Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

III.  Das  Retablissement  des  preußischen  Staates.  145

liebe,  sondern  zunächst  um  im  Interesse  des  Staates  ihre  Lei—
stungsfähigkeit  zu  steigern,  die  Bauern  geistig  und  sittlich  hob,
um  so  mehr  mußten  sie  ihre  gesellschaftliche  Unterordnung  und
ihre  politische  Rechtlosigkeit  empfinden.  Dahin  mußte  schließlich
  führen,  was  Friedrich  für  die  Hebung  der  Volksschule  that.
Auch  dabei  scheinen  Eindrücke  und  Erfahrungen  mitgewirkt  zu
haben,  die  ihm  im  Gegensatz  zu  den  Zuständen  des  eigenen
Landes  während  des  Aufenthalts  in  Sachsen  zu  teil  geworden
waren,  seit  der  Reformation  dem  klassischen  Lande  der  Schulen
und  der  Schulmeister,  welches  trotz  seines  wirtschaftlichen
Elends  und  der  Entartung  seines  von  dem  Evangelium  abgefallenen
  Fürstenhauses  anf  die  deutsche  Geisteskultur  gerade
im  18.  Jahrhundert  segensreich  einwirkte.  Aus  eigener  Anschanung
  mit  dem  hohen  Stande  der  Volksbildung  in  Sachsen
bekannt  geworden,  scheint  Friedrich  in  der  Haltung  seines  Volkes
während  des  eben  durchgerungenen  Kampfes  Mängel  empfunden
zu  haben,  die  er  dem  Zurückbleiben  auf  diesem  Gebiete  schuld
gab  und  durch  rascheren  Fortschritt  in  demselben  zu  beseitigen
hoffte.  Noch  vor  Unterzeichnung  des  Friedens  benachrichtigte
er  (12.  Februar  1763)  den  Minister  von  Danckelmann,  er  habe
acht  sächsische  Schulhalter  geworben,  mit  deren  Hilfe  er  die
Landschulen  in  den  Marken  und  Hinterpommern  verbessern
wolle,  und  inmitten  der  eiligen  Arbeit  an  dem  Retablissement
des  erschöpften  Staates  fand  er  Zeit  und  Kraft  zur  Ausarbeitung
  des  General-Landschulreglements  vom  12.  August  1763.
Auch  darin  offenbart  sich  der  Wandel,  den  während  des  Krieges
sein  religiöses  Denken  erfahren  hatte,  daß  er  ohne  die  Grundlage
  eines  vernünftigen  sowohl  als  christlichen  Unterrichts,  der
die  Jugend  zur  Gottesfurcht  und  anderen  nützlichen  Dingen
anleitete,  sich  von  der  Sorge  für  das  Wohl  seiner  Länder  und
aller  Stände  Erfolg  nicht  versprechen  zu  können  meinte.  Weil
mur  so  recht  materielles  Gedeihen  zu  hoffen  ist,  will  er  der
„höchst  schädlichen  und  dem  Christentum  unanständigen  Unwissenheit“
  abhelfen,  damit  in  Zukunft  „in  den  Schulen  geschicktere
  und  bessere  Unterthanen“  erzogen  und  gebildet  werden.
So  führte  er  den  Schulzwang  in  dem  erweiterten  Sinne  ein,

daß  Eltern,  Vormünder  und  Herrschaften  bei  Strafe  verpflichtet
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