Full text : Zwischen Krieg und Frieden. Band 11. Das Deutsche Elend in London. (11)

Dieser  Bericht  beweist  zunaͤchst,  daß  die  Behauptung
der  Gattin  eines  englischen  Arztes  unwahr  ist,  daß  es  sich
bei  den  Verhaftungen  von  Deutschen  „nur“  um  Kellner,
Barbiere  und  andere  Mitglieder  unterer  Berufsstaͤnde  han—
dele;  als  ob  es  eines  Deutschen  würdig  wäre,  auch  die  Angehörigen
  niederer  Berufsstände  mißhandeln  zu  lassen  durch
ein  fremdes  Volk.

In  den  Konzentrationslagern  sitzen  gebildete  Deutsche
und  ungebildete  zusammen.  Ich  selbst  habe  einige  Bekannte
in  der  britischen  Gefangenschaft,  die  weiter  keine  Schuld
haben,  als  daß  sie  Angehörige  des  Deutschen  Reiches  sind.

Der  „Lokal-Anzeiger“  verbffentlicht  die  Erzählung  von
Frau  Berta  U.,  einer  langjährigen  Lehrerin,  die  soeben  aus
London  zurückgekehrt  ist.  Ich  gebe  diesen  Bericht  hier  ebenfalls
  wörtlich  wieder:

„Soeben  dem  englischen  Boden  entronnen,  treffe  ich
hier  in  einer  der  Berliner  Hauptstraßen  noch  lustig  umherspazierende
  Engländer  und  Franzosen.  Es  fällt  mir  sofort
die  ungenierte  Art  und  Weise  auf,  wie  diese  Herrschaften  sich
hier  noch  breit  zu  machen  belieben,  ohne  daß  die  Behörde  oder
das  Publikum  irgendwie  dagegen  einschreitet.  Wie  werden
da  hingegen  unsere  Landsleute  im  Herzen  des  englischen
Landes  behandelt?  Machtige  Plakate  sind  dort  fast  in
allen  Hauptstraßen  angebracht,  des  Inhalts:  „Bitte,  nicht
Deutsch  zu  sprechen!“  Wie  sehr  man  sich  diese  Warnung
im  eigenen  Interesse  zu  Herzen  nehmen  sollte,  zeigt  die  Tatsache,
  daß  vor  einigen  Tagen  ein  englischer  Soldat  auf
offener  Straße  einem  deutschen  Herrn,  der  durch  harmlose
Tußerungen  seine  Nationalitt  verraten  hat,  in  das  Gesicht
spie  und  ruhig  seinen  Weg  weiterspazierte.  In  vielen  eng-10