801
merkwurdigerweise das land hinter unseren kustenkolonien
sehr viel unbekannter Bismarck Reden
16, 132. — Merkwürdigkeit, k merkwürdige Art: etwas
der merkwurdigkeit wegen aufzeichnen; merkwürdiges
Ding oder Geschehnis: dieser gegenstand ist eine grosze
merkwürdigkeit; die merkwurdigkeiten einer stadt erforschen,
besehen. — Merkzeichen, n. Zeichen, woran
man etwas merkt, erkennt: kennzeichen, merkzeichen,
nota, eharaeter Stieler.
Merker, m. der auf etwas merkt, aufpaßt: bei hof
ist kein volk stärker, als schlaue, schlimme merker
Logau:, 103, 19; Beobachter: der ritter war ein
schlauer merker Wieland Am. §, 23; bei den Meistersängern
der, der Acht auf die Kunstmäßigkeit eines Gesanges
gab und sie beurteilte. — merklich, zu merken
geeignet, mhd. merklich; in einfachem Sinne, von dem
dessen man inne wird, besonders in den Verbindungen
merklich sein, werden, machen; liesz der kunstler
eine höhle merklich werden Goethe Wanderj. 2, 6;
er machte mir meinen fehler merklich (vgl. auch bemerklich);
adverbial: das herz kaum merklich schlug
Uhland 26; gesteigert zu dem Begriffe leicht oder deutlich
bemerkbar, beachtenswert, nach Umfang, Zahl, Wert:
einen merklichen grad des mitleids Lessing Laok. 4; so
spürte er bereits einen merklichen grad von hitze Wieland
Sylr. 6, 2; merkliches miszverbältnis Schiller
9, 95; merkliches sinken der brotpreise Bismarck
Reden 10, 143; adverbial: sind sogleich die wege merklich
schlechter Seume Spaz. 1, 24; an dem ansehen
merklich einzubuszen Bismarck Reden 14, 56; in
älterer Spr. = was gemerkt werden muß, hervorragend:
andern zum merklichen exempel Sir. 19, 3; adverbial
— sehr, höchst: bemelter tag, vor welchem er sich
merklich entsatzte Simpl. 1, 201.
Merzen, aussondern, fortthun; zunächst landwirtschaftliches
Wort, gebraucht von der im März vorgenommenen
Aussonderung der Schafe (vgl. märzschaf):
merzen, seligere ores ef separare Stieler;
dann in allgemeinerem Sinne: also soll man die mönch
merzen Garg. 493; etwas heraus merzen. vgl. ausmerzen.
Meschäut, garstig, schlecht, übel, Lehnwort der niedrigen
Rede aus franz. méchant, altfranz. mescheant
(eigentlich übel fallend, von mescheoir), seit 18. Ih. gewöhnlich:
das ist ein meschanter kerl; sie hat ein
meschantes man! Rabener 3, 29; auch verblaßter,
— übel, unangenehm: in was für einer meschanten
lage Iffland Komet 7.
Messe, k. 1) Hauptteil des katholischen Gottesdienstes,
Merkwürdigkeit — Messe.
Erneuerung des Opfers Christi durch Emporhaltung
der geweihten Hostie; ahd. missa, messa, altsächs. frief.
missa, altengl. mässa. altnord. messa, mhd. messe, Lehnwort
aus dem lat. Subst. missa des 4. Ih., welches
sich gebildel hatte von der Formel: ite, missa est (nämlich
concio), womit der Diakon der altchristlichen Kirche
die zum Abendmahle nicht Berechtigten aus der Kirche
entließ und so von der Feier ausschloß; unterschieden
hohe, stille, singende, lesende, ewige, jährliche messe;
deutsche messe (Luther 3, 2950) gegenüber der lateinischen;
die messe kann gelesen werden ohne gemeinde
Bismarck Reden 16,97; in die messe gehen, in die
Kirche zur Beiwohnung bei der Messe: sie ist eben in
die mesz, meine tochter Schiller Kab. 1, 2; — die
zur Messe komponierte Musik: messe in c., b-dur; —
übertragen auf einen kirchlichen Feiertag überhaupt, an
welchem Messe gelesen wurde, geblieben in kirch-, lichtmesse
(s. d.). 2) Markt, uriprünglich in der Nähe der
Kirche an solchen Feiertagen abgehalten, später übertragen
auf einen großen und wichtigen Jahrmarkt in
gewissen Städten: Frankfurter, Leipziger messe; nach
der Jahreszeit herbst-, fruhjahrsmesse; nach den Waren
802
Schiller 4, 113; Meßgeschenk: jemandem eine messe
kaulen, schenken; — in freierem Sinne, von einem
drängenden Volksgewühl: heisz ich mir das doch eine
messe! Goethe Faust 1. — Zusammensetzungen zu
1 und 2: Messe- Meß-besucher- m. Besucher einer kuchlichen
Messe; eines Meßmarktes: mesz- und marktbesucher
Garg. 23. — Meßbuch, n. Buch, woraus Messe
gelesen wird; Handelsbuch, das auf einer Messe geführt
wird. — Meßbude, f. Bude für Verkäufer oder Schausteller
auf einer Messe. — Meßfreiheit, f. einem Orte
erteilte Freiheit, Messen oder Märkte halten zu dürfen;
einem Meßbesucher obrigkeitlich gewährte Freiheit. —
meßfremd, fremd zu einer Messe oder einem Markte
kommend; als Subst. der mesztremde. — Meßgewand, n.
Gewand vom Priester beim Gottesdienst der Messe getragen.
— Meßglocke, f. Glocke die zum Gottesdienst
der Messe läutet; auch die eine Messe oder einen Markt
einläutet; Dim. meszglöckchen, glöcklein. — Meßut,
n. Gut oder Waren zum Verkauf in der Messe. —
Meßkanne, f. Kanne bei der heiligen Messe gebraucht;
Dim. meszkännchen. — Meßopfer, n. Opfer in der
heiligen Messe. — Meßtag, m. Tag an welchem Messe
oder Markt gehalten wird: die mesztag. die jarmarkt
Garg. 91. — Meßtheater, n. kleines Theater, wie es
auf Messen oder Märkten aufgeschlagen wird: von
den tänzern auf dem mesztheater Goethe DuW. 2.—
Meßware, f. Meßgut. — Meßwechsel, m. Wechsel der auf
eine Messe gestellt und daselbst zahlbar ist. — Meßwoche, k.
Woche in welcher Messe oder Markt abgehalten wird. —
Meßzeit, k. Zeit wo der Gottesdienst der Messe abgehalten
wird; Zeit wo Messe oder Markt gehalten wird.
Messen, nach Maß zuteilen, nach Maß betragen.
Gemeingerm. Wort, goth. mitan, altnord. meta, altengl.
altsächs. metan, ahd. mezzan, mhd. mezzen, urverwandt
zu griech. médimnos Maß, Scheffel, médomai
messe, erwäge, medoön Berater, lat. modus Maß, Art,
modius Scheffel; an deutschen Worten gehören zur Verwandtschaft
außer masz und masze (s. d.) noch goth.
mitabs und mitadjo Getreidemaß, altsächs. meti zugeteilte
Kost, Speise (vgl. mettworst), ahd. mezi Mahlzeit;
die Bed. des Verbums wird sich demnach ursprünglich
auf das Zumessen bestimmter Nahrung und Austeilen
von Gewand an die Elieder einer Haushaltung bezogen
haben und von da aus erweitert worden sein. Die
starken Formen sind bis heute unangetastet geblieben;
Verkürzung der Form du missest in du wiszt in gewöhnlicher
und nicht sorgfältiger Rede. Bed. 1) tranf.,
nach Maß zuteilen, zumessen: er mas sechs mas gersten
Ruth 3, 15; mit welcherlei masz jr messet. wird man
euch wider messen Marc. 4, 24; freier in älterer Spr.
zuteilen, geben überhaupt, so speise, trank, hinreichen:
K kelner, misz im eben des besten salts der reben
Uhland Volksl. 601; scherzhaft von Schlägen: Chuonzen
Was ein straich gemezzen Ring 9d, 35; vgl. noch das
heutige aufmessen von Prügeln; sonst auch von Lob,
Ehre, Strafe, Schande: die puosz ihar ich im nicht
kürzer messen Fastn. Sp. 307, 26; mit dem Begriffe des
Urteilens: dasselb masze man dem ritter zu groszen
ehren und vernunft B. d. Liebe 2874; in dichterischer
neuerer Spr. bisweilen noch an die ursprüngliche Bed.
angeschlossen: die ungebundne hand der obersten gewalt
miszt uns den lebensweg mit einer kurzen ruthe
Günther 643; wer miszt dem winde seinen lauf?!
Gellert 2, 145; arbeit nur wird dir gemessen Voß
4, 259; — verblaßt zu dem bloßen Sinne des Bestimmens
nach Maß, ohne Rücksicht auf Zuteilung:
sit ir den himel gemezzen hat Pf. Amis 195; feld,
fäche, frucht; tuch mit der elle, getreide mit dem
scheffel messen; wasser zeit, wärme, kraft messen,
auch milch, alkohol, nach Gehalt und Stärke; einen
Messebesucher — messen.
und Verkäufern leder-, tuch-, buchhändlermesse; Zeit= menschen, rekruten messen, bevor man sie einkleidet,
bestimmung: jede messe wird ein band herauskommen u. s. w.; technisch verse messen (schon Otfrid 1, 1, 21);
M. Heyne, Deutsches Wörterbuch, II.
51