Aummer 272
dem Voot beträchtliche Beschädigungen zugesügt,
so daß es sast wie ein Wunder zu betrachten ist,
daß „U...“ gläcklich den heimatlichen Hasen
erreichte. Mebrere Tage lang waren schwere
Nordweststürme uber das Meer hergesegt, und
der hohe Seegang hate jede Wafsenverwendung
ausgeschlossen. Beigedreht wiegte sich das lleine
Boot auf dem langen Welle mücen, andauernd
überflutet von den mit elementarer Gewalt niederptasseluden
Wassermassen. Mährend einer
Nacht war der Sturm fast zum Orlan angewachsen,
und als man am anderen Morgen bei Hellwerden
das Boot untersuchte, stellte sich heraus.
daß das vordere Tiesenruder klenimte, mithin die
Tauchfähigkeit des Bootes beträchtlich eingeschränkt
war. Außerdem waren durch den starken
Wellenschlag verschiedene Tauchtanks lechgeschlagen.
Wicht ge Nohrleitungen hatten sich
losgerissen, der Maschinenraum stand halbvoll
Wasser, und durch losgeschlagene Nieten drang
an meheren Stellen Seewasser in das U-Boot
hinein. Immer mehr neiate sich das Boot nach
leiner Backbord= (linken) Scite über. Tiefer san
das Heä, und es entstand die doppelte Gefahr
des Kenterns und Sintens. Dabei tobte immer
noch rundum das entfeiselte Clement im höchiten
Aufruhr, Sturzwelle a Slurzwelle flutete heran,
bäumie sich auf und schüttete ihren Wassersegen
donnernd auf die ichwachen Stahlwände
herunter. Anugestrengtl, mit dem Mute der Verzweiflung
und dem festen Willen, das Leben so
teuer wie mäntich zu verkaufen, der eisernen Emschlossenheit,
lein Mittel unversucht zu lassen,
um das sinlende Boot zu keten, arbeitete jeder
Mann auf seiner Statiom. Es gelang, das Bool
schwimmend zu erhallen 10 dem weiteren Ein
dringen des Wass- 1% Fvorzubeunen. Zum Glick
ließ das Unwettere .liach, doch an eine Ausbesserung
der — „idbt war bier in der hohen
Ozcandünuny: Tenlen. Deshalb entschlost
in der Nähe lie.
genden Zutc! : fahren und dort zu versuhen
das Lont ei nigermaßen sceiuchtig zu machen.
Die Duntiihen mar schuell bereingedrochen, als
man la ngiam den Aulerplatz unitenerice. Immer
noch stand ein Narier Seegang und häufig hrausten
Schure und NRegeiboen vom Westen herau.
Wie eine Erlirung murde cs begrußt, als bei der
Winsalrrt in die itille Rucht sich die Mellen glättelen
und dio schmerl ararierre Boolt nUnn endlich
aus seinen sorleimden Bemegungen zur Nuhe
gelangle. Der licine Anker sanie in die Lese.
und sofori mmde an die Aus besserung. der Schü
den gegungen. Würde das Weri gelingen oder
muhle man sich mit dem Gedanten vertraut
machen, dat e leine Heimichr mehr für das
Boot gab? Ale#r deulsche Zahigleit und das technische
Geschik der Maschinenpertonals trugen
den Sieg davon. lgleich die Nacht ansierordentlich
dunlel war und unausgesett schwere
Höen in die einsume Bucht hineiniagten. gelang
die schmere Arteit. Um dan, unter dem vorderen
Teil des Boriermmupfes festgellemmie Tiefenruder
io#szulosen, multen primitive Häuuner aus
Bootahalen zuit daran befeiligten Trimme
wichten lergesem werden. Abwechseind uurde
durch dufluren de r norderen rder tieferen Tauchtanis
das U ocht in cine soiche schiefe Lage gebrachl,
dal, mon zum Arl eilen an die betreffenden
beschabtien Sliellen de#r# Außenlörper-Bheranirnimen
lennte. Endiich war nad) 22stundiger
harter Arbeil das Werf geian und dus
Bort wieder bheoingl lauchllar, so daß es seinen
kriegerischen Jwecken wieder #u zesuhr! werden
konnte. di Heimsal. in murbe angerreten. doch
der slarke Oelverluft halte den Vorcal an Treiböl
soweit verminderl, dat er Unmöglich erschien,
ohne Er#zun#zung den Heimatohafen u erreichen.
In der Nordsee nallle aber die drahllos herbeigerusene
Hilse, und er gelang bei dem inzwischen
rulhiger gewordenen Wetter, die Oelvorräte aufgestern:
zum Leir.
Elückes zu wecken.
„„Nun, hab' ich nichlt Nechl lehallen, liches
Fraul'n?“" flullerte sie ihr zu. „Hab ich nicht
gesagt, ce ist nichte mit dem Ungluck und mit
bem Autg'extsein- Sichist jetzt unser Herrgott
hatt’ doch niles recht gemachl.“
Lina lonnte ihr nur mit einem Oandedrud
luntworten. Linlte# Dalle indessen beim Vater
die Bille um die Haond seiner Tochter erneuert.
„Wa will ich muchen?“ sugte der Oberforflrat
ernsl. „Nel#men Sie denn mein Kind.“ fuhr
er sort, indem er Linicus Hand in die Karolinens
legle, „versuchen Sic. ihr Leben und Gesundheit
durd; Ihre Liebe wiederzugeben! Gehört
denn einander und rechtserligt die Fügung
des Himmel= dadurch, daß Jür Cuch Fu=#ren
Himmel schon auf Erden schafft!“
Miit den Empsindunzen des reinsten Glückes betrat
die Familie wieder den oberen Schloßhof
und blickte verklarten Auges in die Abendlandschaft
hinnne. Auch der Gumnasiaft hatte sich
eingesunden. Er war auter sich vor Frcude
und holte seinen Matthisson wicder heivor. Jetzt
war das (bedicht lebendig geworden. Vom nahen
Abendlau gelocdt, halle sich sogar das seuher
vermißle Heimchen eingefunden und begann
sein leises Gezirp; auch das Brautpaar,
sich nach langer Trennung wieder gefunden,
feblte nicht, und es hie5 in Wahrheit:
Bün rie treue Hache sorache reichend
4 tand sie da, errbtend und erbleichend;
14 H# was ihr anftes Auge spricht,
Seängen selbst Petrark u. Sappho nicht!“
in:
sich der ##o####n nU. nach der
um vollen Sonnenschein des
1
KRosenheimer Anzelger
zusüllen und dann glücklich in den heimatlichen
Stötpunkt einzulaufen. Aus dem Bericht des
Kommandanten an seine vorgesetzte Behörde
seien kolgende Säte Fervorgehoben: „Dem
mustergültigen Geist und verständnisvollen Mitarbeiten
der tüchtigen Besatzung hat das Boot
seine Rettung zu verdanken. Zähe Ausdauer, fatkräftiger
Wille und die starten Nerven der in
jeder Beziehung auss äußersie angestrengten Of-P
fiziere und X— Ziigten sich jeder Lage
gewachsen. In den vielen kritischen Augenblicken
bewahrte die Besatzung eiserne Ruhe, und ihr
hervorragendes mustergültiges Verhalten hat
in außerordentlichem Moßse dazu beigetragen,
daß das Boot in den Hafen zurücdgebracht werden
lonnte.“
das Auge der Schlacht.
Wer ist das Auge der Schlacht?
Noch nicht lang ist's her, da war es der Feldherr.
König und Her Ahrer mit glänzendem
Stab hielten auf scharrenden Rossen auf der
Höhe, sahen zu ihren Füßen das gewaltige
Schauspiel sich abrollen. Als Feldmarschall
Graf Schliefsen im ersten Jalerzeknt des Jahrhunderts
den moadernen Feldherrn als einen
Rechner und Denker am Kartentisch in irgen deinem,
dem Fener meilenweit entfernten Schloß
stizierte, als ein abgeschieden hausendes Gelirn,
das von tausend Telegraphendrähten und
im Anto heraneilenden Generalstabsoffizieren
gespeist wird, da glaubte man selbst in militärischen
Kreisen lächeln zu dürfen. Und heute? Der
Neldherr ist unsichibar geworden, nur zu feierlichen
Anlässen begeht er die Truppen. Am
Schreibtisch sißt er, statt des Feldstechers, das
Telephon in der Hand, und trotzt dem Anlurm
der aus der Leidenschaftlichkeit des
Kampfes geborenen Meldungen, welche in wechselnder
Gestalt, bald als atemlofer Läufer, bald
als galoppierender Reiter, als flatternde Brieflaule,
als seuerdurchirrender Meldehund, als
Füm aus der Dunkellammer, als Blinkmelie, als
lausender Flieger, als raiternder Motorfahrer,
als elrlerischer Strom durch Drähte und
kurch die freie Lust, ihn, den Mittelpunkt erreichen.
Wer ist das Auge der Schlacht?
Der Infanterist? Ach, ihm ist die Welt ein
Trichter, ein zerhackter Baumstumpf, ein Beet
von zerfetztem Drahtverhau, bevölkert von zueii
Wesen, das ist er selbst und der Tod.
Vielleicht der scharfschütze dort in der Höhenstellung?
Frage in nach dem nächsten Dorf, er
wird antworten, das ist das mit dem abge-=braumen
Sckulhaus. Er weiß nur, daß er in
Flaurern und vor einem schoitischen Regiment
liegi. Aber in dem siebenhundert Meter brei-##en
Streifen, den sein Maschinengewehr zu bestreichen
hat, sieht er jedes Mäuslein laufen.
Der Ariillleriebcobachter, dessen Scherensernrohr
am Rand der UCochgelegenen Stralt emporragt,
er sieht doch die Schlacht? Gewiß. Er
zeigt dir ein graues, dunstiges * mur-A
melt von den Trümmern der Tuchhalle i in Dpern,
deuiet auf cinen meilenfern glitzernden Kiesel
und behauptet, das sei der Zillebeker See.
Fragst du ihn, was unsere Infanterie macht, zuct
er mit den Achseln und brumt etwas von
„Schweinerei; Nauch und Feuer; Leuchtingeln,
Geuehrfeuer?"“ Sist er gaur auf einem hohen
Baum, so hüte bict binaufuuflettern, es lohnt
sich nicht.
Wic groß aber ii erst deine Verblüffung,
wenn du den gelamke#ten Flieger ansprichst, und
von ihm Ofsfenbarungen erwartest. „Enormer
Verlehr im Plauquadtat. 4224 b 2“, schimpft
Säwei iger e die GEplüclichen, nicht zu
itorcn.lmcuctll nchnui sich sorigemacht und
den Weg zum Wallfahrtokirchlein auf dem Peuicroberg
angetreten. Allerlei Bilder äbnlichen
Elüde, wie sie es eben mit angeseßen, lauchten
vor ih auf, und ei nie gelanntes Sehnen hob
ihre Brust.
Sie war nock nicht weit gekommen, als sie
Männerschrilte gegen sich von oben herab kommen
hörte und den alten Förster in voller Jagdrüflung
über den steilen. steinigen Berg etwas
mübsam herniederllimmen sah. Sie rief dem
wohllekamten Mann einen freundlicken Gruß
zu, den er aber nur mit einem unwilligen Murren
c. widende: er zansie dabei an dem grauen
Schnurrbart herum, als ob er dessen Festigkeit
prüsen wolle.
„Der muß heut mit dem linken Fu# aufge—
standen sein.“ sagte Gertl, ihm unier Lachen
nachblickend.
Vald hatte sie den sogenannten Petersflein
erreicht. eine kleine Steinnlatte, von welcher
eine sleile Gelswand in schauerliche Tiefe abstürzt,
welche indes zugleich einen überraschenden Ausblick
in die Gegend gewährt. Auf dem Stein
il der Eindruck eines menschlichen Fußes sichtbar,
und die Sage erzählt, der heilige Petrus sei
auf seinen Wanderungen auch hierher gekommen,
sei still gestanden und Babe aus Freude
über die buheit der Aussicht mit dem Fuße
gestampft, 9 der Eindruck für alle Jeiten
geblieben. Wenn es wahr ist, so hat Sankt Peter
jedenfallo guten Geschmack bewiesen, denn
der Flieger, „meiße Tücher in der Winterstellung
vor Poelkapelle ausgelegt, Engländer L
also nicht wiit vorgekommen, unsere braven Insanteristen
haben mir zugewinlt.“ Natürkich, er
at seinen Gesechlagustrag erfüllt, im übrigen
brauchie er beide Augen, um sich dur die
Flalwolken, die himmlischen Regenwolken und
die feindlichen Jagdflugzeuge durchzuschlängeln.
Dort hinter dem Walde schwankt, von einem
Dutzend Soldatenfäusten gehalten, gleicht der
ausgestopften Haut eines diluvualen Ungetüms,
der Fesselballon. Du lleiterst in den Korb,
schlingst mit befremolichen Gesühlen den Fallsschirm
rings um die Brust, und fährst hoch. Wutende
Anfälle von Seekrantheit werden mutig
unterdrückl. 1000 Meter zeigt der Höhenmes.
ser. Zaghaft lugst du über den Korbrand, Gott
ssei gelobt, die Erde ist noch da. Nun wirf den
Blick wmeit hinaus über das Schlachtfeld. Silberne
Straßen schimmern zwischen Dpern, Meenen,
Asselare und Langemark. Der Troß
zmeier Heere, Kampfwerlzeug und Proviant für
Hunderitaufende kriecht ui#e Ameisenkarawanen
heran. Lokomotiven, winzig wie Kinderspielzeuge,
schnaufen durch das bräunliche Land.
Dein Blick durchbohrt den zarten Dumt, der,
den andrichen Sümpfen entauollen, die
Kampfzone überschleieri. Die Artillerien, das
Werk aus Tausenden von Fabrilen der reichsten
Länder, sind in voller Arbeit. Wie ein
Streußelkuchen schaut die Kamofstätte aus, oder
wie ein Wogenschlag, der sich auf der regnerien
Landstraße mit Kot bespritzt. Du gucklt
dem Engländer in den Kochtopf. Da ein Batterienest,
aus dem Feuerschlangen zucken. Da ein
Lastlraftwagen. Da eine schwarze Kolonne marschierender
Soldaten. Die ganze englische Angrisssarmee
mimeli dir zu Füßen. Wahrlich,
der Fesselballon ist das Auge der Schlacht.
Das Auge aber hat Brauen, buschige finstere
Vrauen, die sich in Gestalt himmlicher Wolken
über deinen Häupicen zusammensieh= #u. Auspas.
sen! schreit der Beobachter. Du hörst ganz dicht
nütendes Gebell von Maschinengewehren und
siehst einen deutschen Flieger, von drei Engländern,
die sich hinter der Wnie angeschlichen haben,
versolgt abstreichen. Der Beobachter zerrt
am Telephon, ruft elwas von „Einkoolen, Fliegergefalr“
hinein und wintt dir heftig zu, dusollst
dich wie er auf den Korbrand setzen. Unter
dir. auf der Erde, geht ein wildes Knattern
los. Die Bedeckungsgewehre feuern auf den ei#-nen
Engländer, der den Ballon, mit Brandgeschossen
spritzend, umkreist. Jenzt schießt auch unser.
Flak mit weißschimmernden Kugeln nach dem
Feind. Mein Beobachter starrt anmf den unheimlichen
Gegner. Sobalo er den Ballon trifft,
leißt es abspringen in die furchtbare Tiefe,
ele die aufflammende Hülle über den Korb zusammenstürzi.
Selunden werden Ewigkeiten. Da
drel#t der Engländer ab, und enteilt zornig mit
einem Schwefelschweif, wie der weöhafüig= böse
Feind.
Jst der Fesselballon wirilich das Auge der
Schlacht? Nein. Er sieht ins Große, doch er
übersicht das Kleine. Ungesehen bleibt das
beldenmürige Häufkein, das zum letzten Male um
den letzten Betonuntersland gegen die wütenden
Auitralier sich schart, ungesehen der lichte Schützenschleier,
der über Trichter und Leichen dem
Bedrohten zu Hilfe springt. Wer ist es dann?
Jeder deutsche Soldat mit zwei offenen Augen
und tapferen Herzens, der seinem Führer
Meldang macht, all die Hunderttausend, die das
mun in den schrecklichen Augenblicken zwischen
Siien und Tod, die bilten das Auge der
t.
—
über die ganze Gegend ist wirklih ein ũbervolles
Mah don Schonheit ausgeschũttet.
Ohne recht zu wissen, was sie tat, ließ sich
Gertl auf den Stein nieder, aber sie sah nicht in
die lodende Landschaft hinaus; sie hatte zu viel
mit den Gedanken zu tun, die immcr lebendiger
und deutlicher in ihrem Innern aufstiegen, als
wärc ein Schleier davon hinweggezogen worden.
Sie verfiel wieder in dasselbe Sinnen, in dem
sies schon vor dem elterlichen Haufe gesessen. Der
Gedanke, wie ihr eigenes Schicksal sich gestalten
werde, drängte sich ihr, wie noch nie, klar und
unadweis siich auf, und Anderl's Erzählung vom
Petersberg fiel ihr ein. Sie war ja nun auf
dem Wege nach dem geheimnisvollen Kirchlein.
Wie, wenn sie diesen Zufall benutzte und das
Oralel, von dem er gesprochen, befragte? Aber
schon im Entstehen unterdrückte sie diesen Gedanken
wieder als ein schweres Unrecht „wenn
der Herrgott wollt', daß wir unsere Zuhunft
wissen,“ dachte sie, „würde el es schon darnach
eingerichtet Baben in der Welt.“
„Nein, ich tu'’s nicht,“ sagte sie nach einer
Weie, sich erl hebend. „Er wird's schon machen
wie's recht ist,“ und berahigt schrirt sie, nachdem
sie sich Stirn, und und Brust bekreuzt, wie
1 eine Versuchung abzuwehren, rüstig den Berg
Einqn.
Bald mar das Kircpein mit seinem müoalten
Säulenportal und dem heinernen Sankt
trus daraber, mit der Kanzel im Freien und
dem schönen grünen Platz um dosselbe, erreicht
und die Bäume, die denselben wie ein Kranz um-Sonntag,
26. November 7912
Ein Gesetz über Mrbellsfkammeen
niie es die Raiserliche Volschaft vom 4Fedrnar
1690 lereits in Aussicht nahm, ist verschiedene
Ur slände megen bis heute noch nicht zustande
gekommen. Dle bisherigen Verhandlungen darüder
halen gezeigt, rab die verbündeten Regietur
gen mit dem Rei chsfag darin einig sind, daß
auch die Wbeiicet wie die technischen und
tan se än nischen Angestellten, eine öffentlich-rechiliche
Vertretung Aketen sollten, gleichwie sie
die übrigen Verufsftände in ilren Vertrekerkammern
haren. Bei den Verhandlungen des banerischen
Landtags 1916 haben Vertreier der
Regicrung ein gesonderze- Vorgehen in Aussicht
gestellt, falls das Reich die Regekung der
Sacke nicht in die Hand nehine.
Der dem Reichstag dann 1908 vorgelegte Gesetzentwurf
scheiterte datan, daß die vom Reichstag
verlangte Einbeziehung der Siaats- und Gemeindearbeiter
in das Geseh, sowie die Wänl-Darkeit
der außerbalb des Gewerbeverhällnisises
slchenden Arbeitelseireläre bei den verbün-„deten
Regierungen eihebliche Beder cn fand.
Eine weitere Vorsage der Regierungen vom 11.
Februar 1910, die einen Teil der früheren Besch#züsse
des Neichstags zwar berücksichtigie, diesem
aber zu eng erschien, und von ihm erweitert
wurde, sand deshalb neuerdings Ablehnung.
Seit 1912 gestellie F#tiativanträge der Par
teien blieben bis jetzt unerledigt.
In den letzten Monalen nun haben im Reichstag
zwischen Veriretern der Parteien untereinander
und der Reichsleilung Besprechungen über
die Wiedereinbringung einer Vorlage über Arbeitslammern
startgesunden, die zu einer gewissen
Verständigung gesihrt haben. Die Bedenken,
die seinerzeit gegen die Wählbarteit von Ge-Lerischnite-
und Arbeilerselretären als Vertreter
der Arbeiter in den Abeitslammern geltend gemackt
wurden, sind fallen gelassen. Dank der
opferwüligen Mitarbei der Arbeiterschaft in
diesem Kriege ist die Steilung der verbündeien
Regierungen zu den gewerlschaftlichen Organisationen
eine andere. entgegenkommendere geworden.
Auck der Widerstand von anderer Seite
bar eine Sckwächung ersahren. Dazu lommt,
dat inzwischen in dem Gesen über den vaterläudischen
Hüfsdienst vom 5. Dezember 1916 eine
Reihe von Forderungen erfüllt sind, die seinerzeit
durch das Arbeitslammergesetz erledigt werden
wollten. Wie aus den Verhandlungen des
Kongresses der christlih-nationalen Arbei#er
schaft und Angeslellien Ende Oktober 1917 zu
Berlin hervorgeht, legen diese Kreise großen
Wert auf die Erhaltung und Uebertragung der
Schutbbesiimmung des Hilssdienstgesetzes auf
aile Arbeiier und Angsstellien. Es kommen hier
besonders in Frage die Arbeiter= und Angestelllenausschüsse,
sowe die Schlichiungsstellen
mit dem Rechi, Anträge und Beschwerden aus
dem Lohn- und Arbeitsverhälinis zur Kenntnis
der Unternehmer zu bringen bzw. unier dem
Vorsitz eines Unparteischen darüber zu entscheiden.
Der neue Staalsselielãr für Sozialpolitik, Dr.
Sckwander, hat auf dem Kongreß zu erlennen
gegeben, dat er geneigt isl, nach dieser Richtung
hin tärig zu sein und hat erklärt: „Wir prüfen
heute ernsliich, wie es möglich sein wird, das
Arbeiterrechi jrei von umötigen Hemmungen
auraugestalten, dem Arbeiter und dem Angestellten
die Mitwirkung und Vertretung im Staatsleben
zulommen zu lassen; aber nicht nur für die
Kriegszeit, sondern auch für den tommenden
Wiedreraufbau und die Fortsetzung der Friedensarbeit.“
Gemäk den worausgegangenen
Verhandlungen unter den Parteien im Reichstag
und den Aeußerungen des Staaissekretärs ist
zu erwarten, berei##s in der nächsten ordent-
gaben, schie ienen n der stälen n Besucherin ihre Grü.
ste entgegen zu rauschen.
Ihr Geschäft war bah verrichtet. Der Propit,
der zugleich Pfarrer, Nesner und Lehrer für
die wenigen Kinder der Berghöhe ist, der aber
auch gern dem durstigen Wanderer von seinen
für sich eingelegten Voräten spendet, begleitete
sie bis unter die Türe und sah, um von der untergehenden
Sonne nickt geblendet zu werden,
mit der Hand über den Augen dem dahinschreitenden
Mädchen nach.
Gertl kam an der nich vorüber. In derselben
war es schon tief dammerig; das Licht der
Ampel war bereits lichtbar, sie aber wandte die
Augen ab, denn es kam ihr vor, als ob der
heilige Petrus über der Türe sich bewege und
ihr zunicke. Rascher vollte sie auf dem Bergweg
hinunter, aber sie sollte degu t vorbeikommen;
denn die Stimme des Propstes flog ihr
nach und hielt sie fest.
„Wie, Gertl, wirft doch als eine gute Christin
nicht an der Kirch vorbeigehen?"“ rief er.
„Sonst wohl dem heiligen Petrus eine „Gute
Nacht- sagen er il ein gar guter Schuhparon
Gertl erschrak, daß ihr beinah' die Knice bran.
Nun waren alse guten Vorsätze vergeblich.
Sie fand keinen Grund, die fromme Aufforderung
des Geistlichen # und sie wandte
sich daher gegen die —t während der Propft.
beseiedin in seine Behasung zurückkehrte.
Ehrsurchtgebietender Schauer wallt: ihr aus
der rötlichen Dämmemg des Kirchleins entge--
gen. (Fortsehung kolgt.)