Metadata : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Erster Band. (1)

136  Der  Feldzug  im  Westen  bis  zum  15.  September  1914

Die  allgemeine  Lage  am  22.  August

Schon  damals  war  der  englisch-französischen  Heeresleitung  die  Gesetzestafel
  entglitten,  in  die  die  Deutschen  alsbald  ihre  ehernen  Zeichen  gruben.
Aber  troßdem  waren  den  Verbandsheeren  mittelbare  Erfolge  zugefallen,
die  teils  von  ihnen  selbst  herbeigeführt,  teils  vom  Gegner  verschenkt  worden
waren  und  die  Lage  der  Franzosen  erleichterten.  Am  21.  August  trat  die
erste  Ablenkung  deutscher  Streitkräfte  nach  Osten  hervor  und  schwächte  die
Stoßarmeen  des  rechten  Flügels,  da  sie  diesen  in  Gestalt  des  XI.  Armeckorps
  der  1.  Armee  und  des  Gardereservekorps  der  2.  Armee  sowie  einer
sächsischen  Kavalleriedivision  enknommen  worden  sind.

Generalmasor  Ludendorff  erhielt  den  Befehl,  sich  als  Stabsleicer  des
neuernannten  Oberbefehlshabers  der  Ostarmee,  General  v.  Hindenburg,  nach
Marienburg  zu  begeben.  Er  brachte  diesem  diese  frischen  Kräfte.  Sie  fehlten
fortan  im  Westen.  Ferner  wurden  zur  Beobachtung  der  belgischen  Armce
das  III.  und  IX.  Reservekorps  vor  Antwerpen  versammelt  und  dort  fest.
gehalten.  Die  deutschen  Stoßarmeen  waren  daher  vom  22.  August  an  beträchtlich
  schwächer,  als  man  im  ursprünglichen  Feldzugsentwurf  vorgesehen
batte.  Aber  der  deutsche  Vormarsch  erlitt  troh  dem  Herumwerfen  skärkerer
Kräfte  nach  Ossen  zunächst  keine  Stockung,  und  om  22.  August  entbrannte
aus  dem  Zusammenprall  der  fünf  deutschen  mit  den  vier  englisch-französischen
Nordarmeen  die  erste  große  Schlachtenfolge  zwischen  Sambre  und  Maas.
Sie  vermischte  ihre  Donner  alsbald  mit  denen  der  Belagerung  von  Namur
und  den  schon  seit  zwei  Tagen  tobenden  Kämpfen  in  der  Saarburger  Lücke
und  am  Donon.

Um  dieselbe  Zeit  rüstete  die  1.  Armee  des  Großfürsten  Nikolai  Nikolafewitsch
  zur  Belagerung  von  Königsberg,  während  seine  2.  Armee  drohend
gegen  die  preußische  Weichsellinie  vorrückte.

Das  österreichisch-ungarische  Heer  kämpfte  damals  mit  geringeren
Kräften  an  der  ODrina  gegen  die  Serben  und  begann  sich  mit  der  Hauptmacht
  über  den  San  und  den  Dujestr  in  Bewegung  zu  sehen,  um  den  Aufmarsch
  der  russischen  bermacht  durch  rücksichtsloses  Eindringen  in  die
Sammlungsräume  zwischen  Weichsel  und  Bug  zu  stören.

Inzwischen  hatten  die  englisch  französischen  Sereicträfte  ihren  Aufmarsch
  an  Sambre  und  Maas  vollendet.  Zu  äußerst  links  harte  die  englische
Armee  in  ihrem  Versammlungsraum  Maubeuge  Stellung  genommen.  Sie
batte  sich  verspätet.  Statt  am  16.  August  bei  Namur  zu  steben,  war  sie
kaum  imstande  gewesen,  sich  am  21.  August  vor  Maubeuge  zum  Vormarsch
zu  ordnen.  Zwischen  ihr  und  der  5.  französischen  Armee  bestand  von  Anfang
  an  nur  unvollkommene  WVerbindung,  so  daß  Frenchs  rechter  Flügel
ins  Leere  hing.  In  seiner  linken  Flanke  vermutete  der  englische  GFeldberr