I. Der Bankerott des Fridericianischen Staates. 337
land geworbene deutsche Truppen, ja bewaffnete Emigrantenhaufen,
um unter dem Erbstatthalter der Niederlande, Friedrich
Wilhelms II. Schwager, einen Handstreich gegen die batavische
Republik zu unternehmen. Auf Frankreichs Beschwerde
erhob Preußen in London und Hannover dagegen Vorstellungen,
worauf von dort im allgemeinen das Einverständnis mit den
Baseler Abmachungen erklärt wurde. Aber es bedurfte erneuter
Mahnungen, ja selbst Drohungen in London, um Anfang Oktober
die ausdrückliche Erklärung der Neutralität Hannovers
zu erwirken.
Diese war also eben erfolgt, als die Demarkationslinie
durch Preußens Verzicht auf ihren wichtigsten Teil (S. 336)
überhaupt hinfällig wurde. Würden die Franzosen die im übrigen
aufgehobene Vereinbarung, wie Preußen wollte, nun gerade
in Westfalen weiter gelten lassen und darauf verzichten, England
an der verwundbarsten Stelle zu treffen? Vielmehr dachte
man in Paris Hannover als Unterpfand für die von England
eroberten französischen Kolonien in Besitz zu nehmen. Um die
Neutralität Norddeutschlands und damit den letzten positiven
Gewinn aus dem Baseler Frieden war es dann geschehen. Das
trieb selbst das vor lauter Friedfertigkeit überall zurückweichende
preußische Kabinett endlich einmal zu entschlossenem Handeln.
Es ließ in Paris keinen Zweifel darüber, daß es einen Angriff
auf Hannover als Kriegsfall ansehen werde, und trat auch
gegenüber den nächst interessierten deutschen Staaten aus der
Reserve, die es seit seiner Niederlage in Regensburg (S. Z34)
beobachtet hatte. So sehr aber hatte es im Reiche an
Boden verloren, daß es die nun wünschenswerte nähere Verbindung
mit jenen nicht in der Form einer vom Reiche unabhängigen
Union nach der Art des Fürstenbundes suchte, sondern
durch eine verspätete Wiederbelebung der Kreisverfassung.
Während es mit Frankreich über die. neue Demarkationslinie
verhandelte, lud Preußen die Stände des niedersächsischen
Kreises ein, mit ihm zum Schutze ihrer Neutralität militärische
Vorkehrungen zu treffen. Sachsen lehnte ab. Andere, obenan
Kurköln, begründeten den gleichen Bescheid mit den üblen Erfahrungen,
die sie früher mit Preußen gemacht hätten. Da
Prutz, Preußische Geschichte. III. 22