O. H. L. durch das Mittel der Zenfur dle grobsten Aueschreltungen zu verhüten.
Sie wirkte als Gift statt als Arznei. Ihre Handbhabung war unter Leltung der
Oberzensurstelle des Krlegepresseamte den stellvertretenden Generalkommandos
der Helmat übertragen. Diese übten die Zenfur durch Offlziere aue, denen olelfach
polltische Erfabrung und polltisches Urtell abglngen. Auch wurde die Zenfur
namentlich von der Reglerung nur zu häufig mißbraucht, um Kritik an ihren
Handlungen zu unterdrücken. Und da alle Partelen in dle Lage kamen, oon den
Auffassungen der Reglerung abzuweichen, so entstand in der Presse elne allgemelne
Empörung gegen die mllitärische Beoormundung, welche allmählich
den durch die ersten beiden Kriegesahre beim weitaue überwiegenden Teil der
Presse betätigten guten Willen, die militärische wie die polltische Leitung dee
Relches bel Durchfübrung des Krieges mit allen Mitteln zu unterstützen, lähmte
und verbrauchte. Es kam binzu, daß den militärischen Aufsichtestellen das rechte
Verständnie für das Wesen, die Rechte und Pflichten der Presse fehite.
Hiese Unterschätzung und Verkennung der Presse war schon im Frieden
bel allen Militär- und auch Zlvilbehörden nahezu „guter Ton“ gewesen. Die
gesamte Bureaukratie hatte nach dem Vorbilde des Kaisers In den Angehörigen
der Presse „verkrachte Existenzen“ gesehen. Sle hatte die Presse mit vollem Bewußtsein
„kurz gehalten“, sich ihrer nur ungern und nur im Notfalle bedient —
ohne ihre ungeheure Macht lm Gegenwartsgetriebe zu verstehen oder auch nur
zu erkennen — ohne zu bedenken, daß, wenn man ihr Entgegenkommen in Anspruch
nahm, man sich auch zu Gegenleistungen verpflichtete. Olese falsche Einschätzung
der Presse, wie sie oor dem Krlege sogar bel den deutschen Zloilbehörden
im Schwange gewesen war, ging im Krlege auch auf dle mit lhr befaßten mllitärischen
Dienststellen über. Es war bel solchem Belsplel der Reglerungegewalten
nur selbstoerständlich, daß den Generalstabsofflzier dle Publizistik und ihre
ganze Atmosphäre fremd und unheimllch anmutete. So wehrte auch er sich
instinktiv gegen lhre Macht und lhre Ansprüche und versagte lhr auch die ihr gebübrenden
und durch ihre unverkennbaren Lelstungen und Opfer verdienten
Anerkennungen. Um nur ein Belsplel bervorzubeben: der Regen an Kriegeauezelchnungen
aller Art, den die deutschen Bundesstaaten auf alle irgendwie
am Kriege betelligten Faktoren nledersandten, ließ die Presse so gut wle
gänzlich unbegnadet, während die Entente gerade die Fübrer der gedruckten
öffentlichen Melnung mit Ehren überschüttete.
Es feblte eben den deutschen KReglerungegewalten wle auch den mllitärischen
Olenststellen an dem tleferen Verständnie für das Wesen und dle Kräfte des
modernen Lebens. Sie blleben in den Uberlieferungen und Zdealen einer
längst entschwundenen Zeit befangen.
Keln Wunder, daß slch der öffentilchen Meinung Deutschlandes elne lmmer
tiefere Verstimmung und Gedrücktheit bemächtlgte. Der Glaube, das Vertrauen,
dle durch Hindenburge Berufung und durch bie glückliche und schnelle Beendlgung
des rumänlschen Abenteuers noch einmal einen mächtigen Auftrleb erhalten
hatten, fielen allmählich wieder in die unter dem Versagen Falkenhapne
und dem Schwanken Bethmanne eingerissene Berärgerung und Enutmutlgung
zurück, als der schwere Winter 1916/17 selne elsige Faust auf die deutschen Gauc
legte und die Folgen der Hunger- und Rohstoffblockade sich in steigender Knapp-46