Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

60  Buch  I.  Kap.  2.

jedoch  stand  die  Frau  gesetzlich  zu  dem  Mann  in  dem
Verhältniß  der  Unterordnung.  Er  war  der  Verwalter
und  Nutznießer  ihres  Vermögens  und  sie  durfte  darüber
nicht  verfügen.  Gütergemeinschaft  zwischen  Eheleuten
kam  erst  später  auf  und  da  hieß  es  dann:  „Wann  die
Decke  über  den  Kopf  (der  Brautleute)  ist,  sind  die  Ehleute
  gleich  reich"  —  oder:  „Leib  an  Leib,  Gut  an  Gut.“
Daß  ein  Theil  des  in  der  Ehe  erworbenen  Vermögens,
der  Errungenschaft,  beim  Tode  des  Mannes  an  die  Wittwe
käme,  hier  die  Hälfte,  dort  ein  Drittel,  bestimmten  schon
ältere  Rechtsbücher,  wie  das  sächsische  und  das  ripuarischfränkische.
  Die  an  den  Ehemann  übergegangene  väterliche
  Gewalt  gestattete  diesem  die  körperliche  Züchtigung
des  Weibes,  welche  oft  genug  in  Anwendung  kam,  gestattete
  ihm  ferner  die  straflose  Tödtung  der  Ehebrecherin,
gestattete  ihm  auch  den  Verkauf  der  Frau,  welcher  letztere

woerd  of  oevel  sehen,  und  roipen  dae  sine  naebur  aen,  dat  sie
inne  sines  wives  lives  noet  helpen  weren,  und  of  sine  naebur
dat  niet  doen  wolden  of  kunden,  so  sall  hie  sie  senden  up  die
neiste  kermisse  daerbi  gelegen  und  dat  sie  sik  süverlik  toe  make
und  verzere  und  hangen  ör  einen  buidel  wail  mit  golde  bestikt
up  die  side,  dat  sie  selft  wat  gewerven  kunde;  kumpt  sie  dannoch
  wider  ungeholpen,  so  help  ör  dar  der  duifel.  Weisthum
aus  dem  Amt  Blankenburg,  bei  Grimm  (Rechtsalterth.  444),  wo
solcher  naiv-idyllischer  Weisthümer  noch  mehrere  angezogen  sind.
Daß  diese  für  unsere  Ohren  so  seltsam  klingende  Rechtssatzung  zur
Anwendung  gekommen,  dürfte  sich  historisch  kaum  nachweisen  lassen.
Daß  sie  aber  in  ältester  Zeit  wirklich  in  Uebung  gewesen  sein  kann
oder  muß,  zeigt  ihr  nicht  seltenes  Vorkommen  in  den  alten  Bauernrechten.