Full text: Reorganisation der inneren Verwaltung Preußens.

Einleitung. 
„Selbstverwaltung" ist das Loosungswort fast aller Partheien geworden. 
Alle fühlen, daß die Verwaltung lebendiger und wirksamer gemacht 
werden müsse, daß dieses aber nur dadurch geschehen könne, daß die 
Bevölkerung zu vermehrter Mitwirkung bei derselben berufen werde. 
Die Thätigkeit der Staatsgewalt findet in der eigenen Fähigkeit 
der engeren Verbände, ihre Angelegenheiten selbst zu besorgen, ihre 
naturgemäße Begrenzung. Jemehr diese Fähigkeit wächst, um so mehr 
wird der Staat seine Thätigkeit einschränken, seine ordnende Hand zu- 
rückziehen müssen. Dies gilt ebensowohl von der wirthschaftlichen, wie 
von der obrigkeitlichen Verwaltung. 
Es ist nicht zu verkennen, daß unsere heutige Verwaltung diese 
Grenze nicht inne hält, daß sie ihre Einwirkung auf die Thätigkeit und 
das Vermögen der Einzelnen und der Gemeinden in einer Weise aus- 
gedehnt hat, die dem heutigen Interesse der Bevölkerung an den öffent- 
lichen Angelegenheiten und dem gegenwärtigen Standpunkte unserer 
Bildung nur wenig entspricht. Diese Einmischung in zu viele oft in 
die kleinlichsten Dinge nimmt die Kräfte der Behörden in ganz un- 
verhältnißmäßiger Weise in Anspruch. Sie führt, weil letztere nicht in 
der Lage sind, die Gegenstände sachlich zu übersehen, zu einem An- 
klammern an das äußere Formelle, das dem Wesen und dem Zweck 
der Sache sehr wenig dient. Die endlose Kontrolle wird häufig die 
Regierten nicht gegen Willkürlichkeiten und Ausschreitungen oder gegen 
Vernachlässigungen nicht einmal zu schützen vermögen und so ihrem un- 
mittelbarsten Zwecke sich nicht gewachsen zeigen. Sie hat ein weitläufiges 
langsames Verfahren zur Folge, das eine unmittelbare erfolgreiche 
Wirksamkeit unbedingt ausschließt und den Sachen zum Schaden ge- 
reicht, denen sie nützen will. Sie untergräbt damit nothwendig das 
Reorganisation d. Verwaltung. 1