten aus. Das Jajit dor
Verhandlungen wischen Bismarck und Holnstein war jedenfalls das, dah der Kanzler dem Ab-
Hlendten König Ludwigs neben dem Entwurf des Kaiserbriefes jenes erssmiiche chreiben für
Ludwig II. mitgab., deleen Konzept in den Gedanken und Erinnerungen. I. 353 f. (ogl. chrei, Bis-
marcks Kommentar, a. a. O., I. 117 ff.), und dessen elusfertigung. in WF.t bei Luise.
v. Kobell (König Ldnig I. und Fürst. Bismarck im Jabre 1870) wiedergegeben ist. Vgl. u der
Mission Holnsteins auch E. v Wertbeimer, Bismarck im bolnichen Kampf. S. 435 ff.
Versailles, 27. Aovember 1870.
Z
Allerdurchlauchtigster Eroßmächtigster Königl
Für die huldreichen Sröffnungen, welche mir Graf Holnstein nach Befebl Curer Majestãt
gemacht hat, bitte ich Allerhöchstdieselben den ehrfurchtsvollen Ausdruck meines Dankes
gnädig entgegennehmen zu wollen. Mein Gefühl der Dankbarkeit gegen Cure Majestät hat
einen tieferen und breiteren Grund als den perfönlichen, in der amtlichen Stellung, in welcher