Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummimer  88

den  Bau  der  Strecke  Rosenheim-Frasdorf  anfrebte.
  Er  ist  eines  der  ältesten  und  verdienstvollen
  Mitglieder  dieses  Komilees.  In  rueilesren
  Kreisen  wird  sicherlich  heute  seines  Jubellages
  gedacht  werden.  Wir  entbieten  ihm  zu
seinem  Cesle  die  herzlichsten  Glückwünsche.  Möge
er  sich  seiner  guten  Rüstigleit  noch  lange  erfreuen
und  die  Gemeinde  Frasdorf  noch  viele  Jahre
so  erfolgreich  leiten  wie  bisher!

Leitzachtbal,  10.  April.  Am  6.  April  trieb
Kunstmühl  und  Gutekesizer  Treichl  im  Leitzachtal,
  zum  erstenmal  seine  Biehherde  auf  die  Weide.
  Ein  weidendes  Vieh  um  Anfang  April  weiß
niemand  in  unserer  Gebirgsgegend.

Varischzell,  12.  April.  Ueber  8400  Mark
hat  die  Bevöllerung  der  Gemeinde  Bayrischzell
  bis  jett  durch  freiwillige  Gaben  für  Kriegswohlfahrts
  zwede  ausgebracht.

Eggstätt,  10.  Arril.  Im  Weitmoos,  unweit
  des  Gefangenenlagers,  bruch  am  Samostagmittag
  ein  Brand  aus,  der  mehrere  Tagwerk
vernichtete.

Mühldeorf,  12.  April.  Die  Stadtgemeinde
Mühldorf  hat  vor  zmei  Jahren  mit  der  Ueberlandzentrale
  einen  Lieserungsvertrag  für  Licht
und  Kraft  abgeichlossen.  Dadurch  ist  der  Weiterbetrieb
  des  eigenen  Weidinger  Werkes  und
dieses  selb  uberflüssig  gen  orden.  Andererseits
bot  sich  Gelegenheit,  den  ganzen  Vorrat  an
Kupser  zu  angemessenem  Preis  an  die  Einlaufflelle
  Berlin  verlausen  zu  lönnen.  Das
Magistratskollegium  nahm  am  Montag  nach

lurzer  Beratung  ein  Offert  des  Mollereibeiizers
  Menninger  in  Weiding  auf  läufliche

Uebernahme  des  Kädtischen  Wertes  in  Weiding
einichliesilich  des  Walsertechis  um  den  Betrag
ren  21  #0  Ml.  an.  Diesem  Beschiuß  trat  auch
dar  Gemieinsclollegium  eintimmig  bei.

Altstting,  12.  Auril.  Die  langjährige  Lekrerin
  im  Instilut  der  Englischen  Fräulein  zu
Altdliing.  .  Melania  Freün-  v.  Andrian-Werlurg.
  die  bald  50  Jahre  im  Orden  verdienfstvoll
  wirlt,  seiert  am  15.  Abril  ihren  70.  Geburtstag.


 

Rosenheim,  13.  April.

Ein  Jubiläum  kann  am  19.  April  d.  J.
der  Rosenkeimer  Bahnliof  begehen.  An  diesem
Tage  sind  es  40  Jahre,  seit  die  neue  Bahnho
aulas  in  Berrieb  genommen  wurde.  Früher
beiand  sich  unser  Bahnhof  belanntlich  inmitte
der  Stadt.  Mit  der  Eröffnung  des  neuen
Babnhoses  uurde  gleichzeitig  auch  das  englüche
Eineigrerfabren  eingeführt,  nach  welchem  man
sich  zu  den  Zügen  nicht  mehr  über  die  Gleise
begab,  sondern  die  darunter  erbauten  Durchgänge
  benütte.  Mit  Augsburg  war  Nosenheim
  die  erste  Stadt  in  Banern,  in  der  man  die
neue  Einrichiung.  die  vor  der  Gefahr  des
leberfahlennerdens  schützt,  anwendeie.

Gegen  das  Einhamnern  von  Lebenomitteln
  richtet  sich  eine  Bekanntmachung
  des  bayer.  Kriegsministeriums,  in  der
es  heiht:  Wenn  durch  die  Einhamsterung  von
Vorräten  bei  irgendeinem  notmendigen  Gebrauchsgegenstand
  ein  mirklicher  Mangel  eintreten
  sollte,  so  veriügen  die  militärischen  Bejehlshaber
  jederzeit  über  die  Möglichleit,  rücksichtslos
  einzuickreiten  und  die  aufgestapelten
Vorräte  zuangsueise  dem  Markte  wieder
zuführen.  Die  unbedachten  Leute,  die  sich.  2
bensmittel  über  den  laufenden  Bedarf  zusammentrugen,
  setzen  dabei  nicht  nur  auss  Spiel,
daß  sie  durch  diese  Handlungsweise  ihren  guten
Namen  in  der  Oeffentlichleit  schädigen,  sondern
es  werden  ihre  Vorräte  unter  Umständen  zu
Preisen  eingezogen,  die  die  von  ihnen  bezahlten
Einkaufspreise  kaum  decken.  Wer  also,  ohne
die  möglichen  Folgen  zu  bedenlken,  größere  Vorräte
  über  seinen  Bedarf  vorgekauft  hat,  tut  gut
daran,  abgesehen  von  der  genauesten  Befolgung
der  bereits  wegen  Kassee,  Tec,  und  Zucker  ergangenen
  Anordnungen,  diese  Waren  sosfort
freimillig  den  für  die  Lebensmittelversorgung
eingesetzten  gemeindlichen  Organisationen  zur
Verfügung  zu  stellen.

Der  deutsche  Luftflotten-Verein
bezueckt  die  Förderung  des  deutschen  Flugwesens,
  die  Stärtung  unserer  Luftflotie.  Er  unterslutzt
  die  vom  Vereine  gegründeie,  slaatlich  geförderte
  Luftfohrerschule  in  Adlersdorf-Berlin.
In  Kriegszeiten  erftrebt  er  den  Schutz  der  Heimat
  durch  Einrichtung  von  Flugzeugwachen  zur
raschesten  Meldung  seindlicher  Witangrsss,  und
schließhlich  unterügt  er  die  Familien  der  im
Felde  stehenden  Flieger  und  trägt  Sorge  für  die
Hinterbliebenen  gefallener  Angehöriger  der  deutschen
  Luftflotte.  Jeder  kann  diese  patriotischen
Jiele  fördern,  menn  er  dem  Vereine  beitritt  und
für  ihn  nirbt.  Der  mindeste  Mitgliedsbestrag
beträgt  jährlich  nur  drei  Mark.  Dafür  wird  die
Tereinszeitschrift  „Die  Luftflotte“  geliesert.  Zur
Bildung  eines  bayerischen  Landesverbandes  des
Vereins  wurde  in  München,  Paul  Heysestr.  9,
Tel.  51001,  eine  eigene  Geschäftssielle  eingerichtet,
  von  mo  aus  alle  Anfragen  wie  auch  Anmeldungen
  zum  Vereine  erledigt  werden.

##st  e#  Sturm  l  heute  über  das
Lanb.  Während  es  in  der  6  anduernde.
E  regnete,  trat  heute  früh  heftiger  Wind
ein.  Er  spielte  namentlich  dem  frischen  Gron

 

Mal#####  ###

unserer  Bäume  schlimm  mit.  Zahleriche  Blätter
  und  junge  Zweige  liegen  unter  den  Alleen
in  Boden.  Dafür  war  aber  der  Regen  höchst
willlommen.  Nach  der  Wetiervorhersage  soll
es  unbeständig  bleiben  bei  Regen  und  Schnee.
Es  ist  eben  immer  noch  April.

Ein  Strohtäschchen  wurde  gefunden.
Almholen  im  maginratischen  Geschäftszimmer
Nr.  2.

Gefunden.  Eine  Brille  wurde  gefunden:
—  im  magistratischen  Geschäftszimmer
Nr.  2.

 

SNKlochliche  Nachrichten.

Bauernwallsahrt  nach  Allötting.
Der  bayer.  christl.  Bauernverein  ruft  seine  Mitglieder
  zu  einer  Walllahrt  nach  Altötting  auf.
In  der  Einladung  heißt  es:  Die  bayerischen
Bauern  sollen  in  dieser  Stunde  dem  ganzen
deuischen  Volle  mit  leuchtendem  Beispiel  vorangelen
  in  der  Anerlennung  der  Oilse  Gotles,  oie
und  während  zweier  Kriegsjahre  auslömmliche
Ernten,  ein  glänzendes  Erntemetter  und  außerordemlich
  gunstige  Witterungsverhällnisse  fur
die  Zeiten  des  Anbaues  gescheult  hat.  Von
seiten  des  banerischen  etislichen)  Bauernvereins
it  daher  für  die  3.  des  Monats  Mai
eine  grobe  Bauernuali  ½  nach  Allötting  ge:
Plant.  Dort  an  der  Gnadenflätte  unserer  lieben
Frau,  der  Schirmerin  und  Schützerin  unseres
engeren  Heimatlandes  Bayern,  wollen  wir  Gott
dem  Herrn  und  der  gütigen  Gotlesmutter  heißen
Danl  absiatten  für  die  Ersolge  unserer  Wassen
u.  für  den  Segen,  den  der  Himmel  nährend  der
ersten  2  Jal.re  der  K#  ieges  unserer  Landumir!lschaft
  geu####l  at,  ein  Segen,  dessen  Bedemung
für  den  schließlick  en  Ersolg  der  Krieges  unermerlich
  il.  Aber  ni#t  bloß  danlen  mollen  wir
für  die  bereits  genosiene  (Unni#t  des  Himmels,
sondern  auch  nod.  für  die  lemmende  schwere  zeit
uns  neiler  die  Huld  und  Guade  Gottes  uu  id
die  Fürbitte  Mariens  erflehen,  damit  der  reiche
Segen,  den  unsere  Fluren  bei  ihrem  gegenwär
ligen  herrlichen  Stand  rersprechen,  in  den  Ernle.
monaten  al?  reise  Frucht  gluclich  unter  Dach
und  Fach  gebracht  nerde.  Dann  lönnen  wir
geiront  zliehen,  wie  weiter  die  ohnmächtigen
Vesrebungen  unserer  Feinde,  wie  draußen  an
den  Spitzen  der  Bojonette  unserer  Soldaiten,  so
innen  an  der  Falle  und  dem  Reichtum  unserer
landwirtschaftlichen  Erzeugnisse  wirkungslos  abprallen.
  Am  Mittwoch  nach  dem  Palmsonnlag
wird  in  Regenoburg  nachmitlage  312  Uhr  in
der  Meißenburgerstraße  Nr.  5  eine  Besprechung
aller  Kreisselretäre  staltfinden  über  Zeit  und

Durchführung  der  geplanten  Wallfal.  tt.  Die
Walljahrt  ist  in  Aussichl  genommen  für  die  Zeit
zu  ischen  10.  und  20.  Mai.  Bir  dahin  find  die
Geldbestellungsarbeiten  des  Finlialer  vorüber,
die  Heuernte  hat  no.h  nicht  begonnen,  die  Bauern
haben  somit  in  dieser  Zeit  am  ehesten  die  ---lichleit
  von  ihrem  Vetriebe  abzukommen.  Die
Aumeldunnen  zur  Teilnahme  sollen  schon  l
bei  den  Obmannschaften  erfolgen.  Vis  1.
müssen  die  Anmeldungen  abgeschlossen  sein.  Die
Obmannschaften  werden  dann  die  erfolgten  Anmeldungen
  sofort  an  die  Kreissekreläre  weitergeben.
  Am  Tage  der  Abfahrt  nach  Altötting
werden  an  zentral  gelegenen  Staiionen  Ertraeüge
  bereit  siehen.  Die  Ertrazüge  ermöglichen
eine  Verbilligung  der  Fahrt.  Für  ausreichendes
Quartier  uird  gesorgt  werden.  Einzelnheiten
werden  spärer  nach  der  Besprechung  der  Kreisselreläre
  belannt  gegeben  werden.  Wir  hosffen,
daß  unsere  Mitglieder  sich  an  dieser  Wallfahrt
so  zahlreich  als  möglich  beteiligen  werden.  Die
Beteiligung  daran  ist  nicht  nur  eine  Ehrensache.
sondern  auch  eine  Gewissenopflicht.  Wer  den
Dank  an  Gott  unterläßt,  der  verdient  seine  weitere
  Gnade  nicht.

Ans  dem  Gerchtslässee.

ienstmütze.

 

Schuindeleien  mit  der  D

München.  12.  April.  Der  32  jährige  Kaufmann
  Georg  Grünbauer  von  Mitteraschau,  A.
G.  Neunburg  a.  D.,  wurde  vor  Jahren  bei
Ableistung  seiner  Militärdienstzeit  in  der  Kanzlei
  des  6.  Juf.-Reg.  verwendet,  brannte  mit
der  Regimentskasse  durch  und  uurde  wegen
Diebstahls  vom  Kriegsgericht  zu  1  Jahr  6  Monale
  Zuchthaus  verurleilt.  Nach  seiner  Entlassung
  konnte  er  den  rechten  Weg  nimmer  finden,
  sank  immer  tieser  und  wurde  zuletzt  wegen
Raubes  zu  5  Jahren  und  6  Monaten  Zuchthaus
  verurleilt.  Krank  rerließ  er  den  Strafort,
schwere  Arbeit  konnte  er  nicht  leisten,  leichtere
nicht  finden  und  so  lam  er  neuerdings  auf
wege.  In  Regensburg  stahl  er  ein  Fahrrad,
mit  dem  Erlös  kaufte  er  sich  u.  a.  eine  Dienstmütze
  und  fing  das  Schwindeln  an.  In  verschiedenen
  Dörfern  der  Bezirke  Dachau,  Ebersberg
und  Weilheim  ging  er  zu  einzelnen  Bauern,  gab
lich  als  Vertreter  des  Gerichtsvollziehers,  als
NRentamtaassistent,  als  Amtsbote  aus,  zeigte  ein
von  ihm  fäl  hiich  angesertigtes  Schreiben  mit
einem  nachgem  gchen  Be  -  hdalisih  bessen  der
mit  dem  „amtlichen“  Besuch  beglückte  von  einem
entsernten  Verwandten  t½0  nicht  unbeträchtliches
Erbschafts-Legat  Ebellten  werde.  Von  dem  so
beglückten  „Erben“  verlangte  bann  di
Amtsperson  —„  en  und  Er
steuern.  In  der  ersten  freudigen  ht

 

wurden  ihm  auch  Beträge  von  2  Ml.  bis  90
Marl,  im  Ganzen  508  Mk.  bezahlt.  Einige
Vorsichtige  verweigerten  die  gesorderte  Bezah-=lung.
  Schliehlich  mwurde  man  durch  Zeilungsnachrichten.
  auf  den  Schwindler  aufmerksam.  Als
er  in  einem  Dorf  bei  Weilheim  verfolgt  wurde,
drohte  er,  jeden  niederzuschiessen,  der  sich  ihm
nähere.  Das  Gericht  billigle  dem  Angellagten
mildernde  Umstände  zu  und  verurteilte  ihn
zu  2  Jahren  und  6  Monaten  Gesängnis  wovon
2  Monate  Untersuchungshaft  in  Abrechnung
lommen.

Sittlich  verkommen.

münchen,  12.  April.  Der  46  jährige,  verheiratete
  Maschinist  Johann  Rott  von  Feldlirchen
  verging  sich  in  seiner  Wohnung  wiederholt
  mit  seiner  leiblichen,  jetzt  16  Jahre  alten
Tochter  in  sawerster  Weise.  Wegen  Berbrechens
wider  die  Sitlichkteit  wurde  Rott  zu  3  Jahren
Zuchthaus  und  10  Jahren  Ehrenverlust  verurteilt.


 

Fante  Chronik.

Zeitunterschiede.  Während  des  lommenden
  Sommers  werden  wir  in  Deutschland
nach  der  osteuropäüischen  Zeit  rechnen,  die  die
Ortozeil  des  30.  Längengrades  östlich  von
(#r#ennich  ist,  und  die  der  mitleleuropäischen
Zeit  eine,  der  mesleuropäischen  (von  Greenwich)
  um  zwei  Stunden  voraus  ist.  Weit  größer
nerden  natürlich  die  Jeituntersch  iede,.  wenn  wir
die  Grenzen  Europas  verlassen.  Die  Zeit  in
Indien  in  z.  B.  gegen  die  mitteleuropäische  Feit
um  41-,  in  Birma  um  51  .  Stunden  vor.  Ostlajien
  ül  uns,  soreit  die  Küite  in  Veiracht
lommt,  um  7,  Lapan  und  Korea  sind  uns  um
3  Slunden,  Australien  81=  his  0  Stunden,
Neuseeland  schliefllich  101.  Slunden  voraug.
Dagegen  #eht  die  Zeil  von  Nemnorl  um  6,
Vron  Chicago  um  7.  ron  San  Franzisko  um  6
Stunden  blinter  der  unfrigen  zurück.

Eine  lünstliche  Hand.  Da  das  Deutsche
Museum  seine  Beziehungen  zu  vissenschaftlichen,
lechniscken  und  industriellen  Kreisen,  son  ie  die
Täligteit  seiner  Angenellten  bereits  bei  den
rersckiedensten  Gelegenbeiten  in  den  Dieni  der
Kriegsfüriorge  gestellt  hat,  isl  es  jetzt  niederum
mit  einer  neuen  Anregung  für  die  Kriegsbeschädiglen
  hervorgetreten.  Das  Deutsche  Museum
  hat  nämlich  seinem  Mechaniker  Will,  der
eine  neue  Konstrultion  für  eine  lünftliche  Hand
erdacht  bal,  Zeil  und  Mittel  zur  Verfügung  gesielllt,
  um  seine  Jdee  soweit  zu  verwirklichen,
daß  sie  jetzt  der  Oeffenilichleit  bekannt  gegeben
nerden  lnonte.  Bei  der  Konstruktion  der  neuen
lünftlichen  Hand  wmurde  als  Haupterfordernis
betrachtet,  daß  sich  die  einzelnen  Finger  selbit.
lätig,  wie  bei  der  natürlichen  Hand,  jedem
Cegenstand  genau  anpassen,  daß  die  Hand  den
ergrifsenen  Gegenstand  beliebig  lange  senhalten
lann  und  dah  die  Griff:  nicht  von  einer  zwangs
age  des  Armes  abllungig  sind,  sondern  daß
dao  Greisen  und  Feühalten  der  Gegenstände
in  jeder  Armlage  erfolgen  lann.  Die  Betäligung
  der  Hand  wird  durch  eine  äußerfi  sinnreiche
  Konstraltion  ermöglickt,  deren  Grundgedanle
  im  Folgenden  kurz  angedentet  sei.  Jeder
Finger  besteht  aus  drei  aus  dunnen  Stahlblechen
geserligten  Gliedstücken,  die  unter  sich  und  mit
dem  Hantteiler  durch  Scharniere  verbunden  sind.
Durch  einfachke  Hebevorrichtungen  kann  jedes
Fingerglied  in  ganz  ähnlicher  Weise  bemegt
werden,  mie  bei  der  nalurlichen  Hand  und  jedem
der  fünf  Finger  tann  eine  beliebige  Stellung
gegeben  nerden,  ganz  wie  es  der  zu  eriassende
(Gegenstand  erfordert.  Es  iüönnen  beispielewe  eise
Federhaiter,  Eßbeitede,  Trinigefäße,  Werkzeuge
oder  was  es  sonst  immer  sei,  so  erfaßt  und  festgehbaletn
  nerden,  wie  es  der  Gegenstand  zum
sicheren  Halten  und  sicheren  Gebrauch  erfordert.
Ein  Zug  von  nur  wenigen  Zentimelern  genügt,
um  die  gestreckte  Hand  in  die  Faustlage  zu
bringen,  sodaß  die  Betäligung  des  Griffes
durch  ein  geringes  Strecken  des  Ellbogens  oder
beim  Fehlen  des  Unterarmes  durch  eine  lleine
Beuegung  des  Achselgelenkes  erfolgen  lann.
Durch  eine  selbstlälige  Sperrvorrichtung  wird
dann  die  Hand  in  jeder  durch  den  zu  erfassenden
Gegensland  bedingten  Lage  sestgehalten,  auch
kann  sie,  ohne  einen  Gegenstand  zu  halten,  in
einer  beliebig  gewähllten  zwanglosen  Stellung
verbleiben.  Ebenso  einfach,  wie  die  Herstellung
des  Griffes,  ist  seine  Löfung.  Durch  Auflegen
der  Hand  auf  die  Tischplatle  oder  durch  Andrücken
  des  Oberarmes  an  den  Körper  wird
die  Sperrvorrichtung  frei  gegeben  und  langsam
und  allmählich  strecken  sich  die  Finger,  ganz
so,  wie  dies  bei  der  natürlichen  Hand  der  Fall
ist.  Eine  genaue  Konstruktionsbeschreibung  ist
allen  in  Betracht  kommenden  Fachzeitschriften
zugegangen,  sodaß  sich  die  Fachleute  eingehend
über  die  neue  Stahlhand  unterrichten  können.
Das  Deutsche  Museum  siellt  die  Anregun  allen
Werkstätten  und  Fabriken  ohne  jede  Enkschädigung
  zur  Verbesserung  und  zur  beliebigen  Herstellung
  zur  Verfügung.

Mitgefühl.  Aeltere  Schwester:  „Nosa,
nimm  einmal  das  Bild  meines  gewe  en  rn
ligams  und  wirf  es  ins  geun
nimmer  anrühren!“  uFher  „#on
ich's  nicht  lieber  zur  sre#rn  tragen,
dammt,  es  ins  Verbrecheralbum  ausgenommen

—

 

Freltag,  14.  Upril  7916

Der  Weltkrieg.

Die  Kämpfe  vor  Verdun.

Geuf,  13.  April.  Auffallend  lleinmütig
der  Ton  der  heutigen  Havasnote,  die  den  Mangel
  an  Initiative  der  französischen  Oberbefehlshaber
  jetzt  mit  folgenden  Worten  zu  bemänteln
sucht:  „Unsere  Chefs  beherrschen  ihre  Ungeduld,
  den  Eindringling  zu  vertreiben.  Sie  sparen
  das  Menschenmaterial  für  den  Ort  und  die
Stunde  auf,  da  ihnen  die  Aussichten  für  das
allgemeine  Gelingen  einer  Gegenossensive  gün.
slig  erscheinen.“  (3.)

Amsterdam,  12.  April.  Die  „Times“  er
hallen  folgenden,  als  zuverlässig  bezeichneten
Bericht  über  die  Lage  vor  Verdun:  Der  Kamof
steht  jetzt  hauptsächlich  in  der  Gegend  nördlich
der  Höhe  304  und  östlich  vom  Mort  Homme,
ohne  daß  der  Feind  hier  mesentlich  weiter  kommi.
Die  andauernde,  sehr  ernst  gemeinte  Veschie.
bhung  des  Seltors  hinter  Douaumont  und  Vaur
scheint  mit  Sicherheit  die  Erwartungen  derer
zu  rechtsertigen,  die  an  eine  neue  große  Offensive
  des  Feindes  glauben,  sobald  seine  Mäne
am  Mort  Homme,  die  er  gegenwärtig  unter
großben  Opfern  weiter  verfolgt,  erfüllt  sind.  (Z.)

Deutsche  und  französische  Verluste
vor  Verdun.

Berlin,  13.  April.  Der  Berichteritatter
der  „Voss.  Zig.“  meldet  vom  wefllichen  Kriegsschauplatz
  unterm  12.  März:  Heute  werden  von
Franlkreich  aus  in  alle  Länder  und  Weltleile
Mitteilungen  über  unsere  Einbuße  an  Mernschenmaterial
  gemacht  und  unter  dem  Maniel
detaillierter  Einzelheiten  vollendeter  Unsinn  be.
richtel.  So  habe  ein  Jägerbataillon  allein
1078  Mann  verloren,  also  ungefähr  ebensoviel.
wie  es  überhaupt  besessen.  Das  18.  alo#n
habe  bei  den  Stürmen  auf  Dorf  und  Fee
Bauxr  17000  Mann  verloren.  Das  Korps  war
aber  weder  bei  den  Kämpfen  um  Dorf  noch
um  die  Feste  Vaux  beteiligt.  Die  Gesamtzab!
der  Toten,  Verwundeten  und  Vermißten  wird
seit  dem  21.  Februar  auf  200  000  Mann  aufgerundet.
  Das  ist  der  reine  Unsinn.  Es  muß
im  Gegenteil  immer  wieder  betont  werden,  daß
die  Zahl  unserer  Gesallenen  glücklichermeise  igar
  leinem  Verhältnis  zur  Bedeutung  des  tar,
sächlich  Errungenen  steht.  Ueberdies  slehl  sert.
daß  unter  den  außer  Gefech!  Gesetzten  der  Prozenlsatz
  der  Leichtverwundeten  erfreulich  hoch  ist.
Ueberall  an  der  Front  wird  das  bestätigt.  Die
Schar  der  Gefangenen  serner,  deren  sich  der
Feind  rühmen  konnte,  ül  verschwindend  llein.
Sie  besteht  nur  aus  den  Uebertollkühnen,  die,
vron  der  Macht  des  Sturmes  sortgerissen,  sich
allzu  weit  vorgewagt  haben.  Es  ist  ferner  nicht
weiter  erstaunlich,  daß  die  Franzosen  in  oll
diesen  Meldungen  ihre  Phantasie  walten  lassen,
Wie  sollen  Truppenverbände,  die  dem  Gegner
Stück  um  Stück  des  Schlachtfeldes  überlassen
müssen,  von  den  Verlusten  des  Siegers  eine
Vorstellung  geminnen?  Mit  weit  größerer
Sicherheit  können  wir  die  gewalligen  Verluste
des  Feindes  abschätzen  und  dabei  seitstellen,
daß  wir  bei  Verdun  nicht  nur  von  Erfolg  zu
Erfolg  schreiten,  sondern  auch  zugleich  besser
merken,  daß  sich  die  französische  Armee,  die
in  diesem  Kessel  zum  entscheidenden  Kampfe
zusammengezogen  ist,  sich  mehr  und  mehr  aufreibt.
  (

Neue  Kohlenfelder  in  Belgien.

Brussel,  13.  April.  In  Belgien  werden
jetzt  neue,  füngst  entdeckte  Kohlenfelder  ausgebeutet.
  Die  geförderte  Kohle  eignet  sich  vorzüglich
  für  die  Eisenindustrie  und  Koksgewinnung.
  Es  handelt  sich  um  ein  Kohlevorlommen
in  der  Gemeinde  Genck,  woran  auch  die  Schner
der-Creuzot-Gesellschaft  vor  dem  Kriege  betei
ligt  war.  Für  die  Entwicklung  der  Industrie
in  jener  Gegend  ist  dieser  Fund  von  großer  Wich
tigkeit.  (3.)
Die  Note  an  Amerika.

Berlin,  13.  April.  Die  deutsche  Antwom
auf  die  Anfragen  der  Vereinigten  Staaten  wegen
  der  Versenkung  von  fünf  Schiffen  ist  klat,
rückhaltslos  und  bei  aller  Entschiedenheit  in
der  Wahrnehmung  der  deutschen  Interessen  enkgegenkommend.
  Sie  hat  die  Aufklärungen  gegeben,
  die  sie  geben  konnte,  und  zugleich  die
Hand  gebotem  zu  jeder  möglichen  Feststellung
des  Sachverhaltes.  Die  deutsche  Antwortnon
wird  die  zahlreichen  Leute  bitter  enttäuschen
die  auf  eine  Neuauflage  der  deutsch  amerikam
schen  Spannung  gehofft  hatten.  Schon  je