— 113 —
Preußens und die vom Wald entblößten ebenda; welch reizvolles
Bild dort, welch trostlose Leere und Landweiligkeit hier!
Nicht jedes Dorf kann von Natur eine durch Berg und Tal
gdegebene romantische Lage haben, sich in einem Berge oder Hügel
einen für das Auge wohltuenden Hintergrund schaffen: wohl aber
könnte sich jedes Dorf mit einem kleinen oder größeren Walde ein
reizvolles, anziehendes Gepräge verleihen, das die Liebe zur
Heimat verstärkt, die Frende an dem engen Heimatkreise erhöht,
das Wohngesühl im hesmatlichen Sinne beeinflußt, das dann auch
in der Vorstellung des Fortwandernden ein trauliches, reizvolles
Heimatbild hinterläßt, an dem sich das für unsere Zeit so wertvolle
echte Heimweh entspinnt.
Wenn nun auch seit dem 11. Jahrhundert keine große Aenderung
im Waldbestande Dentschlands mehr eingetreten ist und
wir uns gegenwärtig nicht in einer forstlich schlechteren Zeit befinden
als vor 100 und mehr Jahren, so kann man trotzdem von
einer ernsten Gesährdung unseres Waldes und schweren Mißständen
auf forstlichem Gebiete in mehr als einer Beziehung reden.
Einerseits werden noch täglich ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl
aroße Waldslächen augenblicklichen Vorteils halber abgeholzt,
andererseits fügt eine unsachgemäße Waldpflege, namentlich der
bäuerlichen Besitzer, dem Walde ständig unberechenbaren Schaden
an. Als ein Mißstand muß es ferner bezeichnet werden, wenn
noch hundertansende von Hektaren aufforstungsfähiges Oedland
in Deutschland brach liegen. Endlich haben fich in den Nutzungsverhältnissen
des Waldes teils infolge der allgemeinen wirtschaftlichen
Entwickelung, teils aus technischen Gründen Verschiebungen
vollzogen, die wir von unserem Standpunkte und im Interesse des
Vollswohls aufs tiefste beklagen.
Am schonungslosesten als Waldverwüster wirken natürlich die
Gäterschlächter. Wo hente große Güter mit Waldbeständen in ihre
Hände fallen, da hören wir auch zugleich die Säge und Art im
Walde. Er wird bis auf den letzten Baum zermalmt und deckt mit
seinem Erlös allein den Ankauf des Gutes, sodaß die Parzellenpreise
für die Kulturländercien für den Güterschlächter zum reinen
Gewinn werden. Ein Stück Oedland bleibt in gähnender Leere
zurück, ein Schmuck und Schutz der Landschaft ist wieder verschwnnden.
Auch große Banken beteilien sich ost an dieser verwerflichen
Vernichtung des Wald
Noch betriibender ist es, wenn alteingesessene Grundherren
in gleicher Weise verfahren, wie das leider immer noch hier und
da zu beklagen ist. Dagegen suchen die großen staatlichen und
staatlich unterstützten Anfiedelungsorgane, über deren Maßregeln
wir uns in der vorigen Auflage noch zu beklagen hatten, jetzt bei
der Siedelungstätigkeit möglichst auf Erhaltung und zweckmäßige
Verwertung der Waldbestände hinzuwirken.
Sobnred. Begwellser. k