Full text : Die Handelsgesetzgebung des deutschen Reiches.

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merkwurdigerweise  das  land  hinter  unseren  kustenkolonien
  sehr  viel  unbekannter  Bismarck  Reden
16,  132.  —  Merkwürdigkeit,  k  merkwürdige  Art:  etwas
der  merkwurdigkeit  wegen  aufzeichnen;  merkwürdiges
Ding  oder  Geschehnis:  dieser  gegenstand  ist  eine  grosze
merkwürdigkeit;  die  merkwurdigkeiten  einer  stadt  erforschen,
  besehen.  —  Merkzeichen,  n.  Zeichen,  woran
man  etwas  merkt,  erkennt:  kennzeichen,  merkzeichen,
nota,  eharaeter  Stieler.

Merker,  m.  der  auf  etwas  merkt,  aufpaßt:  bei  hof
ist  kein  volk  stärker,  als  schlaue,  schlimme  merker
Logau:,  103,  19;  Beobachter:  der  ritter  war  ein
schlauer  merker  Wieland  Am.  §,  23;  bei  den  Meistersängern
  der,  der  Acht  auf  die  Kunstmäßigkeit  eines  Gesanges
  gab  und  sie  beurteilte.  —  merklich,  zu  merken
geeignet,  mhd.  merklich;  in  einfachem  Sinne,  von  dem
dessen  man  inne  wird,  besonders  in  den  Verbindungen
merklich  sein,  werden,  machen;  liesz  der  kunstler
eine  höhle  merklich  werden  Goethe  Wanderj.  2,  6;
er  machte  mir  meinen  fehler  merklich  (vgl.  auch  bemerklich);
  adverbial:  das  herz  kaum  merklich  schlug
Uhland  26;  gesteigert  zu  dem  Begriffe  leicht  oder  deutlich
  bemerkbar,  beachtenswert,  nach  Umfang,  Zahl,  Wert:
einen  merklichen  grad  des  mitleids  Lessing  Laok.  4;  so
spürte  er  bereits  einen  merklichen  grad  von  hitze  Wieland
  Sylr.  6,  2;  merkliches  miszverbältnis  Schiller
9,  95;  merkliches  sinken  der  brotpreise  Bismarck
Reden  10,  143;  adverbial:  sind  sogleich  die  wege  merklich
  schlechter  Seume  Spaz.  1,  24;  an  dem  ansehen
merklich  einzubuszen  Bismarck  Reden  14,  56;  in
älterer  Spr.  =  was  gemerkt  werden  muß,  hervorragend:
andern  zum  merklichen  exempel  Sir.  19,  3;  adverbial
—  sehr,  höchst:  bemelter  tag,  vor  welchem  er  sich
merklich  entsatzte  Simpl.  1,  201.

Merzen,  aussondern,  fortthun;  zunächst  landwirtschaftliches
  Wort,  gebraucht  von  der  im  März  vorgenommenen
  Aussonderung  der  Schafe  (vgl.  märzschaf):
  merzen,  seligere  ores  ef  separare  Stieler;
dann  in  allgemeinerem  Sinne:  also  soll  man  die  mönch
merzen  Garg.  493;  etwas  heraus  merzen.  vgl.  ausmerzen.

Meschäut,  garstig,  schlecht,  übel,  Lehnwort  der  niedrigen
  Rede  aus  franz.  méchant,  altfranz.  mescheant
(eigentlich  übel  fallend,  von  mescheoir),  seit  18.  Ih.  gewöhnlich:
  das  ist  ein  meschanter  kerl;  sie  hat  ein
meschantes  man!  Rabener  3,  29;  auch  verblaßter,
—  übel,  unangenehm:  in  was  für  einer  meschanten
lage  Iffland  Komet  7.

Messe,  k.  1)  Hauptteil  des  katholischen  Gottesdienstes,

Merkwürdigkeit  —  Messe.

Erneuerung  des  Opfers  Christi  durch  Emporhaltung
der  geweihten  Hostie;  ahd.  missa,  messa,  altsächs.  frief.

missa,  altengl.  mässa.  altnord.  messa,  mhd.  messe,  Lehnwort

  aus  dem  lat.  Subst.  missa  des  4.  Ih.,  welches

sich  gebildel  hatte  von  der  Formel:  ite,  missa  est  (nämlich
  concio),  womit  der  Diakon  der  altchristlichen  Kirche
die  zum  Abendmahle  nicht  Berechtigten  aus  der  Kirche
entließ  und  so  von  der  Feier  ausschloß;  unterschieden
hohe,  stille,  singende,  lesende,  ewige,  jährliche  messe;
deutsche  messe  (Luther  3,  2950)  gegenüber  der  lateinischen;
  die  messe  kann  gelesen  werden  ohne  gemeinde
Bismarck  Reden  16,97;  in  die  messe  gehen,  in  die
Kirche  zur  Beiwohnung  bei  der  Messe:  sie  ist  eben  in
die  mesz,  meine  tochter  Schiller  Kab.  1,  2;  —  die
zur  Messe  komponierte  Musik:  messe  in  c.,  b-dur;  —

übertragen  auf  einen  kirchlichen  Feiertag  überhaupt,  an

welchem  Messe  gelesen  wurde,  geblieben  in  kirch-,  lichtmesse
  (s.  d.).  2)  Markt,  uriprünglich  in  der  Nähe  der
Kirche  an  solchen  Feiertagen  abgehalten,  später  übertragen
  auf  einen  großen  und  wichtigen  Jahrmarkt  in
gewissen  Städten:  Frankfurter,  Leipziger  messe;  nach
der  Jahreszeit  herbst-,  fruhjahrsmesse;  nach  den  Waren

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Schiller  4,  113;  Meßgeschenk:  jemandem  eine  messe
kaulen,  schenken;  —  in  freierem  Sinne,  von  einem
drängenden  Volksgewühl:  heisz  ich  mir  das  doch  eine
messe!  Goethe  Faust  1.  —  Zusammensetzungen  zu
1  und  2:  Messe-  Meß-besucher-  m.  Besucher  einer  kuchlichen
  Messe;  eines  Meßmarktes:  mesz-  und  marktbesucher
  Garg.  23.  —  Meßbuch,  n.  Buch,  woraus  Messe
gelesen  wird;  Handelsbuch,  das  auf  einer  Messe  geführt
wird.  —  Meßbude,  f.  Bude  für  Verkäufer  oder  Schausteller
  auf  einer  Messe.  —  Meßfreiheit,  f.  einem  Orte
erteilte  Freiheit,  Messen  oder  Märkte  halten  zu  dürfen;
einem  Meßbesucher  obrigkeitlich  gewährte  Freiheit.  —
meßfremd,  fremd  zu  einer  Messe  oder  einem  Markte
kommend;  als  Subst.  der  mesztremde.  —  Meßgewand,  n.
Gewand  vom  Priester  beim  Gottesdienst  der  Messe  getragen.
  —  Meßglocke,  f.  Glocke  die  zum  Gottesdienst
der  Messe  läutet;  auch  die  eine  Messe  oder  einen  Markt
einläutet;  Dim.  meszglöckchen,  glöcklein.  —  Meßut,
  n.  Gut  oder  Waren  zum  Verkauf  in  der  Messe.  —
Meßkanne,  f.  Kanne  bei  der  heiligen  Messe  gebraucht;
Dim.  meszkännchen.  —  Meßopfer,  n.  Opfer  in  der
heiligen  Messe.  —  Meßtag,  m.  Tag  an  welchem  Messe
oder  Markt  gehalten  wird:  die  mesztag.  die  jarmarkt
Garg.  91.  —  Meßtheater,  n.  kleines  Theater,  wie  es
auf  Messen  oder  Märkten  aufgeschlagen  wird:  von
den  tänzern  auf  dem  mesztheater  Goethe  DuW.  2.—
Meßware,  f.  Meßgut.  —  Meßwechsel,  m.  Wechsel  der  auf
eine  Messe  gestellt  und  daselbst  zahlbar  ist.  —  Meßwoche,  k.
Woche  in  welcher  Messe  oder  Markt  abgehalten  wird.  —
Meßzeit,  k.  Zeit  wo  der  Gottesdienst  der  Messe  abgehalten
wird;  Zeit  wo  Messe  oder  Markt  gehalten  wird.
Messen,  nach  Maß  zuteilen,  nach  Maß  betragen.
Gemeingerm.  Wort,  goth.  mitan,  altnord.  meta,  altengl.
  altsächs.  metan,  ahd.  mezzan,  mhd.  mezzen,  urverwandt
  zu  griech.  médimnos  Maß,  Scheffel,  médomai
messe,  erwäge,  medoön  Berater,  lat.  modus  Maß,  Art,
modius  Scheffel;  an  deutschen  Worten  gehören  zur  Verwandtschaft
  außer  masz  und  masze  (s.  d.)  noch  goth.
mitabs  und  mitadjo  Getreidemaß,  altsächs.  meti  zugeteilte
  Kost,  Speise  (vgl.  mettworst),  ahd.  mezi  Mahlzeit;
  die  Bed.  des  Verbums  wird  sich  demnach  ursprünglich
  auf  das  Zumessen  bestimmter  Nahrung  und  Austeilen
von  Gewand  an  die  Elieder  einer  Haushaltung  bezogen
haben  und  von  da  aus  erweitert  worden  sein.  Die
starken  Formen  sind  bis  heute  unangetastet  geblieben;
Verkürzung  der  Form  du  missest  in  du  wiszt  in  gewöhnlicher
  und  nicht  sorgfältiger  Rede.  Bed.  1)  tranf.,
nach  Maß  zuteilen,  zumessen:  er  mas  sechs  mas  gersten
Ruth  3,  15;  mit  welcherlei  masz  jr  messet.  wird  man
euch  wider  messen  Marc.  4,  24;  freier  in  älterer  Spr.
zuteilen,  geben  überhaupt,  so  speise,  trank,  hinreichen:
K  kelner,  misz  im  eben  des  besten  salts  der  reben
Uhland  Volksl.  601;  scherzhaft  von  Schlägen:  Chuonzen
Was  ein  straich  gemezzen  Ring  9d,  35;  vgl.  noch  das
heutige  aufmessen  von  Prügeln;  sonst  auch  von  Lob,
Ehre,  Strafe,  Schande:  die  puosz  ihar  ich  im  nicht
kürzer  messen  Fastn.  Sp.  307,  26;  mit  dem  Begriffe  des
Urteilens:  dasselb  masze  man  dem  ritter  zu  groszen
ehren  und  vernunft  B.  d.  Liebe  2874;  in  dichterischer
neuerer  Spr.  bisweilen  noch  an  die  ursprüngliche  Bed.
angeschlossen:  die  ungebundne  hand  der  obersten  gewalt
  miszt  uns  den  lebensweg  mit  einer  kurzen  ruthe
Günther  643;  wer  miszt  dem  winde  seinen  lauf?!
Gellert  2,  145;  arbeit  nur  wird  dir  gemessen  Voß
4,  259;  —  verblaßt  zu  dem  bloßen  Sinne  des  Bestimmens
  nach  Maß,  ohne  Rücksicht  auf  Zuteilung:
sit  ir  den  himel  gemezzen  hat  Pf.  Amis  195;  feld,
fäche,  frucht;  tuch  mit  der  elle,  getreide  mit  dem
scheffel  messen;  wasser  zeit,  wärme,  kraft  messen,
auch  milch,  alkohol,  nach  Gehalt  und  Stärke;  einen

Messebesucher  —  messen.

und  Verkäufern  leder-,  tuch-,  buchhändlermesse;  Zeit=  menschen,  rekruten  messen,  bevor  man  sie  einkleidet,
bestimmung:  jede  messe  wird  ein  band  herauskommen  u.  s.  w.;  technisch  verse  messen  (schon  Otfrid  1,  1,  21);

M.  Heyne,  Deutsches  Wörterbuch,  II.

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