I. Die Märztage 1848. 239
lands in dem von frischem politischen Leben erfüllten Süden
nachdrücklich aufgenommen. Im Mittelpunkt stand der Gedanke
eines deutschen Parlaments. Daß da ohne Preußen
nichts gelingen konnte, war klar. Konnte dieses aber erfolgreich
mitwirken, solange es selbst einer Konstitution entbehrte?
Daß er von einer solchen nichts wissen wollte, hatte der König
dem Vereinigten Landtage gegenüber unzweidentig zu erkennen
gegeben. Vielleicht aber konnte er der aller Denken erfüllenden
deutschen Frage eine Wendung geben, welche die Leitung der
Bewegung an die Regierungen brachte und durch schnelle Befriedigung
der dringendsten Forderungen die weitergehenden
beschwichtigte und so wirklich prinzipielle Zugeständnisse abwandte.
Ein solcher Erfolg konnte auch auf die Entwickelung
Preußens günstig einwirken, indem er des Königs Autorität
dem eigenen Volke gegenüber steigerte. Hierin wurzelte Radowitz'
Programm. Danach sollte der König, was er durch das Mißlingen
seiner Pläne in Preußen verloren hatte, in und durch
Deutschland wieder gewinnen. Denn mehr als ein anderer
Regent bedürfe er des Vertrauens, der Sympathie, ja der
Begeisterung seines Volkes. Sie zu gewinnen, müsse er sich
mit dem besseren Geiste der Nation verbinden und sich zum
Vorkämpfer ihrer teuersten Güter und Wünsche aufwerfen.
Es sollte also die beim preußischen Volke erzeugte Verstimmung
wett gemacht werden durch bei dem deutschen erweckte Begeisterung.
Als ob diese denselben Idealen gegolten hätte wie
die des Königs! Es galt, das Volk mit sich fortzureißen,
damit es nicht den von ihm gewollten, sondern den vom König
vorgeschriebenen Weg gehe!
In einer „Denkschrift über die vom Deutschen Bunde zu
ergreifenden Maßregeln“ legte Radowitz die Einzelheiten dieses
gewagten Planes am 20. November 1847 dem König vor.
Eine Fülle der Gaben schüttete der phantasiereiche Mann dem
deutschen Volke in den Schoß — ein Bundesgericht, gemeinschaftliches
Straf-, Handels-, Wechsel= und Heimatrecht, Frei-