28 Das Volk.
Weniger als 40,0 % Mischform wurden im ganzen Land in 117 Gemeinden
gefunden. Nur Mischformen kamen in 8 Gemeinden des Landes, außer in
5 kleinen nur in 3 mittelgroßen vor, nemlich in Neufürstenhütte, O. A.
Backnang, Ueberberg, O. A. Nagold, und Friedingen, O. A. Riedlingen.
In 1706 Gemeinden bildeten also die Mischformen die Mehrzahl, während
die Brünetten nur in 42 Gemeinden und in 146 die Germanen mit
über 40 % vertreten waren. Bei der Würdigung dieser Zahlen ist nicht
zu vergessen, daß die 3 Kategorien, mit Ausnahme von Wörnersberg, in
allen Gemeinden vertreten sind. Keine Brünetten wurden in 40, keine
Germanen in 16 Gemeinden gefunden, die Brünetten sind also durchweg
in der Minderzahl.
Auf der Karte fallen zunächst 3 große helle d. h. germanische
Gruppen ins Auge, nemlich erstens die Oberämter Leonberg und Böblingen,
welche das Centrum des sogen. Gäu bilden, und denen sich naturgemäß
die übrigen, gewöhnlich zu diesem Landstrich gerechneten Oberämter
Ludwigsburg, Herrenberg, Rottenburg und der östliche Theil von Horb
anschließen. Die zweite Gruppe entspricht dem Zuge der Alb (O.A.
Neresheim, Heidenheim, Ulm, Münsingen, Blaubeuren, Geislingen, Urach,
Reutlingen, Balingen, Spaichingen, Tuttlingen) mit ihrem nördlichen Abhang
(Göppingen, Kirchheim, Nürtingen, Tübingen, Rottweil), und die
dritte dem östlichen Theile von Oberschwaben (Biberach, Laupheim,
Leutkirch, Wangen).
Diese Gruppirung wäre besser ausgefallen, wenn es möglich gewesen wäre,
die Oberämter Horb, Rottweil, Rottenburg, Aalen, Gmünd, Münsingen, Ehingen
und Ulm je in zwei Theile zu trennen und dieselben an die angrenzenden Gruppen
anzufügen, allein dies hätte nur bei den Schulkindern, nicht aber bei den Rekruten
geschehen können, die Vergleichung beider wäre unmöglich geworden. Die dadurch
verursachten Trübungen des Zahlenbildes sind indeß nicht so stark, um nicht auch
so die Unterschiede scharf genug in die Augen fallen zu lassen. — Schon diese drei
(GGruppen erinnern an die von Herrn Finanzrath Dr. Kull gewählte Eintheilung
des Landes (Württemb. Jahrbücher 1874). Da auch seine übrigen Gruppen den
Bedürfnissen der Anthropologie vortrefflich entsprechen, so bin ich ihm gefolgt, nur
habe ich der leichteren Uebersicht halber einige zusammengelegt.
Die vierte Gruppe bildet das westliche Oberschwaben (O A.
Ehingen, Niedlingen, Saulgau, Ravensburg, Waldsee, Tettnang), die
fünfte der Schwarzwald (O.A. Freudenstadt, Calw, Nagold, Neuenbürg,
Oberndorf, Sulz). In der sechsten sodann habe ich, wegen der
großen Aehnlichkeit ihrer anthropologischen Zusammensetzung, die Oberämter
des unteren Neckars zusammengefaßt (Besigheim, Brackenheim, Marbach,
Maulbronn, Heilbronn, Neckarsulm, Vaihingen, Weinsberg), ferner
die. des mittleren Neckars und der unteren Rems mit dem Schönbuch,
den Fildern und dem Schurwald (Stuttgart St., die Ober-