Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

französische  3.  Armee,  die  durch  beftige  Angriffe  aue  östlicher  und  südöstlicher
  Richtung  unsere  Armeekorps  zum  Winschwenben  gezwungen  hatte.
Statt  Revigny  zu  erreichen,  erwehrte  sich  das  VI.  A.  N.  wütender  Vorstöße
  aus  den  Wäldern  um  Oillotte  und  stand  abends  etwa  in  Linie
Villers  aur  Vents  —  Dillotte.  Das  XIII.  A.  R.  erreichte  nach  heftigem
Tageskampf  die  Linie  VDaubecourt  —  Evres  ohne  Anschluß  an  das  VI.  A.  R.
Am  schwierigsten  gestalteten  sich  die  Kampfverhältnisse  für  das  Rorpe  des
Generale  v.  Mudra.  Es  mußte  sich  schon  um  Bulainville  an  der  Aire
schlagen,  um  Raum  für  selnen  Dormarsch  in  der  Richtung  auf  Bar  le  Duc
zu  gewinnen.  Dann  wurde  seine  südliche  34.  J.  D.  bei  Beauzée  aue
südöstlicher  Richtung,  und  die  33.  J.  D.  aus  Gegend  Zelppes  —  Souilly
angegriffen.  Sie  drehte  nach  Osten  ein  und  gewann  schwer  kämpfend
allmählich  die  Linte  St.  André—Ippêécourt.  Das  VI.  R.  R.,  auf  dem
Marsche  in  den  ihm  zugewiesenen  neuen  Beobachtungsabschnitt  gegen
VDerdun  durch  Tlermont  befindlich,  wollte  dem  XVI.  A.  R.  auf  Ippécourt
zu  Zilfe  eilen.  Indessen  selbst  durch  Angriff  von  Derdun  her  bedroht,
mußte  es  mit  der  II.  R.  D.  gegen  den  Cousance-Abschnitt  bei  Julvocourt,
mit  der  I2.  R.  D.  bel  Jubeécourt  einschwenken.  Ich  suchte  den  Kommandierenden
  General  v.  Goßler  auf  seinem  Gefechtsstande  bei  Rarécourt  auf
und  fühlte  unter  dem  Windruck  der  bie  dorthin  verirrten  Granaten  den
ganzen  Ernst  des  Tages.  Nördlich  bei  Haroto  nahm  die  Landwehr-Dlvision
  den  ihr  befohlenen  Anschluß,  war  nun  aber  völlig  außerstande,
den  ganzen  Raum  bie  zur  Maas  abzuschließen.  urzerhand  wurde  die
abtive  77.  Infanterie-Brigade  des  V.  R.  R.  vom  Cstufer  über  die  Maas
gezogen.  Alles  kam  darauf  an,  auf  der  weiten  Armeefront  den  tobenden
Rampf  zu  nähren,  und  dazu  bedurfte  es  des  unbedingten  Schutzes
der  einzigen  großen  Straße  östlich  der  Argonnen.  Win  aufgefundener
Befehl  des  Generalissimus  Joffre  kennzeichnete  am  besten  die  Lage:  „Im
Augenblick,  wo  die  Schlacht  um  die  Rettung  des  Vaterlandes  anhebt,  darf
keiner  rückwärts  schauen.  Alle  RKräfte  gehören  dem  Angriff,  der  Zurückwerfung
  des  Feindes.  Die  Truppe,  die  nicht  mehr  vorwärts  bommt,  muß,
boste  es,  was  es  wolle,  den  erstrittenen  Boden  festhalten  und  eber  sterben  als
zurückweichen.  Angesichte  der  Kriegelage  ist  beine  Schwäche  zu  duldenl!“

Dieser  Befehl  bestätigte  den  überall  gewonnenen  Eindruck,  daß  der
Feind  „zur  Rettung  dee  Vaterlandes"“  sich  auf  seiner  ganzen  Front  zu
entschlossenem,  wohlvorberettetem  Gegenangriff  aufgerafft  hatte.  Als  die

71