Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

514  24.  Der  Krieg  von  1866.

Bewegungen  mit  einem  Gedanken  tindlicher  Strategie,  nämlich  einem
geheimnisvollen  Plane  Benedels  beichwichtigt,  der  die  Preußen  nach
Böhmen  hineinloden  wolle,  um  ihnen  da  defto  ficherer  den  Garaus
zu  machen,  und  fie  erreichte  von  neuem  eine  fieberhafte  Hibe,  als,
nachdem  die  preußiichen  Heere  am  21.  und  den  folgenden  Tagen
die  böhmische  Grenze  überjchritten  hatten,  Lügentelegramme  von
großer  Schamlojigfeit,  von  dem  Hauptorgan  der  Öjterreichifchen  Partei
  im  Reich,  der  Augsburger  Allgemeinen  Zeitung,  in  fetter  Schrift
verbreitet,  von  einer  gewaltigen  Niederlage  des  Kronprinzen  berichteten,
  der  auf  Neiße  zurücdgervorfen  fei,  nebft  allerlei  wilden  Zutaten.
Sn  Wahrheit  jahen  die  Dinge  ganz  anders  aus.  Benedef  Hatte  feine
Stellung  bei  Olmüb  verlaffen  und  fi)  aus  Mähren  nach  dem
nordöftlichen  Böhmen  gezogen,  ohne  fich  jenen  Vorteil  der  inneren
Linien  zunuge  zu  machen.  Dort,  zwilchen  Neichenberg,  Küniggras,
  Sojephitadt  und  Nachod  in  dem  unregelmäßigen  Biered
zwißchen  der  Elbe  im  Dften  und  Süden,  der  Ser  im  Weiten  und
dem  Gebirge  im  Norden,  hatten  ihn  die  preußijchen  Heere,  deren
Bewegungen  zunächit  noch  von  Berlin  aus  geleitet  wurden,  zu
juchen  und  fie  wurden  demgemäß  angewiejen,  ihre  Vereinigung
borwärts  bei  Gitfchin  zu  fuchen.  Der  preußiiche  VBormarjch  führte
zu  einer  Reihe  von  Gefechten  und  Schlachten:  die  Elbarmee  ftieß
bei  Hühnerwaffer  am  26.  Juni  mit  den  Ofterreichern  zufammen,
die  zurücgewworfen  wurden,  worauf  fie  Fühlung  mit  der  eriten
Armee  gewann,  die  am  gleichen  Tage  bei  Turnau  und  Bodol  erfolgreich
  fampfte;  am  28.  operierten  die  beiden  Armeen  gemeinfam
gegen  Slam-Gallas  bei  Münchengräb,  am  29.  bei  Gitjchin,  Das
nad  neunftündigem  Fechten  und  nächtlichem  Straßenfampf  am
frühen  Morgen  in  den  Händen  der  Preußen  war.  Die  jchmwierigite
und  gefährlichite  Aufgabe  Hatte  die  zweite  Armee,  die  des  Kronprinzen:
  fie  hatte  auch  die  weitefte  Strede  zurüdzulegen.  Sie  mußte
Darauf  gefaßt  fein,  als  fie  in  drei  Kolonnen  das  Gebirge  überjchritt,
beim  Austritt  aus  den  Päffen  von  einer  Übermacht  angegriffen  zu
werden.  Sn  der  Tat  hatte  Hier,  bei  Trautenau,  am  27.  ihre  nördfiche
  Kolonne  unter  General  Bonin  einen  ziemlich  fchweren  Mip-