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politische Begriffe zu pflanzen, fühlt er nicht in sich. Von Fall zu Fall
verwertet er die Kräfte der Hartei nach bestem Wissen und sorgt mit fast
mütterlicher Zeflissenheit für die Erhaltung der Einheit. Unerschöpflich
ist er im Auffinden von Gründen, warum eine auftauchende Streitfrage
nicht parteispaltend sein könne. Er ist es, der das Susammenbleiben
von Bebel und Bernstein ermöglicht hat. Diese seine vereinigende, parteierhaltende
Tätigkeit ist an sich keine kleine Leistung, zu ihr gehört wirk.
liche Dirtuosität in der Behandlung von Hersonen und Gedanken, innige
Mischung von baperischer Biederkeit und Berliner Diplomatie, aber es
fragt sich, ob diese Einheitserhaltung nicht das gehindert hat, was Auer
sonst leisten konnte: die Führung zur neudeutschen Demokratie.
Das nämlich ist es, was sich in allem Widerstreit der Meinungen
immer sichtbarer meldet: an Stelle der alten revolutiondren Holitik ist
ein neuer politischer Gedankengang nötig, dessen Ausgangspunkt die
Frage ist: Wie gewinnt die lohnarbeitende Masse Einfluß innerhalb
des vorhandenen Staates, den sie zu stürzen zu schwach
ist, in dem sie aber täglich an Bedeutung zunimmt? Der bisberige
Sustand ist, daß die Masse an Macht zunahm, indem sie den
Staat mit dem Untergang bedrohte. Dieser Weg ist nur solange gangbar,
als von beiden Seiten an die Möglichkeit des Umsturzes geglaubt
wird. Fällt dieser Glaube in sich zusammen, so ist es nötig, daß die
Masse einen Dlan aufnimmt, wie sie ohne Erweckung revolutionärer
Angst im Staat genug Macht erlangen kann, um die Gesetzgebung und
Derwaltung zu ihren Gunsten zu wenden.
Mit anderen Worten: Das alte sozialdemokratische Jdeal einer
Dernichtung der bürgerlichen Gesellschaft verschiebt sich in das neue,
kleinere, aber dafür aussichtsreichere Jdeal, innerhalb dieser Gesellschaft
ein Machtfaktor von steigender Wirksamkeit zu werden. In Weirklichkeit
ist dieses neue Jdeal längst an Stelle des alten getreten, nur fehlt bisher
die Anerkennung der vollzogenen Derschiebung. Das neue Ideal heißt
berstellung einer Periode, in der Deutschland von links her von
demokratischer Seite regiert wird. Nicht der ganze Kapitalismus,
nicht die bürgerliche Gesellschaft soll gestürzt, aber der politische Einfluß
der konservativ-klerikalen Majorität im Staat soll gebrochen werden.