beschlossene Sache war und daß die Ermordung des
österreichischen Thronfolgerpaares nur deswegen einen
günstigen Vorwand gegeben hatte, weil sich auch
Frankreich und England in diesen an und für sich
gewiß nur lokalen Konflikt zwischen Österreich und
Serbien durch Rußland haben hineinziehen lassen.
(Dr. Boghitschewitsch, Seite 80/81.
Auch in England hielt man sich freilich, genau wie in Deutsch-
land, zunächst zurück, wenn auch aus dem sehr bezeichnenden Grunde,
daß man in englischen Regierungskreisen fürchtete, die Untersuchung
der Mordtat von Serajewo könne eine befreundete oder verbündete
Macht bloßstellen, so daß Sir Edward Grey infolgedessen erst ein-
mal abwartete, was dabei „herauskam“. In Frankreich dagegen
wahrte man nicht die Zurückhaltung, die man in England wenigstens
vorläufig für angebracht hielt. Während Deutschland in der Folge
alle Anstenungen an das Ziel setzte, den serbisch-österreichischen
Konflikt zu lokalisieren, wurde in Frankreich von Anfang an
die Absicht deutlich, den österreichisch-serbischen Gegensatz zu
einem österreich-russischen und damit deutsch-russischen aus-
wachsen zu lassen. Poincaré wollte, daß Zustände entstanden, die
den französisch-russischen Bündnisfall auslösten. Dr. M. Boghit-
schewitsch wirft die entscheidende Frage auf:
Wenn es geschichtlich festgestellt sein wird, daß die
Gefahr der Bedrohung des europäischen Friedens an
erster Stelle von Rußland kam, werden sich die Regie-
rungen Frankreichs und Englands von der Schuld frei-
machen können, daß sie den Herd der Gefahr nicht recht-
zeitig erkannt und nicht Genügendes unternommen
haben, um ihn zu isolieren? Wäre es in diesem Falle
nicht das einzige Mittel zur Beseitigung dieser Ge-
fahr gewesen, da alle diejenigen Staaten, England an
der Spitze, die den Frieden erhalten wissen wollten,
auf Demobilisierung Rußlands dringen mußten?
(Dr. Boghitschewitsch, Seite 90.)
Sie haben das nicht getan. Im Gegenteil, sie haben auf
Mobilisierung gedrängt, Sie haben das in der Form getan, daß
sie Rußland ihre Waffenhilfe in Aussicht stellten. Die deutsche
Regierung hat in den Tagen, in denen die Kriegsgefahr wuchs,
nicht gezögert, Wien mit großem Nachdruck zu verwarnen, und ist
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