Metadaten : Der Weltkrieg. I. Band. (1)

Der  Ausbruch  des  Weltkrieges

Die.  Stellungnahme  der  deutschen  Regierung  zu  den
Ereignissen  war  durch  die  bisherige  Politik  vorgezeichnet.
Wir  hatten  uns  auf  die  Gefahr,  in  einen  Krieg  hineingezogen
zu  werden,  in  der  bosnischen  Krisis  und  während  des  Balkankriegs
  aus  Anlaß  der  südslawischen  Bedrohung  für
alle  Welt  sichtbar  auf  die  Seite  der  Donaumonarchie  gestellt
  und  wohl  gerade  durch  diese  unsere  unzweideutige
Haltung  am  meisten  zur  Vermeidung  des  Krieges  beigetragen.
  Niemand  konnte  erwarten,  daß  dieses  Mal  unsere
Haltung  eine  andere  sein  würde.  Wohl  war  gerade  in  den
vorausgegangenen  Monaten  von  Rußland  her  auf  privatem
Wege  die  Andeutung  gemacht  worden:  „Si  vous  pouviez
vous  decider  Alächerles  Autrichiens,  nous  pourrions  lächer  la
France  ;‘“  —  aber,  ganz  abgesehen  von  der  Ungeheuerlichkeit
  des  uns  damit  angesonnenen  Treubruchs:  die  Überzeugung
  von  der  Lebenswichtigkeit  des  Bündnisses  mit
der  Donaumonarchie  und  von  der  Notwendigkeit  der  Erhaltung
  eines  starken  Österreich-Ungarn  war  bei  uns  in
den  maßgebenden  Kreisen  wie  in  dem  gesamten  Volksbewußtsein
  so  unbedingt  fest,  daß  es  ein  Schwanken  über
den  jetzt  einzuschlagenden  Weg  überhaupt  nicht  gab.  Die
Antwort,  die  Österreich-Ungarn  auf  seine  Anfrage  von
Deutschland  erhielt,  ergibt  sich  aus  folgenden  Worten  des
später  von  der  deutschen  Regierung  über  den  Kriegsausbruch
  veröffentlichten  Weißbuchs:  ‚Aus  vollem  Herzen
konnten  wir  unserm  Bundesgenossen  unser  Einverständnis
mit  seiner  Einschätzung  der  Sachlage  geben  und  ihm

172