Metadata : Kriegs-Gesetze – Verordnungen und Bekanntmachungen Heft 4 (4)

70  Erörterungen  über  den  norddeutschen  Bündnisentwurf.

graphiert.  Für  den  Frieden  haben  wir  die  Vorschläge  nicht  genügend  erklärt;  der  König
verlangt  bedeutende  direkte  Annexion  in  Norddeutschland,  welche  in  den  Propositionen
nicht  erwähnt,  aber  auch  nicht  ausgeschlossen.  Wir  können  Annahme  als  Grundlage  für
Waffenstillstand  nicht  direkt  ablehnen,  ohne  bei  unserer  vorgerückten  Stellung  den  Verdacht
  über  Ausdehnung  unserer  letzten  Ziele  zu  bestärken  und  Napoleon  dadurch  nach
Österreich  hinüber  zu  drängen.  Wenn  Italien  den  Moment  für  Waffenstillstand  nicht  gekommen
  glaubt  und  nein  sagt,  so  halten  wir  fest  am  Vertrage,  ohne  seine  Zustimmung  auch
nicht  Waffenstillstand  zu  schließen;  Frieden  ohne  das  stipulierte  Äquivalent  für  Venetien
lehnen  wir  überhaupt  ab.  Ist  denn  die  Flotte  in  Action?  Darin  liegt  Maßstab  für  unser
Vertrauen  auf  Italiens    Entschlossenheit.¹ ²
Aus  dem  Leben  Th.  v.  Berndardis,  VII,  201  f.

*489.  Erlaß  an  den  Stellvertreter  des  Ministers
der  auswärtigen  Angelegenheiten  Freiherrn  von  Werther.
(Ausfertigung.)

Auf  die  an  insgesamt  neunzehn  norddeutsche  Staaten  gerichteten  identischen  preußischen
Noten  vom  16.  Juni  12  Nr.  408,  Anlage),  die  zum  Eintritt  in  ein  Bündnis  auf  der  Grundlage
des  preußischen  Reformentwurfs  vom  10.  Juni  aufforderten,  hatten  nur  Sachsen-Meiningen  und
Reuß  ältere  Linie  ablehnend  geantwortet;  von  allen  übrigen  Regierungen  waren  bis  um
15.  Juli  wenigstens  grundsätzliche  Zustimmungen  engetroffen.  Seinerseits  hatte  Bismarck
bereits  am  29.  Juni  dem  Finanzminister  Freiherrn  v.  d.  Heydt  den  Entwurf  zu  einem  Bündnisvertrage
  zur  Prüfung  im  Staatsministerium  übergeben  (vgl.  Nr.  444),  der  sich  eng  an  den
Bundesreformplan  vom  10.  Juni  anschloß.  Mitte  Juli  regte  Bismarck  von  neuem  die  Durchberatung
  des  Entwurfs  bei  Freiherrn  von  Werther  an.  Dieser  schlug  nun  in  einem  Schreiben
an  Bismarck  vom  17.  Juli  die  Streichung  des  durch  die  seitherigen  Ereignisse  hinfällig  gewordenen
  Artikels  8  des  Reformplans  vor,  der  allen  deutschen  Staaten  mit  Ausnahme  Österreichs
  den  Zutritt  offen  ließ.  Weiter  fragte  er  an,  ob  nach  der  Durchberatung  des  Entwurfs
im  Staatsministerium  dessen  Mitteilung  an  die  verbündeten  Regierungen  etwa  mit  der  Aufforderung
  erfolgen  dürfe,  daß  der  Abschluß  des  Bündnisses  durch  ihre  Vertreter  in  Berlin
oder  sonstige  Bevollmächtigte  bewerkstelligt  werden  möge.

Hauptquartier  Nikolsburg,  den  20.  Juli  1866.

In  Erwiderung  auf  das  gefällige  Schreiben  vom  17.  d.  M.,  die  Erörterung  des
Bündnisentwurfs  betreffend,  beehre  ich  mich,  Ew.  Exzellenz  mein  völliges  Einverständnis
mit  dem  Wegfall  des  Artikels  8.  auszusprechen.

Daß  nach  der  Durchberatung  im  Königlichen  Staatsministerium  der  Abschluß  des
Bündnisses  durch  die  Bevollmächtigten  der  Regierungen  in  Berlin  geschehe,  erscheint
ebenfalls  unbedenklich.  Ich  ersuche  Ew.  Exzellenz  nur  ergebenst,  mir  vor  einer  Eröffnung
an  die  Regierungen  das  Ergebnis  der  Beratung  im  Staatsministerium  gefälligst  mitzuteilen.


An  die  Zivilkommissare  in  den  okkupierten  Staaten  von  Norddeutschland  und  den
Oberpräsidenten  von  Scheel-Plessen  wird  zunächst  nur  die  Instruktion  zu  erteilen  sein,  mit
den  Vorbereitungen,  wie  der  Einteilung  in  Wahlkreise  usw.,  nach  Mahßgabe  des  Reichswahlgesetzes
  schleunigst  vorzugehen.

1  Die  beiden  letzten  Sätze  eigenhändiger  Zusatz  Bismarcks.            
2  Am 20. ließ Bismarck noch einweiteres Telegramm an Usdeom gehen :  "Auf baldiges Erscheinen der italienischen Armee an irgend welchem Punkt der Donau wird unserseits der größte Wert gelegt ,
ohne  durch Bezeichnung   eines bestimmten  Punkts  den  Operationen  des   Generals  Cialdini  vorzugreifen.    Wien  scheint 

das natürliche   Objekt...  Die Hauptsache  bleibt die Expedition der  italienische  Flotte  eben  damals  eine  Landung  in  Lissa,  wurde  aber  am
20.  von   der kleineren  österreichischen    Flotte,  unter   Tegethoff  geschlagen  und musste  nach  Ancona  zurück.