Das Jahr 1848. 185
„Man glaubt durch Aufstellung der Wahl der Landwehr die wahre
Holkstümlichkeit aufzudrücken. Dolkstümlich wird eine Truppe nur dann
sein, Sympathien wird sie sich nur dann erwerben, wenn die Nation
siellt, daß ihre wehrpflichtigen Söhne menschlich und gerecht während
ihrer Dienstzeit behandelt und billige Rücksichten auf die außerdienstlichen
Verhältnisse der Wehrpflichtigen genommen werden, dann aber,
wenn sie imstande und vollkommen vorbereitet sind, in Krieg und Frieden
ihre Schuldigkeit zu thun, sobald das aterland ihrer bedarf.
„Dazu sind aber tüchtige Führer nötig, und es liegt nun einmal im
Menschen, daß er sich bereitwilliger den ihm gegebenen als selbst von
ihm gewählten Dorgesetzten unterwirft.
„Bei jeder Wahl ist die kinorität verletzt und in allen das Gefühl
angeregt, ebensogut als der Gewählte zu der Stelle gelangen zu können.
Hierin liegt die Gefahr der Indisziplin, weil hierin der Keim zur Unzufriedenheit
liegt. Wie muß sich diese Gefahr aber steigern, wenn sich
in der Draxis die Unfähigkeit der Erwählten ergiebt und die Wähler
auf sehr einfache Weise zu dem folgerichtigen Schluß geführt werden,
den Erwählten durch eigenen Beschluß auch wieder entfernen zu können.
„Daß dergleichen Gelüste zur völligen Auflösung einer Truppe
führen können, ist unwiderlegbar, denn kein Vorgesetzter wäre seiner
Stelle auch nur eine Stunde sicher. Wie soll unter solchen Umständen
Ansehen und Einfluß auf der einen, williger Gehorsam und Unterordnung
auf der andern Seite möglich werdend
„Wir brauchen wohl nicht erst darauf aufmerksam zu machen, wie
notwendig für die Cffiziere einer Armee ein höberer Bildungsgrad ist,
aus welchem sich die richtige Auffassung des Kriegerstandes und seiner
Dflichten von selbst entwickelt, wie gerade aus dieser der wahre militärische
Geist und die soldatische Gesinnung entspringt, welche sich nach
und nach dem Stande der Unteroffiziere mitteilt und durch diese wiederum
der Masse des Heeres; denn das weiß jeder zu würdigen, der jemals
mit Truppen in Derbindung gestanden hat. Darum eben ist die Gefahr
groß, wenn man Einrichtungen empfiehlt, welche zunächst dahin führen,
die Ansprüche an den Offizierstand von ihrer Böhe herabzustimmen.
„IV. Die Berufspflichten des Offizierstandes sind schwere und nur
dann vorwurfsfrei und mit Erfolg zu erfüllen, wenn man diesen Stand
mit Vorliebe ergriffen hat oder von früh an dafür erzogen wurde. Es
ist daher von der höchsten Wichtigkeit, daß Anstalten bestellen, aus denen
Offizierkandidaten hervorgeben können, die von Kindheit auf an strenge
Sucht, Ordnung, Entbel#rungen und Gehorsam gewöhnt werden, als die-