448 Erankreitz. (Oltober 4.)
auf, denn das Gerücht sei bereits im Umlauf, daß Deutschland den Verräter
Malvy, der jetzt wertlos geworden sei, preisgeben wolle, um die
öffentliche Meinung in Frankreich vollends zu verwirren. „Das einzige
Mittel,“ heißt es weiter, „diesen deutschen Plan zu zerstören, besteht darin,
ihm zuvorzukommen und den Verräter, durch den Frankreich Stück für
Stück dem Feind ausgeliefert worden ist, vor das Kriegsgericht zu stellen.“
(Die Verlesung dieses Briefes wird von der Linken mit lebhaften Ausdrücken
der Entrüstung begleitet.) — Malvy ergreift dann das Wort. Er lehnt es ab.
sich gegen die wahnsinnigen Anklagen Daudets zu verteidigen. Es handle sich
bei dieser Kampagne der „Action Francaise“ auch nicht um seine Person.
sondern um einen im Einvernehmen mit der Zensur geführten Verleumdungsfeldzug
gegen die republikanische Partei, gegen die Republik und
Frankreich selbst. M. äußert sich sodann ausführlich über seine Beziehungen
zum „Bonnet Rouge“ und stellt fest, daß er selbst die ersten Maßregeln
gegen dieses Blatt veranlaßt habe, sobald er seine antipatriotischen Tendenzen
bemerkt habe. (Briand bestätigt dies in einer längeren Zwischenbemerkung.)
M. stellt sodann fest, daß der Duval an der Grenze abgenommene
Scheck diesem in Paris von dem Nachrichtenbüro des Kriegsministeriums
zurückgegeben wurde. (Viviani greift hier in die Debatte ein.
um Painlevé als Kriegsminister für diese Rückgabe verantwortlich zu machen.,
Malvy verteidigt sodann seine Politik, insbesondere seine versöhnliche Haltung
gegenüber der Arbeiterbewegung. (Viviani unterstützt auch diese
Ausführungen und erklärt dabei, daß er selbst Jaures, der am 30. Juli
1914 abends 8 Uhr zu ihm kam, versprochen habe, diejenigen Gewerkischai#-ler,
die als antimilitaristisch auf den Geheimlisten der Polizei stünden, nicht
zu belästigen. Das sei der Ursprung der geheiligten Einigkeit gewesen.
Maloy schließt, Daudet wolle sich an ihm rächen, weil er gewisse Besporechungen
Daudets über das Thema, man müsse eine solide Armee schaffen.
„um die Republik zu stürzen und unseren König wieder einzusetzen“, untersagt
habe. Er wolle zwar den Patriotismus der Franzosen nicht in Zweifel
ziehen, aber er müsse betonen, daß Daudet in Privatzusammenkünften
Propaganda „zugunsten unseres Königs, der allein das Vaterland reiten
könne“, betrieben habe.
Ministerpräsident Painlevé erklärt, Daudet werde sich persönlich vor
dem Untersuchungsrichter verantworten müssen. Die Regierung werde alles
tun, um die Untersuchung zu beschleunigen. Sie werde ihre Politik gegen
die Arbeiter nicht ändern. Vor allem solle niemand vergessen, daß das
Land im Kriege lebe. Frankreich werde siegen, wenn nichts den inneren
Zusammenhang störe.
Hierauf begründet Abg. Poncet (Soz.) seine Interpellation über die
Enthüllungen in der Affäre Bolo. Die Regierung habe die Pflicht, jede
Beziehung zu einem Blatt zu vermeiden, das, wie der „Rappel“ und das
„Journal“, eine Kampagne für die Wiedereroberung des linken Rheinufers
führe. Der Redner stellt sodann den Ministerpräsidenten Painlevé und den
Minister des Aeußern Ribot zur Rede, weil sie den Vertretern der franz.
Gewerkschaften Pässe für Bern verweigerten, während Msgr. Bandrillat
und zahlreiche Priester Pässe für Spanien erhalten hätten. — Ribot erwidert,
daß diese Priester Propaganda unter den Katholiken Spaniens
machten, daß sie aber nicht mit Feinden zusammenträfen. — Painleve
fügt hinzu, daß die Pässe für Bern verweigert worden seien im Einvernehmen
mit der engl. Regierung, um zu vermeiden, daß Uneinigkeit zwischen den
Gewerkschaftlern der Entente zutage trete.
Zum Schluß der Debatte erklärt der Führer der radikalen Partei
Caillaux, er erhebe keinen Widerspruch gegen die Tagesordnung Boka-