Metadata : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

Wechsel  der  schnell  zermürbten  Fronttruppen  zu  deren  intensiver  Ausbltldung
  nach  den  Rohrschen  Methoden  fast  nie  die  Zeit  blieb.  Was  uns
in  jener  Zeit  noch  völlig  fehlte,  war  die  gründliche  Schulung  der  Truppe
im  Zusammenwirken  der  Waffen  nach  einbeitlichen  Gesichtspunkten.  Die
wenigsten  vor  Derdun  eingesetzten  Truppen  waren  technisch  im  Angreifen
unter  den  völllg  veränderten  AKampfverhältnissen  geübt.  Ich  sehe  es  ale
ein  besonderes  Verdienst  des  Generals  Kudendorff  an,  daß  er  nach  seinem
Kintritt  in  die  O.  H.  L.  hierin  tatkräftig  und  zielbewußt  Wandel  geschaffen
  hat.

Trwägungen  über  Fortführung  oder  Abbruch  der  Offensive
Mitte  August.

Am  12.  August  war  mein  Armeechef  zum  Vortrag  zur  G.  S.  K.
nach  Mezieères  befohlen,  wo  die  wachsenden  Zweifel  an  der  Zweckmäßigkeit
und  Möglichkeit  der  Weiterführung  der  Verdun-Offensive  in  der  bisherigen
Form  ernste  Erwägung  fanden.  Sum  ersten  Male  scheint  hier  die  Aussprache
  zwischen  Falkenhayn  und  Rnobeledorf  keine  Ubereinstimmung  als
#Ergebnis  gehabt  zu  haben.  Ich  schließe  das  wenigstens  aus  dem  Inhalt
des  am  15.  August  einlaufenden  Schreibene  der  O.  S.  L.:

„Welche  Bedeutung  für  die  Gesamtlage  die  Aufrechterhaltung  des
Eindrucks  beim  Feinde  und  auch  auf  unserer  Seite  nach  wie  vor  hat,
daß  die  Angriffsunternehmung  an  der  Maas  nicht  ganz  eingestellt  sei,
bedarf  keiner  weiteren  Begründung.  Auch  bann  die  taktische  Lage,  in  der
sich  unsere  vordere  Linie  auf  dem  rechten  Maas-Ufer  zur  Zeit  befindet,
dazu  zwingen,  ihre  Derbesserung  vor  Wintreten  der  Zerbstwitterung  mit
allen  vorhandenen  Mitteln  anzustreben.  Auf  der  anderen  Seite  bedingt
die  Spannung,  unter  der  wir  gegenwärtig  den  Krieg  führen  müssen,  die
möglichste  Sparsamkeit  in  der  Ausgabe  von  Menschen  und  WMunition.
Unter  diesem  Gesichtspunkt  muß  der  tatsächliche  Abbruch  der  Offensive
in  ernste  Erwägung  gezogen  werden,  obgleich  natürlich  niemals  aus  dem
Auge  verloren  werden  darf,  daß  der  rührige  Feind,  sobald  er  das  Einstellen
  unserer  Unternehmungen  merkt,  nicht  einen  Tag  verlieren  wird,
ernste  Gegenmaßnahmen  zu  treffen,  die  bei  selner  Uberlegenheit  uns  bei
VDerdun  oder  an  anderer  Stelle  viel  empfindlicher  werden  könnten  als  die
Derluste,  die  wir  im  Maas-Gebiet  bei  der  jetzigen  RKriegführung  erleiden.

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