Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1868. (59)

—  700  —

selnen  Genossen  für  ihre  Grundstücke  obliegen  und  im  Interesse  der  ganzen  Anage
  nicht  unterbleiben  dürfen.

K.  4.

Die  Anlegung  der  nöthigen  Gräben,  Wehre  2c.  muß  jeder  Wiesengenosse
ohne  Weiteres  gestatten  und  den  dazu  erforderlichen  Grund  und  Boden  in  der
Regel  unentgeltlich  hergeben.  Soweit  ihm  der  Werth  nicht  durch  das  an  den
Dammdossirungen  und  Uferrändern  wachsende  Gras  oder  andere  zufällige  Vortheile
  ersetzt  werden  sollte,  ist  Entschädigung  zu  gewähren.  Streitigkeiten  hieruber
werden,  mit  Ausschluß  des  Rechtsweges,  schiedsrichterlich  entschieden  (§.  9.).

Die  Erwerbung  von  Terrain,  welches  Nichtmitgliedern  des  Verbandes  gehört,
  erfolgt  nach  den  Vorschriften  des  zweiten  Abschnittes  des  Gesetzes  vom
28.  Februar  1843.

g.  5.

Die  Angelegenheiten  des  Wiesenverbandes  werden  geleitet  von  einem  Wiesenvorsteher
  und  zwei  Wiesenschöffen,  welche  zusammen  den  Wiesenvorstand  bilden.
  Dieselben  bekleiden  ein  Ehrenamt  unentgeltlich,  und  erhalten  nur  baare
Auslagen  aus  der  Genossenschaftskasse  ersetzt.

KG.  6.

Die  Mitglieder  des  Vorstandes  werden  von  den  Wiesengenossen  aus  ihrer
Mitte  auf  drei  Fahre  gewählt,  nebst  zwei  Stellvertretern  für  die  Wiesenschöffen.
Bei  der  Wahl  hat  jeder  Wiesengenosse  Eine  Stimme.  Der  Bürgermeister  berufst
  die  Wahlversammlung  und  führt  den  Vorsitz  in  derselben.  Er  verpflichtet
die  Gewählten  durch  Handschlag  an  Eidesstatt.  Minderjährige  können  durch
ihre  Vormünder  mitstimmen.  Wählbar  ist  Jeder,  der  zur  Genossenschaft  gehört
und  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen  Rechte  nicht  durch  rechtskräftiges  Erkenntniß
verloren  hat.  Im  Uebrigen  sind  bei  der  Wahl  die  Vorschriften  für  Gemeindewahlen
  zu  beachten.

Zur  Legitimation  des  Vorstandes  dient  das  vom  Bürgermeister  bescheinigte
  Wahlprotokoll.

*

Der  Wiesenvorsteher  ist  die  ausführende  Verwaltungsbehörde  des  Verbandes
  und  vertritt  denselben  anderen  Behörden  und  Personen  gegenüber.

Er  hat  insbesondere:
a)  die  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Wässerungsgräben  zu  veranlassen
und  zu  beaufsichtigen;

b)  die  Beiträge  aussuschreiben,  die  Zahlungen  auf  die  Kasse  anzuweisen  und
die  Kassenverwaltung  zu  revidiren;
#